„Flucht aus den Bambusgärten“ von Ekert-Rotholz ist ein Roman, welches mit seinem außergewöhnlichen Setting überzeugt. So versteht die Autorin es sehr gut ihre eigenen Erfahrungen im asiatischen Raum des 20. Jahrhunderts in die Geschichte einfließen zu lassen, welches von Krieg, Elend und Not geplagt ist. Dabei beschränkt sich die Handlung keineswegs nur auf Vietnam und andere asiatische Nationen, sondern unternimmt eine weitreichende Reise durch viele Länder, was jedoch ungemein zwanglos geschieht und dem Werk eine erfrischende Note verleiht.
Zu der großen Stärke dieses Romans gehört die ausgezeichnete Ausarbeitung der zahlreichen Figuren, die tiefe Dimensionen aufweisen und äußerst unterschiedlich geschaffen sind und gleichermaßen verschiedene Hintergründe sowie Perspektiven besitzen. Der Erzählstil ist dabei sehr angenehm und verleitet zum Weiterlesen, wobei auch die Charaktere einen großen Teil dazu beitragen, deren Gedanken, Motive sowie Gefühle zu erfahren stets mit großem Interesse herrührt. Des Weiteren wurden dunkle Nuancen sprachlich grandios umgesetzt. Das unheilvolle Asien und die dunkle Gefahr, welches im fremden Terrain lauert, wurden sehr mystisch und doch grauenvoll angekündigt, was der desolaten Situation der dortigen Menschen zu verschulden ist, die dem Krieg und dessen Folgen ausgesetzt sind.
Grund für meine 4 Sterne ist, dass nach dem wunderbaren Aufbau eines grauenhaften Schicksalsschlags leider die Erwartung an Schrecklichkeit unermesslich hoch war, sodass die Enthüllungen weitestgehend „harmlos“ blieben in Anbetracht dessen. Keinesfalls schlecht – so war das Ende unerwartet -, lediglich etwas enttäuschend aufgrund der so dunkel prophezeiten Zukunft.
Nichtsdestotrotz ein sehr empfehlenswertes Buch für Interessierte der Kriegssituation des historischen Asiens, das aus wirklich sehr vielen verschiedenen Standpunkten erzählt wird.