What do you think?
Rate this book


Das Opfer ist ein FBI-Agent, der in einem Transvestiten-Nachtclub skalpiert wird. Er kommt mit dem Leben davon, aber bei der Täterbeschreibung hat er ein Problem: War es eine Frau oder ein Mann, die/der ihm die Haut vom Kopf gezogen hat? Thor Voelcker, ein schwarzer Polizist, wird mit den Ermittlungen beauftragt. Seine Quellen sind eine transsexuelle Ethnologin vom Stamm der Sequoyah, die ihm die Ritualkultur der Indianer näherbringt, und eine Drag Queen mit Latino-Herkunft. Schon hat man die bizarre Dreieckskonstellation, die diesen Roman strukturiert, ein dreieckiges Verwirrspiel Mann/Frau zwischen den Informanten und einem Detektiv, der sich bei seinen Undercover-Recherchen als Journalist ausgibt.
Roes' Roman ist ziemlich kompliziert. Whodunnit? Die klassische Krimifrage bleibt so unentscheidbar wie das Spiel der Geschlechter, das sich durch den Roman zieht. Liebhaber klassischer Entlarvungsliteratur werden möglicherweise enttäuscht sein. Viel eher als von der Suche nach dem Attentäter handelt sein Buch vom Rassismus, von sexuellen Vorurteilen und moralischer Korruption in einer Vielvölkergesellschaft. New Leyden heißt der Moloch, in dem sich alles zuträgt, aber Roes macht aus der Anspielung auf New York keinen Hehl. Die neuen Leiden der Identität in Amerika sind die alten, der clash der Kulturen: weiß, schwarz, gelb, rot, männlich, weiblich.
Michael Roes weiß viel, und seinem Ethno-Triller merkt man das an. Was mir davon bleibt ist ein voller Notizzettel, der die Navigation durch das Buch erleichtert hat, vertiefte Kenntnisse der Geschichte und Praxis des Skalpierens und die Atemlosigkeit angesichts grandios erzählter Passagen. Und ich weiß jetzt, was Berdache bedeutet. Verraten wird das hier nicht. Lesen Sie nach, es könnte sich lohnen! --Nikolaus Stemmer
491 pages, Hardcover
Published January 1, 1999