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Glauben und Wissen. Ein notwendiger Zusammenhang: [Was bedeutet das alles?] – Gerhardt, Volker – Erläuterungen – Denkanstöße – Analyse (Reclams Universal-Bibliothek)

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Ist Religion bloß eine reine Glaubensfrage? Und ist Wissen z.B. um Fakten immer verlässlicher? Auf keinen Fall, so Volker Glauben setzt nämlich Wissen immer voraus. Also kann er nicht der Gegenspieler des Wissens Wissen und Glauben gehören notwendig zusammen, denn sie bedingen sich gegenseitig und haben beide ihren unverzichtbaren Anteil an der Vernunft. Gegenstand von Gerhardts Essay ist die Untersuchung genau dieser Einheit von Glauben und Wissen. Und dies ist in Zeiten religiöser Intoleranz und wissenschaftsgläubiger Überheblichkeit mehr als notwendig.

81 pages, Kindle Edition

Published October 12, 2016

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Volker Gerhardt

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10 reviews
December 29, 2021
Zusammenfassung:
Prof. Gerhardt versucht einen kurzen Überblick über den Zusammenhang zwischen Wissen und Glauben zu liefern. Die unfassbare Tiefe der Thematik und meine mangelnde philosophische Vorbildung führten dazu, dass oftmals eine Zwischenrecherche notwendig war, um den Argumenten und Schlüssen folgen zu können. Dennoch ein sehr gelungener Aufsatz, der auch für Einsteiger einen die Oberfläche zumindest leicht durchdringenden Einblick bietet.

Ausschnitte:
"Hinzu kommt, dass der Glaube nicht erst dort benötigt wird, wo das Wissen an sein Ende kommt; er wird schon in Anspruch genommen, wenn der Mensch glaubt, sich auf sein - ja stets unabgeschlossenes und selten vollkommen gesichertes - Wissen verlassen zu können."

"Nach Wittgenstein ist man es Goll schuldig, ihn gar nicht erst zum Gegenstand einer allgemeinen Rede werden zu lassen. Einzig durch die gute Tat, durch ein dem Geist Gottes folgenden Tun, ist es dem Einzelnen möglich, Gott nahe zu sein."

Zu dem auferlegten "Sprechverbot" von Wittgenstein: "Gegen sie ist daran festzuhalten, dass, selbst wenn es Sachverhalte gibt, über die man mit guten Gründen keine eindeutigen Aussagen machen kann, das Sprechen über sie nicht untersagt werden darf. Denn mit einem solchen Tabu wären sie aus dem Horizont menschlicher Verständigung ausgeschlossen, zu dem die Wissenschaft, gerade auch in extremen Lagen, ihren Beitrag zu leisten hat."

"Schon in der Verantwortung gegenüber einer Wissenschaft, die nur in einzelnen Fragen eine beschränkte Berechenbarkeit erlaubt, im Ganzen aber die Ungewissheit des menschlichen Schicksals erhöht, kommt niemand ohne den guten Glauben an die Unverzichtbarkeit des Wissens aus. Das ist das Minimum des Glaubens, auf den bereits die wissenschaftliche Zivilisation gegründet ist - von dem Glauben, den wir zu einem selbstbestimmten Leben in wechselseitiger Achtung voreinander und mit Respekt vor den Bedingungen der Natur benötigen, ganz zu schweigen."

Zu der biblischen Erzählung über das Entstehen der Welt: "Dann kann er uns in allegorischer Form etwas darüber sagen, wie die Menschheit das Unglaubliche ihres Daseins und das Unfassbare ihres eigenen Werdens verstanden hat."

"Und tatsächlich ist der Glauben an das Wissen vom Glauben an das Göttliche keineswegs so weit entfernt, wie es das säkulare Selbstverständnis des modernen Menschen gerne hätte."

"Das Nicht-Wissen nimmt mit dem vermehrten Wissen explosionsartig zu und zieht ständig neue Wissenschaften nach sich, mit denen sich die existentielle Ratlosigkeit jedoch nur noch vergrößert. Auch das geballte Wissen aller Wissenschaften wird niemals ausreichen, um verlässlich zu handeln, in Sicherheit zu leben und in Ruhe zu sterben."

"Das Wissen nützt uns auch eigentlich gar nichts, wenn wir es nicht über seine stets viel zu eng gezogenen Grenzen hinaus erweitern und im Bewusstsein leitender Überzeugungen fortlaufen stützen und ergänzen."

"Diese wie selbstverständlich zu jedem Wissen gehörende Verlängerung in die prinzipiell unbekannte Zukunft wird von einem Glauben getragen, der uns auf seine vorrangige Verschränkung mit dem Wissen aufmerksam macht: Denn angesichts der engen und letztlich niemals aufhebbaren Grenzen des Wissens, das sachlich stets unvollständig bleibt und dessen Einsatz an der Zeitgrenze zum Kommenden rasch unmöglich werden kann, müssen wir stets an das Wissen glauben, wenn es uns leiten können soll. Dieser Glauben bezieht sich vornehmlich auf den Fortbestand der Bedingungen, under denen das Wissen als Wissen gilt."

"Der Glaube bezeichnet auch das, was uns den Gebrauch des Wissens ermöglicht, sowie das, was uns bleibt, wenn wir uns zum Handeln genötigt sehen, obgleich wir mit unserem Wissen längst am Ende sind."

"Sinn ist das Element, in dem sich unser gesamter Umgang mit uns selbst und - durch dein eigenen Organismus vermittelt - mit der Welt vollzieht. Er is somit auch das Medium, in dem sich Wissen und Glauben verbinden."

"Die Differenz zwischen Glauben und Wissen kann man auch dadurch zum Ausdruck bringen, dass man das Wissen allein auf den gewussten Sachverhalt, den Glauben hingegen allein auf das Wissen von diesem Sachverhalt bezieht."

"Zum glaubwürdigen Wissen gehört die Bereitschaft zur Prüfung seiner Quellen. Ein solches Wissen über das Wissen schließt die Auskunft nicht nur über seine aktuellen, sondern auch über die ihm überhaupt gesetzten Grenzen ein."

"Im eigenen Bewusstsein bleibt der Mensch an das Ganze des Daseins gebunden."

"Wir können glauben, dass sich Gott im Ganzen wie auch im Einzelnen offenbart, dass sich alles, im Ganzen wie im Einzelnen, als ein Zeichen verstehen lässt, das wir mit seinem Wirken verbinden - weil wir es anders gar nicht verstehen können."

"Aber es gibt kein wissenschaftliches Argument, das dem Gläubigen die Erwartung eines endzeitlichen "Heils", einer "Versöhnung" oder "Erlösung" mit erweisbaren Gründen als sinnlos ausreden könnte."

"Schon im Wunsch, in seinen personalen Ansprüchen ernst genommen zu werden, erst recht wenn darauf Wert gelegt wird, für zuverlässig und verantwortlich gehalten zu werden, liegt ein moralischer Anspruch an sich selbst. Und wenn man nicht wenigstens glaubt, dass es sinnvoll ist, sich personalen Selbstanforderungen zu unterstellen, verliert jeder Appell an ethische Normen seine Bedeutung - unabhängig davon, ob an ihn an sich selbst oder an andere richtet."

"Uns kann im Leben alles an der Wahrung der Würde der Person gelegen sein. In ihr hat die Humanität den Status einer stets mitgemachten Bedingungen. Das ist deshalb gut zu wissen, weil es nicht den Schatten einer historischen Garantie dafür gibt, dass der Idee der Humanität oder die Vorstellung vom Ganzen einer Kultur eine Realität entspricht."

"Es nicht bei der Beschränkung auf die faktische Gegenwart des von Bedeutung erfüllten Ganzen zu belassen, ist das auslösende Moment des religiösen Glaubens. Gesucht ist der Sinn des Sinns."

"Der religiöse Glaube schenkt uns das Vertrauen, das wir brauchen, um unter den allemal problematischen Bedingungen unseres Daseins gleichwohl von uns selbst überzeugt zu sein. Und er lässt uns hoffen, als Ganze im Ganzen zur Ruhe zu kommen."

"Glauben ist keine Schwäche des Menschen, sondern eine Stärke, durch die er das Wenige, das ihm innerhalb der Grenzen seines Empfindens, Fühlens und Wissens vorkommt, im Ganzen des Daseins zur bestmöglichen Entfaltung bringen kann."

"Eine Konsequenz kann aus dem Ausweis der logischen und emotionalen Verbindung zwischen dem szientifischen, ethischen, humanitären und kulturellen Glauben auf der einen und dem religiösen Glauben auf der anderen Seite gezogen werden. Aber dem Glauben daraus im Namen der Wissenschaft einen Vorwurf zu machen, bedeutet in jedem Fall eine unzulässige Überschreitung wissenschaftlicher Kompetenz."

Buchbesprechung:
https://www.youtube.com/watch?v=O9ogh...
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