Weit über Politik und Wirtschaft hinaus hat sich der Neoliberalismus in unserem Denken und im Alltagsleben verankert. Patrick Schreiner fragt nach den Mechanismen, durch die Menschen neoliberale Ansätze und Ideen als gut, angemessen und alternativlos akzeptieren. Dazu nimmt er das Bildungswesen, Ratgeberliteratur, Esoterik, Sport und Fitness, Stars, das Fernsehen, Soziale Netzwerke sowie Konsum und Lifestyle in den Blick. An diesen Beispielen zeigt Schreiner, wie der Neoliberalismus die Menschen vereinnahmt und welche Folgen das für die Einzelnen wie für die Gesellschaft hat. Dabei wird deutlich: Neoliberalismus ist eine Ideologie, die Freiheit verspricht, aber Elend und Unterwerfung bedeutet.
Wer den »Neoliberalismus« bereits ablehnt, wird in dem Buch wenig grundlegend Neues finden. Selten aber wurden die Verwerfungen des Systems in einer so klaren, präzisen und unaufgeregten Weise auf den Punkt gebracht wie hier. Schreiner zeigt, dass die fundamentalistische Marktideologie nicht nur die materielle Infrastruktur und den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaften schleift, sondern dass sie seit Jahrzehnten die Kultur und die Psychen der marktkonformen Menschen durchdringt. Musikbusiness, Spitzensportrummel, Castingshows, Fitness-Studios und Performance-Ratgeber, alle transportieren eine Botschaft: jeder kann »es« schaffen, und du allein bist dafür verantwortlich! Wenn du »es« nicht schaffst, dann hast du dich nicht genügend angestrengt. Natürlich wird dabei immer verschwiegen, dass selbst wenn jeder es schaffen könnte, es niemals alle schaffen können; denn das System lebt von der Kluft zwischen arm und reich, oben und unten. Wenn jeder sich ständig noch ein bisschen mehr anstrengen muss, dann rackern und stressen sich am Ende alle kaputt. Jeder ist seines Glückes Schmied, das heißt, jeder kämpft für sich allein. Solidarität und gemeinsamer Kampf um lebenswerte Umstände für alle werden verachtet. Die Psyche des neoliberalen Menschen wird gedrillt auf Selbstbeobachtung, Selbstoptimierung und Selbstpräsentation, mit fatalen Folgen: »Noch nie war die wirtschaftliche Produktivität so hoch wie heute. Und doch war die gesellschaftliche Armut seit vielen Jahrzehnten nicht mehr so groß wie heute ... Noch nie gab es so viele Ratgeberbücher, TherapeutInnen und »spirituelle« Angebote wie heute. Und doch litten noch nie so viele Menschen an Burnout und Depression …«. Dieses Buch sollte Thema sein im Sozialkundeunterricht aller Schulen.