Eine deutsche Familiengeschichte zwischen Zweitem Weltkrieg und Mauerfall.
Mit dem Fall der Mauer gerät auch das Leben der 44-jährigen Hamburgerin Katharina Elbracht ins Wanken: Sie erhält ein Bündel Briefe aus Ostberlin, aus dem hervorgeht, dass die Frau, die sie ihr Leben lang ›Mutter‹ genannt hat, in Wahrheit ihre Tante war. Zutiefst erschüttert beginnt Katharina die Geschichte ihrer Familie zu enthüllen. Dabei stößt sie auf eine junge Liebe, die mit Swing-Musik begann und vom Krieg zerstört wurde, auf zwei Schwestern, die durch die Mauer getrennt wurden und einen lebenslangen, geheimen Pakt schlossen, und auf die Spur ihres Vaters, der 1945 als verschollen galt. Ihre Recherchen führen Katharina durch halb Deutschland und bis nach Irland, wo ihr unbekannter Vater einsam und zurückgezogen leben soll. Eines Tages steht sie vor einem alten Haus und streckt die Hand Richtung Klingel aus ...
Schnörkellos und mit einem einfühlsamen Blick auf ihre Figuren erzählt die Hamburger Autorin Renate Ahrens, die teilweise auch in Irland lebt, eine beeindruckende deutsch-deutsche Familiengeschichte.
Renate Ahrens wurde 1955 in Herford geboren, studierte Anglistik und Romanistik in Marburg, Lille und Hamburg und war einige Jahre als Lehrerin tätig, bevor sie 1986 mit ihrem Mann nach Dublin zog und als freie Autorin zu arbeiten begann. Sie schreibt Romane, Kinderbücher und Theaterstücke. 1996-97 lebte sie in Kapstadt und 2002-03 in Rom, seitdem wieder abwechselnd in Dublin und Hamburg. Renate Ahrens ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland.
Deutschland, Anfang 1990. Die Mauer ist gefallen, doch für Katharina beginnt quasi damit eine Zeit der emotionalen Erschütterungen. Denn die 44jährige Hamburgerin bekommt einen dicken Umschlag aus Ostberlin: laut der darin enthaltenen Briefe handelt es sich bei ihrer vor zwei Jahren verstorbenen Mutter in Wahrheit um ihre Tante, die sie adoptiert hat.
Plötzlich offenbart sich der (Kriegs-)Fotografin, von der man zurecht annimmt, dass sie schon vieles gesehen und erlebt hat, nach und nach die eigene Familienbiographie, die im grausamen 20. Jahrhundert mehrfach gehörig Schaden genommen hat.
Katharina entdeckt eine zarte Liebe, die mit einer verbotenen Musik begann und die der Ausbruch des Krieges jäh zerstörte, erfährt von zwei Schwestern, die von der Teilung Deutschlands auf immer getrennt wurden, und gelangt schließlich sogar auf die Spur ihres Vaters. Dieser galt nach Ende des Zweiten Weltkrieges als verschollen, doch er soll sehr zurückgezogen in Irland leben. Nach all den Recherchen und den Fragen, die dennoch geblieben sind, macht sich Katharina auf und findet sich vor dem Haus ihres angeblichen Vaters... Was wird sie erfahren, wenn sie die Klingel drückt?
Katharina führt ein ungewöhnliches Leben, befand sich schon häufig an Schauplätzen der Geschichte, die die meisten von uns lieber nicht so nah erleben möchten. Eine wichtige Arbeit, die dazu dient, uns allen die Augen zu öffnen und die Zustände in anderen Ecken dieses Planeten aufzuzeigen. Allerdings leidet darunter Katharinas eigenes Leben, denn ihr Sohn wächst in erster Linie bei der Großmutter auf - eine durch die Welt reisende Mutter ist kein Fixpunkt im Alltag und das Verhältnis der beiden ist mehr schlecht als recht. Und nun wird auf einmal Katharinas eigene Vergangenheit, ja, ihre Herkunft in Frage gestellt oder besser gesagt über den Haufen geworfen...
Renate Ahrens, die selbst in Hamburg und in Irland lebt, hat mit "Alles, was folgte" einen einfühlsamen Roman geschrieben, der eine deutsch-deutsche Familienbiographie erzählt. Die Nachforschungen, die die Hauptfigur nach dem ersten Schock anstellt, haben mich gepackt; ich wollte schnellstmöglich wissen, wie es dazu kam, dass Katharina über 40 Jahren lang von der falschen Frau annahm, dass diese ihre leibliche Mutter ist. Sicher, der Zweite Weltkrieg hat zuhauf unbeschreibliches Unglück gebracht und die darauf folgende deutsche Teilung hat Menschen auseinander gerissen - all das sind Fakten, die wir kennen und zu denen es durchaus auch schon andere Romane gibt. Dennoch hat mir der vorliegende Roman imponiert, da die Autorin ein schwieriges wie trauriges Thema spannend und bewegend erzählt. Auch über 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Verarbeitung solcher Themen und Schicksale auch in Romanform in meinen Augen sehr wichtig, da sie uns lehrt, welche allumfassend zerstörerische Kraft Hass und Krieg haben können.
Fazit: Ein wichtiges Thema - spannend und einfühlsam verpackt.