Seit dem Sturz Benito Mussolinis führte die Deutsche Wehrmacht auch in Italien Krieg, nicht nur gegen die regulären Armeen der Gegner, sondern vor allem gegen die Partisanen - und das hieß: auch gegen die Zivilbevölkerung. Friedrich Andrae beschreibt den schmutzigen Krieg auch gegen Frauen und Kinder und arbeitet ein lange verdrängtes Kapitel des Zweiten Weltkriegs auf.
Im Gefolge der Wehrmachtsausstellung entstandene Darstellung, die mit so allerlei Legenden aufräumt, auch wenn die trotzdem gerne weiter verbraten werden. In Italien habe eine weit unterlegene Wehrmacht gezeigt, wozu deutschen Generale auch anderswo in der Lage gewesen wären, wenn ihnen Hitler nicht dauern dazwischen gepfuscht hätte. So steht es in britischen Darstellungen von Liddell-Hart bis Andrews, bei denen die dunkle Seite des Partisanenkampfs und der Strategie der verbrannten Erde keine Rolle spielt. Friedrich Andrae klärt erst den kriegsrechtlichen Status, dann geht er ins Detail der überwiegend von SS-Verbänden, den Brandenburgern* oder Hermann Göring direkt unterstellten Einheiten angerichteten Massaker, die zumeist keiner irgendwie gearteten Rechtsnorm entsprechen, oft genügte schon der Versuch eine Vergewaltigung der Schwester/Tochter/Ehefrau zu verhindern oder einen Diebstahl zu vereiteln, um als Partisan abgeknallt zu werden, bzw. bei Flucht die Eliminierung des ganzen Dorfes zu provozieren. Die im Weltanschauungskrieg gegen die Sowjetunion vorgenommene Senkung des humanen Standards schlägt auch voll gegen die Bevölkerung des einstigen bzw. immer noch Verbündeten durch. Was zu Zeiten der Legende von der sauber gebliebenen Wehrmacht allenfalls einem Sauhaufen wie der aus Kriminellen bestehenden Brigade Dirlewanger zugetraut wurde, war in Italien vielfach Standard, wenn man Andrae folgt. Für seine aufklärerische Leistung hätte das Buch eigentlich vier Sterne verdient, aber fehlendes Kartenmaterial und eine etwas phantasielose Aufbereitung der Verbrechen führen zu Abzügen.
* Legendäre Einheit aus dem Afrikafeldzug, bekannt und gefeiert für ihre Einsätze hinter den feindlichen Linien.