Jetzt ist die Zeit für moderne konservative Politik.
Diana Kinnert entspricht nicht dem Bild des klassischen CDU-Mitglieds – und doch ist sie bei den Christdemokraten aktiv, seit sie 17 Jahre alt ist. Was mit kleinen Revolutionen auf dem Schulhof begann, führte sie bereits ins Berliner Regierungsviertel. In diesem Buch erklärt sie, wie sie durch Fahrten mit der Wuppertaler Schwebebahn politisiert wurde und warum es sie ausgerechnet zur CDU verschlagen hat. Ob Flüchtlingspolitik, die Zukunft Europas, digitale Kultur, Feminismus oder das Grundsatzthema Sterbehilfe – Diana Kinnert ermuntert dazu, neu über konservative Politik nachzudenken in einer Zeit, die unübersichtlicher und schnelllebiger ist denn je.
Insgesamt fand ich das Buch sehr interessant, auch wenn ich in vielen Punkten mit der Autorin nicht übereinstimme. Meine Probleme mit dem Buch, deswegen auch nur 3 Sterne, waren zum Einen das ich diverse Passagen in dem Buch, in denen Kinnert über Erfahrungen aus ihrem Leben erzählt zwar ganz nett fand, insgesamt aber für mich teilweise recht zusammenhangslos erschienen. Ich glaube dass die Mischung zwischen autobiografischen mit politischen Theorien/Stellungen in einigen Kapiteln nicht ganz gepasst hat. Zudem, das ist natürlich mein ganz persönliches Empfinden, fand ich en Schreibstil sehr anstrengend zum lesen. Mit dem Wissen, dass die Autorin Philosophie studiert hat, erklärt es die langen Sätze und vielen Zitate, die mir so nur in Ethik-Texten oder Seminar-Arbeiten unters Auge kommen. Wen das allerdings nicht stört, bzw. wer ausreichend Konzentration beim Lesen mitbringt, für den ist dieser Punkt wahrscheinlich trivial.
In Heinrich Bölls 'Ansichten eines Clowns' wird ein SPD-Politiker, welcher vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertiert hatte, wie folgt charakterisiert:
"Er war langweilig und schien fest entschlossen, sich auf der sensationellen Tatsache, Konvertit und SPD-Mitglied zu sein, endgültig auszuruhen; er lächelte, war freundlich, und doch schienen seine etwas vorstehenden Augen ständig zu sagen: Seht mich an, ich bins!"
Daran erinnerte ich mich nach der Lektüre dieses Büchleins bzw. u.a. das angekündigte 'Plädoyer für einen modernen Konservatismus' kommt m. E. inhaltlich vollkommen zu kurz.