Arbeitsemigranten, Menschen in Einsamkeit und Isolation, auf der Flucht vor der Perspektivenlosigkeit ihres Lebens, sind die »Helden« dieser Erzählungen. Sie suchen eine andere, bessere Welt in ihren Phantasie-Vorstellungen, die sie Weit aus der Wirklichkeit fortführen. Wie der türkische Fließbandarbeiter der Titelerzählung ›Paradies kaputt‹, der zuerst in seinen Gedanken die heimatliche dörfliche Umwelt mit nach Almanya nimmt und später versucht, das Leben in Deutschland in die Türkei zu versetzen. Aber die Welt, die er sich aufbaut, hat in der Realität keinen Bestand. Eine junge Frau wird das Opfer dieses Zusammenbruchs der Illusionen... Der Konflikt zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Innen- und Außenwelt ist das besondere Anliegen des türkischen Dichters Aras Ören, der in Deutschland lebt, über Deutschland schreibt und längst zum deutschen Autor geworden ist. Er ist einer von denen, die Harald Weinrich »unsere natürlichen Landsleute« nennt.
Inhalt: - Der Gebrauchtwagen (1979) - Der Rabauke (1979) - Ein vergnügter Morgen (1980) - Der Geizhals (1980) - Das Café (1980) - Haß (1980) - Paradies kaputt (1982) - Herrn Otto Köpkes Untermieter. Porträt eines jungen Mannes (1966, 1982) - Alle meine Freunde trinken Champagner (1982) - Traum (1982) - Reiseschatten (1982) - Traurigkeit (1982) - Genies sterben spät (1982)
Aras Ören wurde 1939 in Istanbul geboren. Er war von 1959 bis 1969 als Schauspieler und Dramaturg an verschiedenen Bühnen seiner Heimatstadt angestellt. 1962 arbeitete er als Schauspieler an der „Neuen Bühne“ in Frankfurt am Main. Nach dem er seinen Militärdienst in Ankara abgeleistet hatte, startete er 1965-1967 den Versuch, eine Theatergruppe für die türkischen Arbeiter in der Bundesrepublik und West-Berlin zu gründen. 1966-1969 kehrte er für ein Schauspielengagement nach Istanbul zurück, bis es ihn 1969 wieder nach West-Berlin zog. Dort war er Mitglied der Berliner Künstlervereinigung „Rote Nelke“. Seit 1974 arbeitete er zunächst als Redakteur und ab 1996 dann als Leiter in der türkischen Redaktion des Senders Freies Berlin (SFB).
Im Winter 1999 hatte er eine Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen inne. Für sein poetisches Werk erhielt Aras Ören 1980 den Förderpreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und 1983 die Ehrengabe der Bayrischen Akademie der Schönen Künste. Im Februar 1985 wurde er (zusammen mit Rafik Schami) mit dem damals erstmals vergebenen Adelbert-von-Chamisso-Preis für Literatur in Deutsch als Fremdsprache ausgezeichnet. Er zählt zu den bekanntesten türkischen Autoren in der Bundesrepublik Deutschland. Aras Ören schreibt nach wie vor in türkischer Sprache, seine ersten in der Emigration entstandenen Texte wurden zunächst nur in deutscher Übersetzung publiziert. Mittlerweile liegen zum Teil auch die türkischen Orginalausgaben vor.