Ein junger Journalist macht Karriere bei einer Wochenzeitung und gerät in den Sog des schillernden, diabolischen Chefredakteurs – mit lebensbedrohlichen Folgen. Anfangs versucht M. den nationalkonservativen Furor seines Chefs mit Humor zu nehmen, zumal der smarte Blattmacher dabei brillant und originell vorgeht. Zunehmend irritiert stellt M. fest, dass er in seiner neuen Position kaum etwas entscheiden darf und auch noch den Sündenbock für seinen Chef und dessen Umstrukturierungspläne spielen soll. Irritiert ist allerdings nicht nur M., sondern auch eine Gruppe radikaler Muslime, die die Hetze gegen Ausländer satt hat. Jemand soll dafür bezahlen. Ein temporeicher und scharfsinniger Thriller über die Manipulation und Stimmungsmache in Medien und Gesellschaft.
Dass die Medien heutzutage gerne als reisserisch auftreten und somit gerne die Fakten hinter den Emotionen zurückstellen sollte eigentlich allen bewusst sein. Trotzdem, immer besser funktioniert diese Polemik und das Extrem. Auch in der Redaktion von "Bad News" geht es vor allem darum, extreme Meinungen - welche in diesem Fall eher rechts sind - abzudrucken und somit die Leute zu Reaktionen anzustacheln. Bruno Ziauddin erzählt vor diesem Hintergrund einen spannenden Roman, der wohl nicht wenig aus der eigenen Biografie des Autors nimmt.
Ziauddin arbeitete schliesslich selber schon für einige polarisierende Blätter und nicht selten dachte ich bei der Lektüre des Buches an "Die Weltwoche". Die Geschichte in "Bad News" hingegen verbindet geschickt Wahrnehmungen, Perspektiven und Argumente - nur um am Ende alles doch wieder sehr plump aufeinanderprallen zu lassen. Es geht um Islamophobie, Kriegsreportage und die Fremdheiten im eigenen Alltag. Sicherlich ist die Geschichte toll erzählt, spannend und weiss immer wieder zum Nachdenken anzuregen - doch oft war mir alles auch eine Spur zu einfach. Dass mich gewisse Passagen aber ziemlich wütend machen konnten zeigt gut, wie nahe Ziauddin hier an der Wahrheit schreibt und wie schlimm es mit unserer Toleranz eigentlich steht.
Unterhaltsam und packend. Der Roman legt den Finger genau auf jene Stelle, die derzeit medial-gesellschaftlich so weh tut. Die Schilderung des Charakters des Chefredakteurs, der starke Ähnlichkeit mit einer realen Person aufweist, wirkt plausibel und glaubhaft, ebenso jene des Alltags in einer Redaktion. Wer je für eine Zeitung gearbeitet hat, kennt jede einzelne der Figuren und jedes einzelne Problem. Einen Stern Abzug gab es aus ganz persönlichen Geschmacksgründen für etwas gar häufige und überaus blumige Vergleiche und Metaphern.
Mit Bad News ist Bruno Ziauddin ein witziges und kurzweiliges Buch gelungen. Es wäre interessant zu wissen, wieviel der Geschichte vom Journalisten, der mitansehen muss wie seine Wochenzeitung sich zum rechtskonservativen Stammblatt wandelt, autobiographisch ist. Während der Plot wenig entwickelt wird, machen die Charaktere und die Detailtreue das Buch lesenswert - zudem schafft es Herr Ziauddin immer wieder, den Leser mit Satzkonstruktionen oder Beschreibungen zum Lachen zu bringen.