Die österreichische Erzählerin Waltraud Anna Mitgutsch, deren letzter Roman Ausgrenzung ein nachhaltiger Erfolg wurde, erzählt in ihrem neuen Buch die Geschichte einer Frau, die nach sechzehnjähriger Ehe ihren Mann und ihre Kinder verläßt, um dort, wo sie geboren und aufgewachsen und auch in der Sprache zu Hause ist, ein eigenes Leben zu beginnen. Denn »immer wieder hatte sie vor der Frage der Zugehörigkeit gestanden, unfähig, sich festzulegen, unfähig zu entscheiden, wohin sie nun gehörte. Ich gehöre dahin, wo ich nicht bin, zu euch nicht. Hier, bei euch, bin ich fremd.« Dieses Gefühl der Ortlosigkeit hatte immer mehr von ihr Besitz ergriffen. Nun sitzt Lillian im Flugzeug, zwischen Europa und Amerika - eine zeitlich begrenzte Freiheit, ein Schwebezustand. Aber während sie zurück- und nach vorn blickt, ahnt sie schon, was sich bald bestätigen wird: Daß sie nun auch dort, we sie herkommt, eine Fremde ist. Waltraud Anna Mitgutsch analysiert in ihrem neuen Roman feinfühlig ein weit verbreitetes Lebensgefühl: das Gefühl des Fremdseins und der Sprachlosigkeit. Die Geschichte einer Befreiung? Eher die Geschichte einer Verzweiflung und Desorientierung. Und eine Geschichte von Liebe und Haß.
(Waltraud) Anna Mitgutsch studierte Germanistik und Anglistik, war einige Zeit Assistentin am Institut für Amerikanistik in Innsbruck. Längere Aufenthalte in Israel, England und Korea. Von 1979 bis 1985 unter-richtete sie in Boston deutsche Sprache und Literatur. Heute lebt sie in Linz.
In diesem Buch passiert so wenig, dass es mich eigentlich ein wenig gewundert hat, dass ich es bis ans Ende geschafft habe. Ich befürchte fast, es liegt ein wenig an dem Faktor, dass man mit seinem eigenen Leben (so wenig aufregend es auch sei) zufriedener ist, wenn man einem Handlungsträger (in diesem Fall: der Ich-Erzählerin) dabei zusehen kann, wie er/sie konsequent ins Unglück rennt, obwohl sie eigentlich nichts dazu zwingt - außer - in diesem Fall - ihr Charakter und die Schatten Ihrer Kindheit - nunja, so gesehen doch wieder starke Gründe.
Als Amerikanerin mit großer Neigung für österreichische Kultur ist dieses Buch mir sehr einfühlsam. Obwohl manchmal die Erlebnisse der amerikanischen Hauptfigur im Buch irgendwie stereotypisch oder oberflachlich geschrieben sind, sind die Gedanken dahinter immer in einer bestimmten Realität, die ich mir einfach vorstellen könnte, gegründet-- z.B. wenn ich einen Europäer heiraten und in Europa wohnen würde, wäre es mir auch sehr schwierig eine Familie dort zu gründen. Das Buch stellt insgesamt einen wirklich sehr interessanten Ausblick vor.