Wo die strahlende Lea ist, da ist das Leben – bis sie plötzlich, mit gerade dreißig, schwer erkrankt. Während ihre Freunde Weltreisen planen, aufregende Jobs antreten, heiraten, Kinder kriegen, kreisen ihre eigenen Gedanken um Krankheit und Tod. Als sie fast die Hoffnung verliert, muss Lea an ihre Großmutter Ellis denken. Ellis Heiden war Schauspielerin und Lebenskünstlerin, „eine Frau wie ein Gewürzregal“, lustig, temperamentvoll und furchtlos. In den 1940er Jahren etwa schummelte sie ihren Bräutigam, einen „Halbjuden“, in einer abenteuerlichen Aktion nach Berlin und rettete ihm damit das Leben. Auch die Nachkriegswirren, Mauerfall und Wendezeit meisterte sie mit einer umwerfend unkonventionellen Haltung zum Leben. Die Erinnerung an diese besondere Frau stärkt Lea in einer schweren Zeit den Rücken. Mit leichter Feder, Herz und Humor erzählt Lea Streisand die Geschichte zweier unverwechselbarer, starker Frauen.
Ich mag die Perspektivenwechsel zwischen Mütterchen und Lea. Die Schicksalsschläge von Lea kann ich mitfühlen und das Buch zeigt genau wie ein Mensch mit solchen Ereignissen umgehen könnte :)
Absolut großartig. Man lacht sich krumm, man weint mit, man wird überrascht und nachdenklich. Vor Allem ist man hingerissen von der Protagonistin und ihrer herrlichen patenten Großmutter.
Lea ist 15 Jahre alt, als sie zusammen mit Ihrer Großmutter Ellis Heiden, Jahrgang 1912, liebevoll Mütterchen genannt, beschließt, dass sie es sein wird, die die Lebensgeschichte von Ellis, die eine Schauspielerin war, aufschreiben und veröffentlichen wird. Zu diesem Zeitpunkt kann Lea noch nicht ahnen, wie sehr sich ihr eigenes Leben verändern wird. Mit 30 Jahren erfährt Lea, dass sie an einer schlimmen Form des Krebses erkrankt ist. Nun beginnt ein ganz anderer Kampf, den die junge Frau bestehen muss. Als sie als geheilt gilt, entschließt sie sich Ellis Geschichte niederzuschreiben und auch ihre eigene Geschichte zu erzählen. So ist das Buch „Im Sommer wieder Fahrrad“ von Lea Streisand entstanden, die Autorin berichtet aus dem Leben zweier willensstarker und kämpferischer Frauen. Dies tut sie mit ganz viel Herz und auch mit Tränen …
Dieses sehr persönliche Buch der Autorin zeigt vor allem, dass sie eine ausgezeichnete Geschichtenerzählerin ist, sie schafft es, mich bereits nach den ersten gelesenen Zeilen einzufangen und durch ihr eigenes Leben und das der wunderbaren Ellis zu führen. Lea Streisand hat zwei Erzählstränge angelegt, diesen Stil liebe ich inzwischen außerordentlich, denn er macht das Lesen abwechslungsreich. Die verwendete Sprache ist herrlich offen, modern und klingt in meinen Ohren vertraut. Die Leben beider Frauen sind mit viel Gefühl und Herzblut würdig dargestellt.
Dem Buch vergebe ich von Herzen gerne seine wie ich finde wohlverdienten fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es unbedingt weiter an Leser, die gefühlvolle Familienromane und Lebensgeschichten lieben und sich darauf einlassen wollen, mehr von Ellis und Lea aus nicht immer einfachen und glatt gehenden Leben zu erfahren.
Lea steht mitten im Leben, als eine Krebsdiagnose ihr den Boden unter den Füßen wegzieht. Statt Kindern und beruflichem Aufstieg, stehen nun Chemo, Angst und der mögliche Tod im Fokus. Doch Lea findet eine Art Rettungsanker. Erinnerungen an ihre Großmutter helfen ihr über die schwersten Stunden und durch die tiefsten Täler. Krebs ist ein zentrales Thema in dem Buch, aber es ist nicht nur noch ein Krebsbuch, sondern viel mehr, denn es erzählt auch die Geschichte einer Großmutter, die zwei Weltkriege, den kalten Krieg und nebenbei unzählige Liebschaften in ihrem langen Leben miterlebte. Erinnerungen an sie nehmen dem Buch zwischendurch Schwere; auch wenn die sympathische Großmutter selbst genug Probleme zu bewältigen hatte. Die verschiedenen Charaktere sind schön ausgearbeitet, authentisch und facettenreich. Der Schreibstil war angenehm und emotional, aber im für mich angenehmen Maß und an den passenden Stellen auch humorvoll, sodass trotz aller Probleme immer wieder eine gewisse Leichtigkeit zwischen den Seiten auf den Leser wartet. Die Autorin hat zwischen der Angst, Verzweiflung und Sorge so viel Witz und Zuversicht eingestreut, dass die Geschichte nie zu schwermütig wird und trotzdem die schwarzen Seiten beleuchtet. Unter dem Strich ist es eine Geschichte, die Hoffnung gibt. Trotz allem hatte ich zwischendurch öfter mit dem Buch zu kämpfen, weil es so realistisch ist und ich in der Familie gerade einen schwierigeren Verlauf als Leas habe… Die Sorge, dass sie Autorin sich vielleicht mit der Vielzahl der verschiedenen Themen übernehmen könnte, hat sich nicht bestätigt. Ein tolles Buch, wenn es auch phasenweise nicht leicht zu lesen war, weil die Thematik schwer war.
Lea Streisand schreibt so flüssig und unterhaltsam, dass man das Buch nicht weglegen mag. Die Verstrickung der Lebens- (und Liebes)Geschichten ihrer Oma mit ihrer eigenen Krebserkrankung wirft einen hin und her, hoch belustigt, tief vor Trauer. Dabei gelingt es ihr ausgesprochen gut, das schwierige Thema Tod und den Umgang damit auf verschiedenen Ebenen zu beleuchten. Danke auch für den Freund, der sich aus Angst nicht melden kann. (Fühle ich ...) Ich empfehle das Buch uneingeschränkt. Sommer und Fahrrad im Titel hilft natürlich zudem. 😉
"Mütterchens Sofa hatte weiße und rote Streifen." (S. 7)
Bereits mit diesem ersten Satz hatte mich Lea Streisand geködert und ich wusste, dass ich dieses Buch lesen muss. Es ist so locker und leicht geschrieben, dass es trotz des schweren Themas Spaß macht, es zu lesen. Die Verbindung der Geschichten der beiden Frauen geschieht auf eine ganz besondere Art und Weise. Sehr gut gefallen hat mir, dass Ellis Heiden zunächst wie eine unantastbare Gestalt wirkt, die im Laufe des Buches von ihrem Sockel heruntergehoben wird.
Leas Geschichte hingegen hat mich zwar sehr mitgenommen sowie berührt, aber auch an der ein oder anderen Stelle zum Lachen gebracht. Darüberhinaus habe ich bisher in noch keinem Buch etwas Vergleichbares über die Krebserkrankung gefunden. Oftmals wird vor allem auf der emotionalen Ebene gearbeitet, hier natürlich auch, aber die Beschreibungen rund um die Chemotherapie sind so gut, dass man ungefähr nachfühlen kann, wie es einem Krebspatienten dabei geht.
Das Buch zeichnet sich generell durch seinen Schreibstil aus. Es ist so gut beschrieben, wie der jungen Frau der Boden unter den Füßen weggezogen wird, sie sich entschließt zu kämpfen und ihr Kampf sie viel Kraft kostet. Das Leben scheint an ihr vorbei zu ziehen. Dazu im Kontrast stehen die Erzählungen über ihre Oma Ellis Heiden. Diese scheinen nur so vor Lebensfreude und Energie zu strotzen. Diese Abwechslung tut gut. Sie ermöglicht ein Luftholen, ein Erholen.
Fazit
"Im Sommer wieder Fahrrad" ist ein wunderbares Buch, ein Must-Read. Ein Buch das trotz des Themas Lust auf das Leben macht. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.
Ein toll geschriebener Roman a lá Geschichten aus dem Leben. Man taucht voll in die Welt von Lea und ihrer Großmutter ein, lacht und weint zusammen mit den starken Frauen. Schöne, erfüllte Lesestunden. Es gibt zwei Zeitebenen. In der heutigen Zeit kämpft Lea mit ihrer Krebserkrankung. Sie macht alles mit, volles Programm: Chemotherapie, unzählige Blut- und Knochenmarkentnahmen, Krankenhausaufenthalte, etc. Um sich von ihren Leiden abzulenken, schwelgt sie in Erinnerungen an ihre geliebte Oma. Lea hat einen Koffer voller Briefe und Tagebücher ihrer Großmutter, die sie nun nach und nach liest, und das Leben von Mütterchen, so Oma stets genannt, rekonstruiert. Leas Oma ist eine bemerkenswerte Frau, die man gerne kennenlernen sollte. Sie war Schauspielerin durch und durch. Theater und Bühne waren ihre Berufung, die sie bis ins hohe Alter aktiv ausgeübt hat. Im Rahmen der Nacherzählung von Mütterchens Leben kommen einige geschichtspolitische Momente ans Licht, z.B. 1945 als Leas Oma ihren damaligen zukünftigen Mann, einen Halbjüden, aus dem Arbeitslager gerettet hatte, hier verweilt Lea recht lange, die damaligen Geschehnisse werden bildhaft vor Augen der Leser ausgebreitet, oder auch wie der Bau der Mauer im Jahr 1961 die Familie und Freunde auseinandergerissen hat, uvm. Zwei Weltkriege, vier Staatsformen hat diese Frau überlebt. Es wird also zwischen damals und heute hin und hergesprungen. Lea denkt heute über sich selbst nach, vergleicht sich mit ihrer Oma, zieht Parallelen, kommt zu eigenen Schlüssen, was es bedeutet, am Leben zu sein. Man sieht, dass Lea eine sehr starke junge Frau und ihrer Oma in jeder Hinsicht würdig ist. Lea denkt auch über die Ursachen ihrer Erkrankung nach, was Krebs eigentlich ist und was er in der heutigen Gesellschaft bewirkt und bedeutet. Solche Themen wie Familie, Familienzusammenhalt, Treue in einer Beziehung, Liebe, Beruf und Berufung, wahre Freunde und Freundschaft, das Leben und der Tod sind in den Erzählteppich gekonnt wie bildhaft einflochten worden. Leichtfüßig, mit einer guten Portion (Selbst)-Ironie ist der Roman insg. geschrieben. Manchmal ist der Stoff anstrengend, da recht viele Schilderungen von Krebs und enspr. Zuständen nach Chemotherapie, Krankenhausaufenthaltsrealien, usw. Trotzdem kommt die Geschichte sehr hell und sehr lebensbejahend rüber, hat eine optimistische Aussage. Es gibt einige tiefgründige Überlegungen, schöne Sätze, die jedes Zitatenheft schmücken können. Hier einige Beispiele: „Wo ist der Anfang bei einem runden Ding? Ein Leben verläuft ja nicht linear. Es ist keine Zwirnsrolle, die man abspult von vorn nach hinten, und das war’s dann. Das Leben gleicht eher einer Kartoffel, die wächst und größer wird und Beulen bekommt, die irgendwie unförmig ist und dreckig. Wenn man Kartoffeln durchschneidet und in die Erde legt, wachsen neue nach. Und wenn man eine Kartoffel ausgräbt und gründlich abwäscht, dann schimmert sie golden.“ S. 11. „Auf der Bühne lernt man, Menschen zu lesen. Man lernt, ihre Gesten, ihre Mimik, ihre Haltung zu lesen. Jede Bewegung erzählt etwas über dich. Die Art, wie du dich hinsetzt, wie du isst, wie du deinen Kaffee trinkst, die Art, wie du dich kleidest, wie du küsst und wie du lachst. Sie erzählt auch, wo du herkommst, wo du hinwillst, in welchem Milieu du aufgewachsen bist, was dir in deinem Leben passiert ist. Und was du dir wünschst.“ S. 216. Das Coverbild ist sehr gelungen und passt prima zum Inhalt. Die Frau könnte Leas Oma in jungen Jahren sein. Fazit: Absolut lesenswert. Wer sich fürs Thema Krebsbewältigung interessiert, ist hier goldrichtig. Aber auch diejenigen, die toll erzählte, authentische Geschichten aus dem Leben mögen, finden bestimmt Gefallen an diesem eigenartigen Familienroman. Fünf wohl verdiente Sterne und eine klare Empfehlung!
Lea Streisand verknüpft in ihrem Roman-Debut "Im Sommer wieder Fahrrad" Krebserkrankung und Familiengeschichte der Hauptfigur Lea - in wieweit es sich um eine autobiografische Geschichte handelt, bleibt ungeklärt. Die Autorin wird aber kaum abstreiten können, dass das Buch zumindest autobiografisch geprägt ist. Im Mittelpunkt steht neben Lea die Großmutter, genannt Mütterchen.
Die Geschichte wird dabei nie weinerlich oder selbstmitleidig. Die Krebserkrankung und die Auswirkungen von Krankheit und Therapie auf die Hauptprotagonistin und ihr Umfeld werden aber schonungslos beschrieben. Falls dieses Buch den Leser durch eine Krebserkrankung hindurch begleiten soll, vielleicht besser nicht von Anfang an.
Noch interessanter als die Geschichte Leas fand ich die Lebensgeschichte Mütterchens, die fast das gesamte wechselhafte zwanzigste Jahrhundert hautnah durchlebt hat. Sowohl im Nationalsozialismus, in der DDR als auch in der Bundesrepublik hatte sie immer ihren eigenen Kopf und ging ihren Weg als Schauspielerin und Regieassistentin am Theater.
Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr. Er ist intelligent und flüssig.
Gegen Ende hat die Geschichte der Krebstherapie einige Längen. Insgesamt aber eine lesenswerte, gut geschriebene Geschichte über zwei starke Frauen.