Ein wunderschönes Porträt zweier Frauen mittleren Alters, die einen Neustart im Leben wagen wollen. Die eine ist neu geschieden, die andere nach einem Unfall nicht mehr berufsfähig. Sie treffen sich an der Nordsee, um ein paar Tage zusammen Atem zu holen.
Wie in einer sehr literarischen Erzählung zu erwarten ist, passiert sehr wenig. Darum geht es auch nicht. Es geht um das Sein und das Was-könnte-sein. Um die Vergangenheit, Fehler und Erinnerungen. Um das Wollen, das Nicht-Müssen und die Zukunft.
(Und keine von beiden hat einen Bart. Das ist ein Metapher für Frauen, die sich an keinen Konventionen anpassen. )
Oft hatte ich leider Schwierigkeiten, die beiden Figuren auseinander zu halten. Welche ist noch mal Anna, welche Karin? Die Erzählstimme fließt zwischen den beiden Frauen als ob sie, auf einer Art, doch das selbe Frau sind. (Oder alle Frauen?) Nach 50 Seiten hab ich's aufgegeben und nur die Sprache und die Bilder genossen.
Einfach nur für die grandiose, poetische, einfallsreiche Sprache ist diese Erzählung lesenswert. Ich bin überrascht, dass Renan Demirkan nicht weitaus mehr Aufmerksamkeit als Autorin bekommen hat. Sie hätte es verdient!