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Reportagen 1

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Diese Neuausgabe der Reportagen legt etwas über die Hälfte der Meienberg-Texte vor. Sie hat mehrere Gründe: Zum einen wäre Niklaus Meienberg am 11. Mai 2000 sechzig Jahre alt geworden. Zum zweiten soll der jüngeren Generation, die ihn nur noch dem Namen nach kennt, ein leichterer Zugang zu seinem Werk geschaffen werden. Wer Meienberg bereits kennt, hat in den letzten Jahren verfolgen können, wie die Schweiz nach und nach Dinge zur Kenntnis nehmen musste, auf die er immer wieder und mit Nachdruck hingewiesen hat. Manche haben seine Stimme vermisst in den Debatten, denn er polemisierte gerne und provozierte Reaktionen, die manchmal an Hysterie grenzten, und löste heftige Diskussionen aus. Aber Meienberg war vor allem ein leidenschaftlicher Schreiber, der immer wieder von Menschen, Orten und Ereignissen fasziniert wurde und über diese mit einen hohen Anspruch an Sprache und Form berichtete. Als homme de lettre hat er nicht zwischen Literatur und Journalismus unterschieden, sondern Texte hervorgebracht, deren literarische Qualitäten über das Entschwinden der konkreten Anlässe hinaus bleibenden Lesegenuss bieten. Er reiht sich damit in die Tradition eines Heine oder Tucholsky ein.

Ein weiterer Grund für die Neuauflage liegt in der bisherigen Erscheinungsform der Meienberg-Texte. Sie sind zwischen 1975 und 1993 jeweils mehr oder weniger chronologisch in Buchform herausgegeben worden, wurden dabei aber immer wieder mit weiter zurückliegenden Artikel ergänzt. Das hat zu einer gewissen Unzugänglichkeit des Werks geführt, weil kaum jemand weiss, was wo zu finden ist. Auch geben die schönen Buchtitel wie Der wissenschaftliche Spazierstock oder Weh unser guter Kaspar ist tot. und so weiter keinerlei Aufschluss über den Inhalt: Nach wie vor erreichen den Verlag Anfragen, wo bloss schon wieder der "Heidi"-Artikel oder die Geschichte mit der Bloodhound-Rakete nachzulesen sei. Die thematische Zusammenstellung erleichtert den Zugang zu ihnen.

Der vierte Grund ist ein pragmatischer: Gewisse Texte sind nicht mehr erhältlich. Das betrifft die Beiträge aus Vielleicht sind wir morgen schon bleich u. tot, der vergriffen ist, und die beiden Texte Jagdgespräch unter Tieren sowie Ein rentabler Brand (Meienbergs letzter Text), die nie in eine Buchausgabe aufgenommen wurden.

Der vielleicht wichtigste Grund aber liegt darin, etwas für Meienbergs Werk tun zu wollen und dieses im öffentlichen Bewusstsein präsent zu halten. Dazu scheint uns im Augenblick diese Ausgabe am geeignetsten, weil durch ihre thematische Zusammenstellung überraschende Bezüge zum Vorschein kommen und Zusammenhänge über die aktuellen Anlässe hinaus entstehen. Der Schriftsteller und Mensch Meienberg gewinnt auf eine Weise Konturen, seine Themen werden sichtbar, wie es in den bisherigen Ausgaben nicht der Fall sein konnte. Nach der Biografie von Marianne Fehr ist es jetzt möglich, sich dem Schriftsteller und Journalisten auch anhand seiner Werke neu zu nähern.

Natürlich ist die Auswahl auch subjektiv. Weggelassen haben wir vor allem Texte, die durch viele heute unbekannte Namen nicht mehr leicht nachvollziehbar sind, solche, die sich zu sehr am tagesaktuellen Geschehen orientierten oder die wir nicht seinen Highlights zuordneten. Wir versuchten auch zu vermeiden, einen säuberlich verpackten und etikettierten Meienberg zu präsentieren. Deshalb haben wir nur wenige Zwischentitel gesetzt und die "Kategorisierung" so offen wie möglich gehalten. Wichtig ist uns einzig, dass Meienberg gelesen wird.

Kommentare

"Das Buch, mit dem der große Polemiker die Reportage revolutioniert hat." Basler Zeitung

"Ein Historiker von ganz eigener Aufklärungsbesessenheit, ein Journalist von hohen literarischen Graden, schrieb Meienberg Reportagen, die das Bild von Gesellschaft, Politik und Geschichte in der Schweiz gründlich auffrischten. Noch immer lebt der Furor für die Wahrheit in diesen Texten, die mit leisem Spott gepfeffert den unnachahmlichen Meienberg-Ton wach halten. Was Aufsehen erregend und für viele empörend war, ist - nicht zum Schaden - längst öffentliches Bewusstsein geworden. Die zweibändige Sammlung dieser Reportagen hält mehr als nur die Erinnerung an einen (nützlichen) Störenfried und sein wichtiges Werk wach: Sie sind Zeitgeschichte." Neue Luzerner Zeitung

"Während Thomas Bernhard in Österreich mit seinen Roman wie ein Feldherr agierte, gingen Sie, Herr Meienberg, mit ihren Artikeln wie ein Guerillakrieger gegen die verdeckten Narben der Schweiz vor - bewaffnet mit nicht viel mehr als Ihrem Kopf und einer Schreibmaschine." Marc Fischer, Sonntagszeitung

"Bei seinen Generationsgenossinnen und -genossen mögen viele Texte alte Erinnerungen wachrufen, jüngere Leserinnen erhalten mit den weit gefassten Themenbereichen Einblicke nicht nur in ein engagiertes Leben, sondern auch in die Chronik eines verhärteten Zeitalters." Die Weltwoche

"Wenn man Meienbergs Texte heute liest, stellt man schnell fest, wie frisch sie geblieben sind, auch wenn sich d...

479 pages, Paperback

First published June 30, 2000

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About the author

Niklaus Meienberg

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Niklaus Meienberg (May 11, 1940 – September 22, 1993) was a Swiss writer and investigative journalist.

Meienberg lived in Zürich and published 14 books in his lifetime. His works were primarily about recent Swiss history. His texts are used as exemplars in Swiss journalism schools.

Meienberg's best works were compiled in the book St. Fiden Paris Oerlikon. This book was republished in 2005/06 as part of the series Schweizer Bibliothek (a series of 20 of the most important Swiss books).

Life

Meienberg was born 1940 in St. Gallen. After five years in the convent school in Disentis, the 20-year-old went to the U.S. for one year. In New York City he worked as a clerk for the Federation of Migros Cooperatives and in Vancouver, Canada, as a bulldozer driver.

On his return to Switzerland, he was ready to study. As a main subject, he chose history (at the University of Fribourg, then at the ETH Zurich and later thanks to a stipend, in Paris). During his years of study he reportedly was a member of a reactionary secret society. In Paris he experienced the riots of May 1968.

He finished his studies in Fribourg with the title of a „lic. phil.“ and the licentiate work De Gaulle und die USA von 1940 bis 42 (De Gaulle and the USA from 1940 to 42).

From 1966 on, he was a Paris correspondent for the Weltwoche, for five years. Starting in 1971, he reported for the Swiss national television’s culture show Perspektiven (“Perspectives”) and lots of productions for the Swiss national radio’s transmissions, such as the satirical transmission Faktenordner („Facts Folder“). Meanwhile, he became a freelancer for the Zurich newspaper Tages-Anzeiger and the Tages-Anzeiger's magazine Magazin (today named Das Magazin.)

After 1976, he was banned from writing for the Tages-Anzeiger because of his criticisms of both Swiss history and contemporary Switzerland. The longtime ban was imposed by publisher Otto Coning against the editorial staff's wishes.

In 1977 had to go to court because of scenes of his movie Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S. (English meaning: “The execution of the national betrayer Ernst S.”) and because of a planned theatre play about Ulrich Wille. Meienberg, who was represented by leftist Moritz Leuenberger, a later member of the Bundesrat (Swiss Federal Council), won the process against the two sons of Wille.

From 1982 to 83, Niklaus Meienberg was head of the Paris Bureau of the German magazine Stern. Afterwards, he was a freelancer for the weekly newspaper WOZ and acted as a writer.

In spring 1987, he wrote a critical and heavy discussed biography of Ulrich Wille and his family for the Weltwoche. During fall of the same year, it was published as a book with the title Die Welt als Wille und Wahn (literally: “The World as Will and Delusion”). The German title is a play on words: “Wille” is not only a German word for “will”/”intention”, but means the surname of Ulrich Wille, too. The title in turn seems to be a reference to German philosopher Arthur Schopenhauer’s (1788–1860) main work “Die Welt als Wille und Vorstellung” (“The World as Will and Representation”, sometimes also known in English as “The World as Will and Idea”)

Meienberg's penmanship found a lot few other sophisticated word-plays, too: In "Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S." he calls the traitor's execution "Tells Geschoss" (Tell's projectile"), because the executor shot through the betrayer's eye, like Tell shot through an apple, and the macabre punchline is as follows: in German, the "eyeball" is literally called "eye apple". Even Meienberg's book's titles attest a liking for word jokes (e.g. "The make-believing of true facts" that inverts "Die Vorspiegelung falscher Tatsachen", which is a set phrase in the world of German-speaking courts and jurisdiction.)

The above-mentioned report is partially based on photographs of unpublished letters that Wille wrote to his wife. The exclusive photographs were taken by Meienbe

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