In den vorkonstantinischen christlichen Martyrerakten wird ein scharfer und spannungsgeladener Antagonismus zwischen Christen und heidnischem romischen Staat aufgebaut und in der Darstellung der Geschehnisse um die Martyrerhinrichtungen dramatisch in Szene gesetzt, kommuniziert sowie in der (christlichen) Gesellschaft literarisch etabliert. Mit diesen vor allem in ihrer Masse wirkungsmachtigen Texten setzt sich das Christentum nicht nur in bewusste Opposition zum heidnischen romischen Reich, sondern bildet aufgrund der in den Texten propagierten Alternativangebote zu den bestehenden gesellschaftlichen, religiosen und sozialen Gegebenheiten ein gefahrliches subversives Potential. Das Machtmonopol des Staates wird in den Texten konsequent in Frage gestellt, delegitimiert, aufgelost und neu konstituiert. Diese Texte erscheinen durch die literarischen Inszenierungen von Macht und Ohnmacht und durch den aufgebauten Antagonismus zwischen den diabolischen Machten Roms und den fur Gott kampfenden Christen als uberaus aggressive Literaturform mit apokalyptischem Geprage.