Ohne Ziel streift ein junger Mann, der nach Jahren in Europa erst seit kurzem wieder in seinem Heimatland lebt, durch die Gassen von Damaskus. Ohne Ziel? Nein, er nimmt die Spur einer schönen Frau auf, die er im Bus gesehen hat und von der er glaubt, dass sie ihm ein Zeichen gegeben hat. Dabei gerät er in ein traditionelles Stadtviertel und nimmt Platz im Café Dunya. Das Dunya erweist sich als Treffpunkt einer illustren Gästeschar. Während der Tag verstreicht, gehen sie hier ein und aus, die Dichter und die Händler, die Bauern und die Intellektuellen, verschrobene Gestalten und weise Männer. Hier ist der Mittelpunkt des Viertels und das Zentrum eines kleines Kosmos!
Mit feiner Beobachtungsgabe und leisem Humor beschwört Suleman Taufiq stimmungsvolle Bilder aus einer versinkenden, orientalischen Lebenswelt.
Trotz seiner Kürze konnte mich diese Buch doch von sich überzeugen. Erzählt wird aus der Perspektive des dreißigjährigen Samir, der aus seinem Heimatland Syrien nach Deutschland ging, um dort als Bauingenieur zu arbeiten, aber zurückkehrte damit seine kranke Mutter nicht allein sein muss. Samir sieht im Bus regelmäßig eine junge Frau, die ihn anlächelt und entschließt sich eines Tages ihr zu folgen, verliert jedoch schnell ihre Spur. Er verirrt sich und findet sich auf einem Platz wieder, an dem sich ein Café mit dem Namen "Café Dunya" befindet. Dort wird er von einem alten Mann eingeladen sich zu ihm zu gesellen. Nach und nach kommen immer mehr der Stammgäste zu ihnen an den Tisch, darunter ein Philosoph, ein Dichter, sowie ein Wissenschaftler. Die Männer diskutieren miteinander über Gott, die Liebe und das Leben, während der alte Mann die Lebensgeschichten einiger Gäste und Anwohner einstreut. Zeitweise lässt der besondere Zauber des Cafés Samir die junge Frau vergessen, doch stets kehren seine Gedanken zu ihr zurück. Der Schreibstil von Suleman Taufiq ist einzigartig. Er schafft es auf humorvolle und gleichzeitig philosophische Art dem Leser verschiedenste Sichtweisen auf das Leben aus der Sicht der jeweiligen Gäste zu bieten. Zwischendurch streut er wiederholt poetische Elemente ein, die die Grundstimmung unterstützen.