Das Wunschkind ist sehr leicht zu lesen, was wahrscheinlich das Buch zu seinem Erfolg geführt hat. Ein epischer historischer Roman, man wird an Gone with the Wind erinnert. Merkwürdig für mich ist allerdings, obwohl ich das ganze Buch las und sogar mit Vergnügung, kann ich ein Jahr danach an kaum was im Wunschkind mich erinnern. Nur ein Thema aus dem Roman lässt ein tiefen Eindruck auf mich: das blinde Mädchen das auf dem Weg der Heilung und Sehvermögen sich befand, bis eine bornierte Schulmedizin alles zunichtemachte. Daß die Bigotterie und Borniertheit der Menschen, zum Beispiel in der Schulmedizin vieles zunichtemacht und vieles gutes verhindert, ist sehr wahr was in diesem Buch leidenschaftlich und düster beschrieben wurde. Aber aus 483 Seiten erwarte ich etwa mehr an was sich mich erinnern könnte. Vielleicht der Fehler lag bei mir? Ina Seidels Prosa ist auf jeden Fall poetisch:
„Er schlief gleich ein. Aber es währte nicht lange, so wurde sein Schlaf durchsichtig wie ein von Sonne beschienener Strom, in dessen Flut er offenen Auges trieb.“
Ein Roman für eine sehr lange Reise durch Russland zum Beispiel oder den Vereinigten Staaten. Er fesselt und lenkt von der äußeren Umständen über einer längeren Zeit ab.