Mitten im Winter liegt der neue Beginn: wenn es draußen stürmt und schneit, werden heimelig-warme Innenräume zu idealen Lese-Oasen: Januar-Gedichte über Eisblumen am Fenster, Wintersport und schneebedeckte Landschaften. Manchmal sogar »Winterglück«.
Hui...was für eine abwechslungsreiche lyrische Berg- und Talfahrt.
Zunächst hielten sich die bunt zusammengewürfelten Werke noch lange auf, beim alten Jahr und Neujahrsbeginn. Zum Glück fand sich bald Herr Kästner mit seinen weisen Versen aus seinem "Neujahreswunsch" ein:
Die Wünsche, die man schreibt und spricht, sind billige Geschenke und haben nur Papiergewicht. Und sie erfüllen sich auch nicht, wenn ich sie nichts als denke.
Endlich jemand, fern von melancholischen, düsteren Gedanken, die eher anmuten, jegliche Lebensfreude aus einem zu saugen wie Norbert C. Kasers "Jaenner":
wie kurz & duerre ist Dein name TOD
Nein, damit konnte und WOLLTE ich nichts beginnen. So drückten derlei viele Versschmiede emotionale Momente aus, die mir just fern waren. Ich weiß nicht, in welcher Lebenssituation sie sich beim Verfassen befanden; eine beneidenswerte kann es nicht gewesen sein.
Darüberhinaus frage ich mich, was Frau Polt-Heinzl geritten hat, VIER Gedichte hintereinander weg mit dem gleichen Thema drucken zu lassen. Als ich also übersättigt zum dritten Male mir die Geschichte von den drei heiligen Königen zumutete, erlebte ich tatsächlich eine Überraschung. Klabunds amüsante Version brachte mich zum Lachen. Klabund-sei-Dank, denn prompt folgte das vierte Gedicht.
So versöhnten mich eben dieser sowie Kästner, Ringelnatz (der bei Flockenwirbel nach Zopot fliegt), Morgenstern und selbst der melancholische Trakl.
Gedichte zum Monat Januar - es gibt mehr davon, als ich vermutet hätte. Die Sammlung ist liebevoll arrangiert, das kurze Vorwort passend gewählt. Ich finde, die Einstimmung auf den Monat Januar ist eine wundervolle.
Die große Lyrik-Liebe fand ich in dem Büchlein nicht. Trotzdem kann ich es - eben als Prélude zum ersten Monat des Jahres - sehr empfehlen. Irgendwie macht es den Winter erträglicher, wenn man die Gedanken anderer zu Schneedecken liest, die in unserer Zeit eher die Ausnahme sind.
My favourite poems from /this/ January are Der Januar by Erich Kästner (I’ve been a fan of Kästner‘s work since I was 10 or so), the untitled piece by Ilma Rakusa, winter by Ernst Jandl, and Wintermorgen by Rainer Maria Rilke.