Hier habe ich mich beim Kauf zugegebenermaßen von dem schmissigen Titel und der fantastischen Cover-Illustration ein wenig blenden lassen.
Thematisch bin ich voll und ganz bei Peter Sasse, der in diesem Buch für die moralische Verpflichtung des Menschen gegenüber seinen Mitgeschöpfen, speziell auch den nicht-menschlichen plädiert. Er konzentriert sich in seinen Ausführungen vornehmlich auf den Einfluss des Christentums auf das Mensch-Tier-Verhältnis, da die enorme soziokulturelle und politische Bedeutung kirchlicher Legitimationen menschlicher Handlungen gegen Tiere über viele Jahrhunderte diesen Fokus vollkommen rechtfertigt und gerade hier auch die Expertise des Autoren liegt.
Während sich das Buch zu Beginn noch relativ strukturiert um die zu klärenden Definitionen kümmert, verliert es sich aber leider allzu bald in immer kürzer werdenden Abschnitten mit ständig neuen Teilüberschriften; zuerst für jede weitere Beschreibung von gängigen Tierqualen durch Menschenhand; später dann für jede kleine Anekdote über einzelne Tiere mit bemerkenswerten Verhaltensweisen - alles mit immer noch einer weiteren mehr oder weniger passenden Abbildung dazu. Der Autor wiederholt viele seiner anfänglichen Schlussfolgerungen in leicht abgewandelter Form immer wieder, aber das Buch liest sich im Verlauf leider doch nur noch wie eine Beispiel-Sammlung, die zunehmend wirrer wird. Dass abschließend noch ein paar Seiten mit Kurzzitaten und Aphorismen zum Thema angehängt werden, ist nur konsequent und gibt dem Buch den seichten Abschluss, auf den es logisch hinarbeitet.
Ich finde es verständlich, dass man ein eher abstraktes Thema durch ein paar persönliche Geschichten und Bilder zugänglicher machen möchte, und störe mich grundsätzlich nicht daran, aber dieses Buch hat hier die Balance für meinen Geschmack nicht getroffen und verlässt sich viel zu sehr auf kurze Geschichtchen, die man genau so auch in Clickbait-Artikeln in sozialen Netzwerken findet, wie z.B. der im Buch verwurstete Beitrag aus der Huffington Post mit dem Titel "Als sein Hund stirbt, sagt dieser Junge etwas unglaublich Schönes".
Außerdem gibt es in einem Sachbuch meiner Meinung nach eine Höchstzahl an Ausrufezeichen und rhetorischen Fragen, bevor es anfängt, sich wie der Blog-Eintrag eines Teenagers zu lesen, der meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und den Rest der Menschheit für dämlich befindet; diese Höchstzahl wird in diesem Buch leider deutlich überschritten. Bei so viel "Wie kann man denn nur...?" und "Da muss man doch...!" fühle ich mich als Leser entmündigt, weil mir der Autor nicht zutraut, dass ich selbst erkenne, wenn die dargebrachten Fakten zum Teil absolut skandalös sind.
Es ist wirklich schade, dass Peter Sasse in "Tiere sind die besseren Menschen" den Fokus nicht so recht finden konnte und hier ein wirklich bruchstückhaftes und unausgereiftes Werk veröffentlicht hat. Denn durch seine Kenntnis des Alten und Neuen Testaments kann er viele wirklich interessante Punkte aufzeigen, um die Rolle der christlichen Kirchen im gesellschaftlichen Tier-Mensch-Verhältnis zu beleuchten und die vielen Ungereimtheiten der biblischen Grundlagen dafür zu verdeutlichen. Aber vor lauter Anekdoten sehe ich als Leser hier irgendwann keinen roten Faden mehr, außer dass der Autor halt findet, dass Tiere die besseren Menschen sind. Dafür hätte ich's aber auch bei dem Blick auf den Buchdeckel belassen können.