Jump to ratings and reviews
Rate this book

Die Straße der kleinen Ewigkeit

Rate this book
Heute ist das Buch verschollen wie die Welt, von der es handelt. Das Berliner Scheunenviertel, heute im falschen Glanz der Nostalgie ein Treffpunkt der Szene, war in den zwanziger Jahren die Zuflucht der armen jüdischen Einwanderer aus Osteuropa. Zionistische Vereine, hebräische Buchhandlungen, Talmudschulen und Synagogen Tür an Tür mit Kaschemmen, Puffs und Trödlerläden - niemand hat dieses Großstadtghetto zärtlicher und unbeschönigter beschrieben als Martin Beradt. Stets bedroht von Razzien, Plünderungen und Rollkommandos lebte das Scheunenviertel schon in den zwanziger Jahren im Schatten seiner bevorstehenden Auslöschung, und heute liest sich jede Zeile des Romans, mit Günter Kunerts Worten, wie ein unheimliches Menetekel.

368 pages, Paperback

First published January 1, 1940

Loading...
Loading...

About the author

Martin Beradt

15 books

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
0 (0%)
4 stars
1 (12%)
3 stars
4 (50%)
2 stars
3 (37%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Olaf Gütte.
225 reviews80 followers
June 3, 2017
Berlin kurz vor Hitlers Machtübernahme, ein Roman über die Bewohner der Grenadierstraße im Scheunenviertel, überwiegend Ostjuden, die auf der Durchreise nach Amerika in Berlin hängenblieben.
Der Autor beschreibt das Gewimmel sowie die Angste und Nöte in dieser sehr belebten Straße.
Jüdische Lebensweisheiten und jüdischer Witz kommen bei Martin Baradt nicht zu kurz.
Trotzdem habe ich mich, auf Grund der Schreibweise, mit diesem Roman etwas schwer getan.
Profile Image for A.
32 reviews9 followers
March 16, 2021
Ich hatte dieses Buch mit einigen Erwartungen begonnen. Zum einen, da mich das Scheunenviertel seit langem akademisch begleitet. Zum anderen, da die Lektüre des schnittigen Nachworts von Eike Geisel sehr vielversprechend war. Beradt wird dort als verkannter und nach seiner Emigration in die USA von Rowohlt geschasster Autor der Zwischenkriegszeit gewürdigt. Zum eigentlichen Buch habe ich dann leider aber irgendwie keinen Zugang gefunden und musste es doch zur Seite legen. Das passiert mir sonst wirklich nicht oft. Eines der wenigen anderen Bücher, bei welchen ich auch schon nach kürzester Zeit aufgegeben habe war Döblin’s Berlin Alexanderplatz. Lustigerweise setzt hier setzt der Roman von Beradt an: Eigentlich ist das Buch eine Auserzählung der Szene in der Franz Biberkopf einem ostjüdischen Heeler im Scheunenviertel auf seine Stube folgt. Im Blick ist eine einzige Straße und das Treiben ihrer Bewohner: Krämern, Haushälterinnen, Rabbinern, Dirnen und Neuankömmlingen aus dem Osten auf der Durchreise nach Amerika oder auf der Suche nach dem Glück. Dabei treten aber so viele wuseliger Charaktere auf ohne wirkliche Einführung ihrer Personen und Aufklärung von Beziehungverhältnissen, das ich sofort den Überblick verloren habe. Auch sind die Episoden der einzelnen Kapitel sehr lose aneinandergereiht und äußerst sprunghaft geschildert. Die eigentlichen Geschehnisse sind natürlich auch profan. Beschrieben werden die Nöte der kleinen Leute der Gasse, ihre Sorgen, ihr Feilschen, ihre Frömmigkeit, ihr Elend, ihre Bedrohung. Gerade das ist die eigentliche Stärke des Buches. Ob ich jedoch Eike Geisel vollkommen recht geben würde, dass Beradt im Gegensatz zu deutschen Autoren nicht in die Folklore abschweift, weiß ich nicht. Zumindest teilt er streckenweise den Blick der Charlottenburger alteingesessenen deutschen Juden auf die Bewohner des Scheunenviertels. So findet in dem bemerkenswerten letzten Kapitel ja sogar ein Perspektivwechsel statt, wenn der Erzähler nach der Machtergreifung der Nazis vor seiner Emigration endlich die Gasse selbst betritt und mit ihren Bewohnern spricht. Gerade diese Passage war dann doch erhellend, ebenso wie bei einer etwas geduldigen Lektüre vermutlich auch viel literarisch interessantes über die Abgrenzung des Scheunenviertel Milieus von sowohl „den Etablierten“ als auch den „Neuankömmligen“ zu Tage zu befördern wäre. Geduld wäre vielleicht sowas das wichtiges für die Lektüre dieses Werkes. So ist das geduldige Warten der Protagonisten auf die Ankunft des Moshiach und die Einlösung der Ewigkeit auch das eigentliche Grundthema. Das Scheunenviertel als Warteraum. Vielleicht ein andermal.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews