Korruption bis in höchste politische Kreise gibt es nicht nur in Afrika, das weiß der Richter aus Paris sehr gut. Doch im Fall des Staatspräsidenten aus Äquatorialguinea geht es offenbar nicht nur um Schmiergelder, französische Luxusimmobilien und teure Autos, sondern auch um Prostitution und Mädchenhandel. Jacques Ricous Klage gegen den Machthaber hat jedoch ungeahnte Folgen: Der französische Präsident entlässt einen Minister, seine Chefin entzieht ihm ihr Vertrauen, und seine Gegenspieler wollen ihn ein für alle Mal ausschalten. Sie planen eine Intrige, die, sollte sie gelingen, den Richter in seinem Amt für immer kaltstellen würde. Der Schlüssel der Affäre liegt in einem Schloss in der Normandie. Aber das findet erst Jacques Freundin, die kritische Journalistin Margaux heraus.
Ich habe mich nun durch alle sechs Ricoh-Bücher gekämpft. Es ist nur gut, dass die nicht fortgesetzt wurden. Als einfallsreichen Krimi-Autor kann man Wickert nicht bezeichnen. Alle sechs Bücher verfahren nach einem identischen Muster. Es werden praktisch nur die Anlässe ausgetauscht; immer irgendwelche Korruptionen in der französischen Staatsregierung als historischer Bezug. Mal ist es die Sarkozy Regierung, Mal Hollande, vorher auch schon Mitterand und Chirac. Dann sind jedesmal die korsischen Unterwelttypen dabei und auch immer eine persönliche Gefährdung und Absetzungsversuche des Richters. Man weiss daher gleich, wie es enden wird. Die Bücher wurden ja im ersten Jahrzehnt verfasst und wahrscheinlich liest sie heute ohnhin niemand mehr. Drei Sterne vergebe ich, weil es unterhaltsame, oberflächliche Lektüre zum Zeitvertreib ist. Aber man sollte nicht alle lesen. Ein oder zwei sind ok. Was besonders verwerflich für einen so prominenten Journalisten ist, dass er das Wort Neger verwendet. Schlimm.
Ich habe das Buch wenige Tage vor der Befragung von Ex-Präsident Nicolas Sarokozy durch die französische Polizei zu Wahlkampfhilfe von Gaddafi an ihn bzw. seine Partei gelesen. Dass die Schilderungen von Ulrich Wickert über Koffer, mit Millionen in Geldscheinen gefüllt, die in schnöden Flugzeugen und Taxis von Afrika nach Paris in Parteikassen transportiert wurden, so nah an der Wirklichkeit waren, hätte ich mir - zugegebenermaßen kein Kenner der französischen Politik - nicht träumen lassen.
Die Frage, die mir bleibt: Wenn diese Geldtransfers in Paris ein so offenes Geheimnis waren, dass selbst ein Krimiautor (allerdings einer, der aus dem Journalismus kommt) davon gehört hatte und dies in einem Roman verarbeiten konnte, warum ist da nicht früher offiziell ermittelt worden? Wieviel Fälle gibt es denn noch?