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Viel ist über das Massaker am Gutenberg-Gymnasium geschrieben worden in den Wochen und Monaten nach diesem schwärzesten Freitag der jüngeren Erfurter Stadtgeschichte. Viele Fragen sind gleichwohl offen geblieben. Die nach den Umständen des Polizeieinsatzes etwa. Danach, wie es dem Täter möglich sein konnte, über eine halbe Stunde unbehelligt in der Schule zu wüten und ungehindert ein immer größeres Blutbad anzurichten. Vor allem aber: Welche Umstände haben es vermocht, scheinbar alles Menschliche in Robert Steinhäuser so restlos auszulöschen, bis nichts als dieser grenzenlose Hass in ihm übrig blieb, ohne den eine solche Tat nicht möglich ist?
Vor allem diese letzte Frage scheint es zu sein, die die ehemalige DDR-Leistungssportlerin und studierte Germanistin Ines Geipel umgetrieben hat. Doch während der Lektüre ihres Buches beschleicht einen bisweilen das Gefühl, dass das Buch vielleicht weniger um der Klärung dieser Frage willen geschrieben worden sein könnte, als vielmehr deshalb, weil die Überzeugungen und Mutmaßungen, die die Autorin schon seit langem über das Böse in der ehemaligen DDR mit sich herumtrug, sich zu Antworten auf diese Frage ummünzen ließen.
Zweifel daran, ob Für heute reicht's direkt einen nennenswerten Beitrag zur Klärung der vielen offenen Fragen leisten kann, erscheinen aber auch wegen der gewählten Form einer "literarischen Dokumentation" angebracht, als die Ines Geipel ihr Buch bezeichnet hat. Anlass für heftige Diskussionen aber bietet es in jedem Fall und fördert so am Ende vielleicht indirekt doch noch Antworten auf manche Fragen zutage. Weshalb sollte man ausgerechnet von den Recherchen Ines Geipels mehr erwarten? --Hasso Greb
252 pages, Hardcover
First published January 31, 2004