Der Reader über Frauen zwischen Feminismus und Pop, Prekariat und Boheme.
Seit der konservative Backlash offen in Form von neuem Gebärzwang und alten Hausmütterchen-Doktrinen zutage tritt, besinnt sich sogar der Mainstream wieder auf die Notwendigkeit des Feminismus. Dabei wird gerne übersehen, dass es abseits des gemäßigten Feuilleton-Bekenntnisses zur Geschlechtergleichheit eine Menge junger Frauen gibt, die sich den radikalen »Luxus« eines feministischen Bewusstseins leisten und dies in verschiedensten Formen leben.
In der »Hot Topic«-Anthologie porträtieren diese Frauen ihre Lebensrealitäten zwischen Abtreibung, Indie-Mutterschaft, Prekariats-Boheme, queerem Coming-of-Age, Schönheits-Terror und Exotinnendasein im Musik- und Medienbusiness. In Anlehnung an die Vielzahl anglo-amerikanischer Textsammlungen, die hierzulande immer noch ihresgleichen suchen, destilliert dieser anekdotisch angelegte Reader die gesellschaftspolitische Aussage aus dem privaten Erleben und knüpft damit dort an, wo vor beinahe 10 Jahren der bis jetzt einzigartig gebliebene Band »Lips Tits Hits Power« aufhörte.
Aus dem Inhalt: Reproduktion, Abtreibung und Verhütung / Queere Strategien und Coming out / Grrrl-Zines / Drag Kings in der Populärkultur / TV-Serien und Feminismus / Mädchenzeitschriften, Szeneorgane und (Anti-)Solidarität / Weibliche Einflussbereiche in der Punksubkultur / Ladyfest als Ladyspace / Das Leben der Lo-Fi-Boheme / Gender und Feminismus zwischen Ost und West / Weiße Männlichkeitskonstruktionen im Rock und Pop /Mode als Politikum
Mit Beiträgen von Christiane Rösinger, Pauline Boudry, Clara Völker, Sarah Diehl, Rosa Reitsamer und Vina Yun und mit zahlreichen Illustrationen.
I got the spirit, aber irgendwie haben mich die Texte trotzdem nicht so richtig überzeugt. Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass das Buch doch schon fast 20 Jahre alt ist. Damals war der Begriff noch nicht wirklich im Umlauf, aber aus heutiger Sicht würde man einige der Autorinnen wahrscheinlich als „Pick me“ bezeichnen. Natürlich haben sie in dem Punkt Recht, dass Frauen jedes Hobby, jedes Interesse etc. genauso zusteht wie Männern. Mich hat aber die Art der Hervorhebung und das ständige Sich-selbst-als-Beispiel-Nehmen etwas gestört. Gerade weil es eigentlich keine Geschlechterrollen geben sollte, müssen wir doch aufhören, es als etwas Besonderes hervorzuheben, wenn eine Frau sich für Fußball interessiert, DJ ist oder andere vermeintlich „männliche“ Hobbys hat. Ich glaube, für die damalige Zeit war das Buch sicherlich feministisch und wichtig, aber aus heutiger Sicht wirkt vieles nicht mehr ganz so aktuell. Die grundlegende Aussage ist natürlich trotzdem richtig und wichtig.
Manche Kapitel echt toll, manche langweilig und zäh, hab teils sogar was übersprungen. Vielleicht liegt’s daran dass das Buch schon 12 Jahre alt ist und vieles für mich nicht mehr neu war.
Dieses Buch ist inspirierend, persönlich, engargiert, gesellschaftskritisch, poetisch, politisch, wütend, fragend, bestätigend, lebensfroh, traurig, kurz: Wichtig, da es zeigt, dass Feminismus absolut nichts Altmodisches oder die Angelegenheit einer extrem radikaisierten Minderheit ist. Vielmehr ist er heute so wichtig wie je. Das zeigt "Hot Topic" mit viel Begeisterung und Energie. Danke für dieses Buch!