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Flaschendrehen oder: der Tag, an dem ich Nena zersägte.

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In seinem neuen Buch verhandelt Jess Jochimsen die merkwürdigen Probleme der twenty-goes-thirties. Seine Geschichten spielen im Niemandsland zwischen angehender Spießigkeit und Rock'n'Roll, irgendwo zwischen Kinderkriegen und nicht erwachsen werden wollen. Er erzählt von der zerstörerischen Schwärmerei für Nena, von der panischen Angst vor Soda-Streamern und vor Karl-Heinz Köpke, von faschistischen Musikinstrumenten, vom alles entscheidenden Fußballspiel gegen die 6b, von der Langeweile und der Liebe, vom Füße-Föhnen und vom Opa, der, nachdem er Bambi im Kino gesehen hatte, ein Reh tot fuhr. Und Flaschendrehen? "Flaschendrehen ist die Fortsetzung der Reise nach Jerusalem mit anderen Mitteln" - und eine Allegorie auf das Leben einer komischen Generation. "Die Pubertät war die Zeit, in der die Eltern anfingen, schwierig zu werden. Und heute - fünfzehn Jahre später - ist es auch nicht viel besser."

220 pages, Paperback

First published October 1, 2002

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Jess Jochimsen

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Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Armin.
1,210 reviews35 followers
May 14, 2014
Mein persönlicher Kandidat für das worst-second-book-ever.

Bislang hat es noch niemand für nötig erachtet, ein paar Worte über diese Resteplatte zu verlieren, es ist auch tatsächlich schwer etwas darüber zu schreiben, sofern es sich nicht auf den Vorgänger oder Nachfolger bezieht.
Die gute Nachricht vorne weg, wer den Sex mit den Mädchen des Dosenmilchtraumas vermisst hat, der kommt hier auf seine Kosten.
Bei der Traumprinzessin Katja kommt der Erzähler nicht weiter als im ersten Teil, zumal das Finale „Don't look back in anger“ offensichtlich vor dem Klassentreffen spielt, das den ersten Teil beschließt, dafür bekommen wir immerhin mit wie Katja in der Stammkneipe ihren Tampon wechselt, ohne vom Tisch aufzustehen. Selbiges bringt ihr einen bösen Kommentar von Astrid ein, ja das böse Nachbarsmädchen „Arschtritt von Hinten“ bekommt den deutlich größeren Part, auch im Sexleben des Heldens, der mit ihr zusammenlebt und die Zeit totvögelt „Stop making Sommerloch“.
Das verfügbare Mädchen B küssen und an dabei an Mädchen A denken, spielt schon beim frühen Flaschendrehen und dem ersten Zungenkuss eine Rolle.
Wenn ich gerecht sein wollte, müsste ich Bell-Boy sogar einen Stern mehr geben, aber der ist ja als Roman gescheitert, während Flaschendrehen eine Pleite auf ganzer Linie ist, die eigentlich eine glatte Null verdient.
„Vom Umarmen war keine Rede gewesen. Wie sollte das auch gehen? Anatomisch gesehen, meine ich. Astrid war zwar kleiner als Nena, aber nicht aus Sperrholz, im Gegenteil dreidimensional mit Brille. Mehr breit als hoch. Nein, das waren keine Brüste, wie Katja Berger sie hatte, das waren Waffen. Und Astrid machte Gebrauch von ihnen. Sie rammte sie mir in die Rippen, dass mir die Luft weg blieb, küssen oder geküsst werden, das war hier die Frage. Sie war die Prinzessin und ich nur ein kleiner impotenter Frosch. Sie hielt mich fest umschlossen und presste ihren offenen Mund gegen den meinen. Von Atemtechnik stand nichts in der Bravo, dachte ich und japste nach Sauerstoff. Astrids Zunge schob sich Zentimeter um Zentimeter vorwärts und suchte nach der meinen. Ich war der Ohnmacht nahe und versuchte gleichzeitig meine Zunge im eigenen Rachen zu verstecken. Doch Astrid kannte keine Gnade. Ich schmeckte Cola, Salzstangen und Odol. Wie zwei Ringkämpfer umwulsteten sich unsere Zungen, kraftvoll unermüdlich den anderen auf die Matte zu werfen. Keuchend, sabbernd, geifernd.
Ich dachte an Katja, an Nena, an meine Mutter, die Sekunden verstrichen, die Minuten, die Stunden, die Tage, die Monate, die Jahre - und endlich ließ Astrid von mir ab.“
Und auch im weiteren Verlauf dieser Beziehung wie in „Wanking the Führer“, in dessen Verlauf der stets ehrliche Erzähler Astrid gesteht,
dass ihn seit einigen einsamen Hotelnächten der Gedanke an den Führer einen Steifen beschert. Die Werbe-Kombination aus Sexhotline-Gestöhne und Führergebrüll für eine Timelife-Dokumentationen über das dritte Reich ist die Ursache für diesen seltsamen Fetisch.
Ja, die nie geliebte, aber oft flach gelegte Astrid muss so manchen Arschtritt in diesem Buch einstecken, etwa wenn der Erzähler Astrid ins Fitness-Studio begleitet: „Wenn früher Zirkeltraining auf dem Plan stand, hattest du drei mal im Monat deine Tage“, lautet sein Fazit in „Semlls like Teufelskreis“.
„heute dürften sie ruhig mal ausbleiben“, lachte Astrid.
Im Café rauchte sie dann ein ganzes Päckchen, aß zwei Stück Torte und gab dem Kellner ihre Handynummer.“

In Sachen schlechter Sex ist Flaschendrehen sicherlich die Vorstufe zum Roman Bellboy, dessen Poetik im Verlagsgespräch „Und morgen schreibe ich einen Roman“ entwickelt wird. Dort wird dem Autor des Dosenmilchtraumas nahe gelegt in Richtung Pop zu gehen und „Stuckrad-Barré. Lebert, Ilies, die Kiste. (...) Denken Sie nur, dass Ihre Erlebnisse generationsmäßig relevant sein müssen. Aber schon ein bisschen individuell. Eine kleine Behinderung wäre nicht schlecht. Ansonsten geht es salopp um die drei großen Fs. Fun-Sport, Ficken, Fernsehen.“
Die Behinderung hat dann ja der Cousin Paul.
Insofern war die Lektüre doch noch irgendwie aufschlussreich, zumindest im Hinblick auf das Gesamtwerk und die Zeiten, in denen Generation-Golf-Bücher wie die Karnickel zusammengerammelt wurden.
Meine kritische Auswahl bringt zumindest den Anschein von Sinn in diese literarische Not- oder Totgeburt, die überwiegend aus Kolumnen besteht, wie z.B. sechs mehr als müßige Seiten über das perfekte Kaffee. Mehrere mit nicht mehr als drei-Zeilen bedruckten Seiten machen mehr als deutlich, dass es sich beim zweiten Wurf von Jess Jochimsen um einen klaren Fall von Bananensaft mit letzter Kraft handelt, um die U-Comix-Mai-Ausgabe von 1986 zu zitieren.
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