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Wiener Gift

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In seinem ersten Krimi, der vielleicht der erste schwule Krimi ist, dessen Handlung in Wien spielt, führt Hannes Sulzenbacher einen außerordentlich sympathischen Helden David Lenz. David, der vornehmlich Bücher über Gärten und Grünpflanzen schreibt, verlagert sein Tätigkeitsfeld und verfasst nun einen Ratgeber über behinderten(un)gerechte Einrichtungen in Wien. Aktueller Anlass hierfür ist sein eigenes Leben im Rollstuhl, das er einem Autounfall zu "verdanken" hat. Als David den "schönsten Mann Wiens" kennenlernt und dieser auch noch Interesse zu haben scheint, ist David völlig aus dem Häuschen. Sollte sein seit dem Unfall andauerndes Zölibat zu guter Letzt ein Ende haben? Doch bevor auch nur mehr als ein paar verliebte Blicke getauscht werden können, ist auf Max, Davids Angebeteten, ein Mordanschlag verübt worden. Während alle darauf warten, dass Max aus seinem Koma erwacht, beginnt die sehr zögerlich seitens der Polizei, umso hektischer dagegen von David betrieben. Wer kommt in Frage, Max die vergifteten Pralinen verabreicht zu haben? Der eifersüchtige Ex-Freund von Max? Der unfreundliche Mitarbeiter aus der Rosa Lila Villa? Oder aber ehemalige Kollegen von Max -- dem einstigen Polizisten --, die sich vor einem ungewollten Outing durch Max fürchten? Die Qualitäten des kurzen und kurzweiligen Krimis liegen weniger in der kriminalistischen Handlung als vielmehr im Lokalkolorit begründet. Sulzenbacher, der mit Schwules Wien. Reiseführer durch die Donaumetropole seine lokalen Kenntnisse der Szene auf unterhaltsame wie informative Art bereits unter Beweis stellte, zeigt auch in seinem Krimi ein Gespür für Schrilles und Amüsantes auf Wiener Art. Der Vergleich mit Grant Michaels Tödliche Trüffel liegt zwar auf der Hand, doch scheint mir der Titel von Sulzenbacher eher ins Metaphorische zu zielen. Ein Erlebnis wird die Lektüre des Krimis nicht unbedingt, weil man wissen will, wer das Gift in die Pralinen spritzte, sondern weil man darauf wartet, welche giftigen Spitzen verbaler Fasson die Kontrahenten einander immer wieder verpassen. --RJ Poole

192 pages, Paperback

First published January 1, 2000

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