"Sveket" ("Die Täuschung") ist einerseits ein psychologischer, andererseits ein katholischer und ein mystischer Roman: Tobit, Sohn eines Paares, das den Kinderwunsch schon fast aufgegeben hatte, wächst auf einem kleinen Gehöft auf, ehe er mit etwa dreißig Jahren Ingrid kennenlernt, eine Frau aus ärmlichen Verhältnissen. Zusammen bekommen sie ein Kind, Toragreta. Tobit muss die Familie schon bald verlassen, um in Norddeutschland zu arbeiten; bei seiner Rückkehr ist Ingrid, die an einer Lungenkrankheit litt, verstorben. Fortan konzentriert sich alle seine Liebe auf Toragreta, die sich jedoch in Zorn verwandelt, als das Mädchen seine eigenen Wege gehen will. Tobit misshandelt seine Tochter; sie verzeiht ihm nicht und heiratet Läjf, einen Ausgestoßenen. Sie kann ihr Trauma jedoch nicht verwinden und nimmt sich das Leben; darauf reagiert Läjf mit Wut und Ohnmacht. Nur langsam nähert er sich seinem Schwiegervater wieder an, und so wird er - der Erwachsene - zu einer Art Ersatzsohn.
Eine Hauptfrage dieses Romans ist, wie sich ein Vergehen - der im Titel erwähnte "Verrat" - über die Generationen hinweg tradiert. Da ist zum einen Ingrid, die ihren eigenen, sie misshandelnden Vater hintergehen muss, um zu Tobit zu gelangen; da ist Tobit selbst, der nach Ingrids qualvollem Todeskampf seine Vorstellungen von Reinheit auf die eigene Tochter projiziert, aber von ihr - zumindest aus seiner Sicht - enttäuscht wird; und da ist Läjf, der nach und nach erkennt, wie sehr seine Frau Toragreta durch ihren gewalttätigen Vater gebrochen worden ist. Das Erkennen des anderen ist ein weiteres zentrales Thema von Trotzigs Buch: Oft sehen wir im Gegenüber nur eine verschönerte Version von uns selbst, die wir - und sei es mit Gewalt - in die Realität überführen wollen. Aber es gibt auch Momente, in dem wir mit dem anderen verschmelzen können.
Trotzig ergründet in ihrem Roman, wie Liebe und Verrat zusammenwirken. Sicherlich betrachtet sie ihre Themen in einer katholischen Perspektive (Stichwort: Erbsünde), aber dies ist kein didaktischer Text. Das Religiöse ordnet sich in einen historischen Kontext ein, nämlich die schwedische Wirtschaftskrise um 1930; die Landschaft und ihre Menschen sind archaisch, ehemals feste, familiäre Bindungen weichen durch die Zumutungen des Kapitalismus auf. Die Welt ist brutal, sie steht den Menschen immer wieder gleichgültig gegenüber, aber zumindest lässt sie sich in einer Sprache beschreiben, die in ihrer Überreiztheit viel von dem zu beschreiben weiß, was oftmals unausgesprochen bleibt.