Jump to ratings and reviews
Rate this book
Rate this book
Menschen verschwinden. Menschen sterben. Heute ist es Alla Kusmin. Erstochen und verstümmelt. Die Leiche der Russin liegt in einer Wohnung in Berlin-Marzahn. Viktor Saizew und Rosa Lopez, ein eigenwilliges Ermittlerteam, werden vom LKA Berlin mit dem Fall betraut. Die beiden stellen Nachforschungen in der Familie der Ermordeten an und geraten in einen Sumpf von Korruption, in dem jeder käuflich ist und in dem selbst die Täter Opfer sind. Die Spur führt nach Russland - aber auch tief in die Vergangenheit der beiden Ermittler.

304 pages, Paperback

First published December 1, 2015

Loading...
Loading...

About the author

Katja Bohnet

15 books

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
3 (23%)
4 stars
5 (38%)
3 stars
3 (23%)
2 stars
2 (15%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for WortGestalt.
255 reviews21 followers
January 2, 2016
Dass man es bei diesem Thriller mit einem sprachlich geschickten Werk zu tun bekommen könnte, ahnt man schon, wenn man sich das kurze Interview mit der Autorin durchliest, das der Verlag vor der Veröffentlichung des Buches auf seiner Homepage online stellte. Die Antworten, die Katja Bohnet auf Fragen wie „Neben der Arbeit als Schriftstellerin – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?“, „Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?“ oder „Was ist ihre Lebensphilosophie?“ gibt, lauten „Privatier. Keine Ahnung, was das ist, aber es klingt gut.“, „Ein lustiges Taschenbuch. Im eigentlichen und übertragenen Sinn.“ und „Ein Leben ohne eine Philosophie scheint mir schon anspruchsvoll genug.“ und lassen Individualismus erkennen. Das bei einem Thriller zu finden, ist nicht mehr leicht, aber genau das hat „Messertanz“, etwas individuelles.

Der Klappentext wird dem Buch dabei kaum gerecht, fast verheimlicht er, dass hier mehr auf den Leser wartet, als die „verstümmelte Leiche“, die dort angepriesen wird. Auch das „eigenwillige Ermittlerteam“ und die Spur in die „Vergangenheit der Ermittler“ klingen erstmal nach Triggerbegriffen, die eben in so einen Thriller-Klappentext gehören, um ihn zu verkaufen. Was ja prinzipiell auch gut ist, dieses Buch sollte dringend gekauft werden. Aber „Messertanz“ ist eindeutig mehr als Stangenware und das kaschiert der Klappentext ein wenig.

Die bereits erwähnte, verstümmelte Leiche, die die Handlung eröffnet, hört auf den Namen Alla Kusmin. Ein russischer Name, wie dem LKA-Ermittler Viktor Saizew gleich auffällt, der mit seiner Kollegin Rosa Lopez den Leichenfundort untersucht. Er wurde selbst in St. Petersburg geboren und ist Anfang der 1990er Jahre mit seiner Großmutter Mila nach Berlin gekommen. Wie viele andere Spätaussiedler verschlug es sie in den Stadtteil Marzahn. Dort liegt nun auch die ermordete Alla Kusmin in ihrer Wohnung. Die Tochter Tonja reagiert wenig bestürzt über die Nachricht des gewaltsamen Ablebens ihrer Mutter. Und noch in der gleichen Nacht wird sie ein weiteres Mal mit blutiger Gewalt konfrontiert, als ein junger Mann, Foma Lassarev, auf der Straße von einem Unbekannten niedergestochen wird. Es soll nicht der letzte Mordversuch in diesem Thriller bleiben. Und dann ist da noch Lew Petrow, ein gutaussehender Geschäftsmann aus Russland, galant, charmant, raffiniert. Regelmäßig pendelt er von Berlin nach St. Petersburg nach Moskau. Er ist wichtig. Er hat zu tun. Er macht große Geschäfte mit wertvollem Gut. Unbezahlbar ist in seiner Welt nichts.

Die Geschichte, die sich daraus entspinnt, hat erfreulich wenig mit einem oberflächlichen Metzelei-Thriller zu tun, sondern birgt die sehr gewandt erzählte Geschichte mehrerer Leben, die sich kreuzen, die sich schneiden, die sich zerstören und sich Schaden zufügen, teilweise unwissend, teilweise kalt kalkuliert. Es ist eine Geschichte, die mehr thematisiert als man auf den ersten Blick ahnt, die tiefer geht in das, was man Familie nennt, die verschiedene Extreme dieses großen Wortes auslotet, die Nuancen und Schattierungen unterschiedlicher Exemplare von Müttern, Vätern, Söhnen und Töchtern, Enkeln, Eltern, Ehepartnern und Geschwistern kontrastiert. Das alles erzählt Katja Bohnet aber ohne Sentimentalität und baut damit eine sehr eindringliche Szenerie auf, in der die Gegensätze kaum größer sein könnten, wenn es darum geht, was Familien Menschen bedeuten und was sie mit ihnen anrichten können, wie groß Liebe, Sehnsucht und Hass sein und wozu sie Menschen treiben können.

Spannend fand ich dabei nicht nur die Erzählstruktur mit dem Wechsel zwischen verschiedenen Handlungssträngen, sondern auch die Zeichnung der Figuren und der Stimmung, die sie transportieren. Ich habe an den Figuren fast eine Art Silhouette aus Empfindungen wahrgenommen, an den Ermittlern Rosa und Viktor, die eine durch eine schwere Schuld fast gebückt, der andere ein Hüne wie Obelix, der ins Wanken gerät und dessen Fall einem Erdbeben für seine Mitmenschen gleichkommt. Das alles produziert zu großen Stücken die starke Erzählstimme der Autorin, eine mehr als tolle Sprache, sehr klar, sehr präzise, ohne ausgediente Dialoge oder aufbauschende Phrasen. Und mit einem Hauch Lakonie, der an manchen Stellen den Ernst der Lage zu entschärfen wusste, der mir die Figuren noch näher brachte und sie glaubwürdig in diesen wirklich kranken und sehr perfiden Plan einpasste, von dem der Täter getrieben wurde. An ein, zwei Stellen muckte mein Kopf kurz auf, wollte sich über ein paar Zufälle zu viel beschweren, aber auch dafür hatte das Buch die passende Antwort bereit: „Es gibt keine Zufälle (…) . Nur Schicksal.“ (Zitat aus "Messertanz", S. 272)

Fazit: „Messertanz“ hat eine arg gut eigenständige Erzählstimme, eine eigenständige Atmosphäre und eigenständige Figuren. Ein Thriller nach Maß. Und ein wirklich perfider Plot! Ich würde lieber gestern als heute den nächsten Roman von Katja Bohnet lesen wollen. Ganz gleich, worum es ginge.

Bewertung: 4,22 Punkte = 4 Sterne
Stil: 4/5 | Idee: 5/5 | Umsetzung: 4/5 | Figuren: 5/5 | Plot-Entwicklung: 4/5
Tempo: 4/5 | Tiefe: 4/5 | Komplexität: 4/5 | Lesespaß: 4/5 = 4,22 Punkte

© http://wortgestalt-buchblog.blogspot.de
Profile Image for dubh.
361 reviews
December 27, 2015
Ein packendes Debüt

Viktor Saizew und Rosa Lopez arbeiten als Ermittlerteam für das Landeskriminalamt Berlin. Beide sind sehr eigenwillig: Lopez leidet unter dem Verlust ihres Sohnes, der vor Jahren von einem Spielplatz spurlos verschwunden ist, und macht sich schwere Selbstvorwürfe deshalb, Viktor kämpft seit kurzem mit einer Krankheit, die ihn im Grunde berufsunfähig macht, und zudem noch mit Dämonen aus seiner Vergangenheit.

Als in Marzahn die Leiche einer Frau gefunden wird, übernimmt Lopez die Ermittlungen. Die Russin Alla Kusmin wurde stark verstümmelt und erstochen in ihrer Wohnung aufgefunden. Seltsam emotionslos nimmt die Tochter der Toten, Tonja Kusmin, die Nachricht entgegen und weigert sich dabei auch noch, am Fundort zu erscheinen. Stattdessen gibt sie ein Konzert in einem Klub, vor dem im Anschluss Foma Lassarev mit einem Messer attackiert wird. Glücklicherweise wird der Zahlenfreak gerettet - von Tonja Kusmin. Bloßer Zufall? Denn schon schnell ist die spezielle Persönlichkeit die Hauptverdächtige im Mordfall Alla Kusmins...

Zugegeben haben mich die unterschiedlichen Handlungsstände anfangs etwas ratlos gemacht - doch die etwas sperrigen Ermittler Lopez und Viktor haben mich sofort fasziniert. Viktor, der trotz der Beurlaubung aufgrund seiner krankheitsbedingten Aussetzer, seiner Partnerin zu Seite steht, ist ein wahrer Bär von einem Mann und mir auf Anhieb sympathisch. Lopez machte auf mich erst einmal einen leicht autistischen Eindruck, aber je weiter ich gelesen habe, desto besser konnte ich ihre innere Auseinandersetzung einerseits verstehen, wollte ihr aber andererseits vor allem auch helfen.
Mit der quirligen, leicht skurrilen und reichlich sprechenden Rechtsmedizinerin Siska Mohn, die ihren Dienst in Berlin gerade aufgenommen hat, kommt frischer Wind in den Personenkreis und die doch verhältnismäßig düstere Szenerie.

Bemerkenswert fand ich jedenfalls, dass die Autorin Katja Bohnet die einzelnen Puzzleteile, die anfangs noch nebeneinander auf dem Tisch liegen, nach und nach gekonnt zusammenfügt. Durch kleinere Details entstand so bei mir der ein oder andere Aha-Effekt. Dafür taucht man immer tiefer in eine Welt voller Korruption, Menschenhandel, Missbrauch und anderen Grausamkeiten. Man begleitet Lopez und Viktor auf ihrer Reise nach Sankt Petersburg und weiter nach Moskau - und gleichzeitig auch immer mehr in ihre eigene Vergangenheit...

"Messertanz" ist ein düsterer Thriller, der sehr gekonnt von Brutalitäten und Parallelwelten erzählt, die wir uns vermutlich nicht annähernd vorstellen können. Das Debüt Katja Bohnets hat mich mit seinen sympathischen Ermittlern plus der erfrischenden Rechtsmedizinerin, einer realistischen wie grausamen Handlung und der dafür gewählten Sprache überzeugt. Die reduzierten Sätze, die in schnellen Bildern eine plausible Geschichte erzählen, hat regelrecht einen Sog entfacht und an der ein oder anderen Stelle manche klare Vorstellung von Gut und Böse verwischt. Dabei gilt es noch zu erwähnen, dass es hier nicht gerade zimperlich von Statten geht - und dennoch schafft es die Autorin, die besonders heftigen Geschehnisse nicht zu detailliert zu beschreiben - was allerdings nicht bedeutet, dass man sie nicht doch im Kopf 'sieht'... Immer wieder haben mich Wendungen und Erkenntnisse überrascht, so dass ich die rund 300 Seiten - trotz einer kleinen Häufung von Zufällen zum Ende hin - als sehr spannend empfunden habe.

Fazit: Eine überzeugendes Debüt, das mich auf weitere Fälle neugierig gemacht hat! Eine klare Empfehlung für Thriller-LeserInnen.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews