Kat Kaufmanns zweiter Roman – eine rasant erzählte Road Novel Ernst hinterlässt seinem Enkel Jonas 5000 Euro und eine Notiz, die sagt: Finde diesen Mann. Dazu nur ein Name: Valerij Butzukin. Jonas hat nie von diesem Mann gehört. Hat sich Opa Ernst einen Scherz erlaubt, den er nicht mehr auflösen wird, weil er tot ist? Oder war es das Delirium? Die Wahnvorstellung eines senilen Menschen? Um Jonas weht der Kalte Krieg 4.0, und hier, inmitten von immer mehr Grenzen, die sich schließen, beginnt für ihn eine Odyssee, die ihn – ob er will oder nicht – immer tiefer in ein fremdes Land und zu fremden Menschen führt: in die Russisch Asiatische Union. Mit Stas und Juri, die er auf der Suche nach Passfälschern kennenlernt, begibt er sich in ein Labyrinth, das Urgroßvater, Großvater, Jonas und den Unbekannten für immer verbinden und trennen wird. "Die Nacht ist laut, der Tag ist finster" ist ein Roman über das Schicksal der Menschen, aneinander vorbeizuschrammen. Über Verlust, über Freundschaft und über das Wiederauftauchen von Spuren, die im Schnee verweht waren und einen doch nur noch tiefer in die Irre des eigenen Geistes führen. In den Geist, der einem verheimlicht, dass man selbst es war, der alles, was so kommt, wie es kommt, unausweichlich vorgezeichnet hat.
Misanthropisch, pseudo-edgy, geradezu lächerlich pessimistisch. Unsere Zivilisation ist nun wirklich nicht perfekt; doch machen es sich Bücher wie dieses zu einfach, die gesamte Menschheit zu verteufeln, nur weil es in ihr niedere Akteure gibt, während höhere Systeme zudem das Handeln der breiten Masse beeinflussen.
Auf den ersten paar Seiten fragt man sich noch: Ist dieser halbstarke Protagonist, der mit Verachtung auf jegliche Mitmenschen hinabblickt, eine bewusste Subversion des Edgelord-Tropes? Aber nein. Die Autorin nutzt ihre (im Grunde sehr kreative) Sprache tatsächlich einzig dazu, die Welt auf unkreativste Weise durch den Dreck zu ziehen – und das, ohne dabei wirklich etwas von Bedeutung zu kritisieren.
Die Nacht ist laut, der Tag ist finster macht den Eindruck eines dummen Romans, der sich für sehr schlau hält.
What sophomore jinx? Kaufmann's second book is another step forward compared to her excellent debut. Expansive story, wilder characters, excellent lines, neither overwrought nor flimsy. Really enjoyed it...
"Es herrscht der Kalte Krieg 2.0. Ameropa, ein neues Bündnis des Westens, und die Allianz Russisch Asiatische Union bereiten sich auf eine Schlacht vor."
Als hätte die Autorin in eine Glaskugel geschaut, beschrieb sie ein dystopisches Weltbild, das nur einige Jahre später erschreckend mehr und mehr Realität annimmt.
Dunkel und gleichzeitig mit viel Humor, derbe Jugendsprache verwendend, führt sie schnellen Schrittes und gleichzeitig doch so langsam durch einen Lebensabschnitt von Jonas. Wie auch in ihrem ersten Buch, gibt sie eine sehr präzise Darstellung Russlands-Deutscher (bzw. jüdischer Russen). Und doch kommt dieser Roman ihrem Debüt nicht nahe.