»Ich erinnere mich gar nicht so sehr an große Spiele, sondern an große Momente in manchmal auch kleinen Spielen ...« In seinem Buch blickt Marcel Reif zurück und nach vorne, erzählt kleine und große Geschichten vor und hinter den Kulissen des Fußballs, des größten Spektakels, das unsere Gegenwart zu bieten hat. Als Marcel Reif 1984 vom politischen Journalismus zum Sport wechselte, konnte niemand ahnen, in welchem Maße dieser Mann mit seinem ganz eigenen Stil, seiner Originalität und seinem Witz über Jahrzehnte die Berichterstattung in Deutschland über die Bundesliga und den internationalen Fußball prägen würde. In seiner Zeit beim ZDF, bei RTL und dann 17 Jahre bei Premiere/Sky hat Marcel Reif alles die schwindelerregende Kommerzialisierung und Internationalisierung des Fußballs, das Aufkommen immer neuer Spielsysteme, die Explosion der Medienberichterstattung und der Bedeutung des Fußballs in unserer Zeit. Kein Reporter hat dabei so perfekt Unterhaltsamkeit mit scharfer Intelligenz, Schlagfertigkeit, Fachwissen und Eigenständigkeit des Urteils verbunden wie Marcel Reif. Für seine Arbeit wurde er mit Preisen überhäuft, aber auch immer wieder heftig attackiert, sei es von Clubverantwortlichen, von Trainern oder im Netz. Legendäre Ereignisse wie der »Torfall von Madrid« 1998 gehören zu seinen Erlebnissen ebenso wie hässliche Angriffe von »Fans« im Stadion.
Marcel Reif hat zweifellos schöne Geschichten zu erzählen und mit Holger Gertz Hilfe bekommt er sie auch wirklich schön erzählt. Leider ist er sehr nostalgisch und ein bisschen eitel. Das Buch Ende mit einem Zitat aus Reifs Fanpost: “Unter den Arschgeigen bist du die Stradivari.”
(3,5 Sterne) Das Buch kann als Ergänzung zu "Aus spitzem Winkel" gesehen werden, das Reif mit Christoph Biermann zusammen 2004 geschrieben hat. Einige Anekdoten und Geschichten ("Papa, kuck" oder Reifs Verehrung für Co Prins) wiederholen sich. Dafür kommen einige neue Geschichten, die sich in den Jahren seitdem, also 2004 bis zu seinem Karriereende 2016, zugetragen haben dazu. Die Geschichten sind unterhaltsam, wenn auch zum Teil eher belanglos. Zwischen den thematisch geordneten Artikeln finden sich kleine Interviews zwischen Gertz und Reif, in denen Reif (natürlich) als weltgewandt und wissend rüberkommt. Marcel Reif ist und bleibt streitbar. Die feste Überzeugung, der beste im Business gewesen zu sein, trieft aus jeder Seite und wenn es um den Umgang mit Hass in den Sozialen Medien geht, merkt man ein wenig, warum ihm dieser entgegenschlug. Völlige Überzeugung vom eigenen Können. Dies macht das Buch manchmal schwer zu lesen, obwohl Reifs große Stärke, der Blick für die Geschichten im Sport, die nicht offensichtlich auf dem Feld oder Eis liegen, durchaus zu finden ist. Wenn es über das Stadion in Durban oder die Sprachmetaphorik in der heutigen Berichterstattung geht, dann ist Reifs geschriebene Prosa so stark wie Reifs gesprochenes Wort in seinen besten Zeiten. Es ist kein Buch, das man lesen muss, aber eines, das man guten Gewissens lesen kann, so man sich bewusst ist, mit welcher Geisteshaltung der Autor es verfasst hat.