Auf der -Hitliste- der aktuellen Themen zur Kinderbetreuung ganz oben steht gegenwartig die Tagespflege. Mit Blick auf ihre meist umstrittene Vergangenheit im Schatten institutioneller Betreuungs angebote haben sich die Rahmenbedingungen und die Ausgangslage drastisch verandert. Motor dieser Veranderung ist die steigende Nachfrage nach offentlicher Kinderbetreuung ebenso wie eine gesellschaftspolitische Neubewertung dieser Angebotsform. Erstmals in der Geschichte Westdeutschlands macht eine Regie rung Vorgaben fur den Ausbau der Betreuungsangebote fur Kinder unter drei Jahren und bricht ein hartnackiges gesellschaftliches Tabu, demzufolge Kleinstkinder allein durch die Mutter zu betreuen sind. Trotz heftiger Angriffe von verschiedenen Seiten und prognos tizierter Finanzierungsprobleme bleiben die politisch Verantwort lichen auf der Basis eines breiten fachlichen Konsenses bei ihrem Vorhaben, einen qualitatsorientierten Ausbau voranzutreiben. Die Reichweite dieses Paradigmenwechsels wird im Ruckblick auf die Folgen einer lang anhaltenden Familienpolitik in der ehema ligen Bundesrepublik deutlich, die dem Ausbau institutioneller Angebote fur die unter Dreijahrigen mit grosser Skepsis und Zuruckhaltung begegnete. Dadurch wurde gleichzeitig - wenn auch ungewollt - der Boden fur die weitgehend ungeregelten Betreuungs formen einer -Tagespflege- in der Grauzone des Arbeitsmarktes bereitet. Die Beendigung des Nischendaseins ruckt Starken, aber auch Schwachen der Tagespflege in den Mittelpunkt der offentlichen Dis kussion. Der Massstab fur die zukunftige Gestaltung ist anspruchs voll: Die Betreuungsbedarfe der Eltern, die Qualitatsstandards fur eine forderliche Betreuung der Kinder sowie die okonomischen Interessenlagen der Anbieterinnen sollen gleichermassen in ein finan zierbares, fachlich qualifiziertes und nachhaltiges Zukunftskonzept einfliessen."