Charlotte Kubitschek ist 34 und glaubt nicht an die Liebe. Sie braucht keinen Mann für alle Lebenslagen, sondern nur für die eine, die man im Bett einnimmt. Wenn sie die Männer morgens in Boxershorts aus ihrer Berliner Wohnung schiebt, fühlt sich ihre 94-jährige Nachbarin Elise bestätigt: »Dat Frollein Kubitschek hat keen Charakter.« Charlotte hingegen nennt die meckernde Alte nur „die fiese Elise“. Als das Haus luxussaniert werden soll, müssen sich die beiden Streithähne zusammenraufen, um sich gegen ihren Vermieter zu verbünden. Schon bald bemerken sie, dass sie nicht nur die Liebe zum Swing teilen, sondern Elise verrät Charlotte auch ein Geheimnis, das ihr Leben für immer verändert.
LESETIPP FÜR - Leser, die keine Liebesgeschichte wollen, sondern einen unterhaltsamen Roman mit spritzigen Dialogen und interessanten Figuren mögen. Hier geht es nämlich eher um zwei Figuren, die sich anfreunden, um ein marodes Haus und eine winzige Liebe am Rande.
Inhalt Charlotte Kubitschek hat der Liebe abgeschworen. Zwar hat sie hier und da immer mal wieder abwechselnde Männerbekanntschaften, doch diese dürfen nur in ihr Bett und nicht in ihr Herz. Charlotte scheint sich mit ihrem Leben wie es derzeit läuft abgefunden zu haben, doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Das Haus in dem sie, "die fiese Elise" und Juri wohnen, soll nämlich verkauft werden, doch die damit verbundene "Rauswerfaktion" ihres Vermieters können sich die Drei einfach nicht bieten lassen. Sie schließen sich zusammen, kämpfen um das Haus und Charlotte bemerkt irgendwann, dass ihr vor allem der Kontakt mit ihrer eigentlich verhassten Nachbarin sehr gut tut. Wird sie diese vielleicht wieder auf die richtige Spur bringen? Und werden sie das Haus halten können?
Meine Meinung Anna Stein erzählt uns die Geschichte über Fräulein Kubitschek aus drei verschiedenen Perspektiven. Zum Einen kommt natürlich die Protagonistin selbst zu Wort, aber auch Elise und Juri zeigen uns, was sie erlebt haben. Dabei bedienen sie sich der auktorialen Erzählweise. Die Kapitel des Buches haben allesamt ziemlich witzige Zwischenüberschriften, bei denen ich mir im Vorfeld schon immer überlegt habe, was es wohl damit auf sich hat und in wie weit diese mit den folgenden Geschehnissen in Verbindung stehen. Das hat mir sehr gefallen. Leider habe ich mal wieder eine Zeit gebraucht um überhaupt in die Geschichte zu finden. Ich muss bedauerlicher Weise zugeben, dass ich mit Charlotte zu Anfang so überhaupt nichts anfangen konnte. Ihre Einstellung und auch ihr Charakter haben mir so gar nicht gefallen. Über ihre Taten möchte ich jetzt gar nicht sprechen, denn auch diese haben mir ein paar Bauchschmerzen bereitet. Charlotte kam mir auf den ersten Seiten ziemlich kaltherzig vor. Sie will mit dem Kopf durch die Wand und zieht ihr Ding ohne Rücksicht auf Verluste durch. Wie sie auf ihre Mitmenschen zugeht und diese behandelt konnte ich einfach nicht tolerieren. Aber sie sollte mich noch überraschen...
»Im Glück nicht jubeln, im Sturm nicht klagen, das Unvermeidliche mit Würde tragen.« Zitat von einem Bild aus: "Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe"
Die ersten Seiten fand ich eher ein bisschen langweilig, doch dann zog Anna Stein das Tempo ziemlich stark an. Ich fühlte mich plötzlich wohl, habe viel gelacht, wenn Oma Elise mal wieder mit ihrem Berliner Akzent gesprochen hat und auch Charlotte kam mir immer näher, denn nach und nach erfährt man als Leser, warum die Protagonistin überhaupt so kaltherzig geworden ist. Ab diesem Punkt musste ich meine Meinung über sie revidieren und sie hat mir Leid getan. Ich hatte Verständnis und konnte plötzlich nachvollziehen, warum sie so geworden ist. Das hat die Autorin wirklich ausgezeichnet gemacht. Dem Leser ein völlig falsches Bild der Protagonistin zu verschaffen, um schließlich nach und nach die Wahrheit ans Licht kommen zu lassen. Aber nicht nur dies hat mich begeistern können, sondern die Entwicklung der einzelnen Charaktere an sich. Oma Elise hat ein ordentliches Päckchen zu tragen, ebenso wie Juri, der die Hinterlassenschaft seines Vaters unbedingt, mit Erfolg, weiter führen möchte. Es ist lustig zu lesen, was das Trio alles unternimmt um das Haus zu halten und auch, was den Dreien in ihrer Mission alles passiert. Die Geschichte von Elise ging mir sehr zu Herzen. Auch das Schicksal welches Charlotte ereilt hatte, hat mir kurzzeitig Tränen in die Augen getrieben. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, aber diese Geschichte hat mich sehr berührt und auch nachdenklich gestimmt. Sie erzählt so viel mehr als nur davon, dass die Protagonistin keine Lust mehr auf die Liebe hat. Sie sprüht vor Witz, bietet jede Menge Denkanstöße und zeigt, dass es niemals zu spät ist. Ja, ich würde sogar sagen, dass sie dem Leser einen Funken Hoffnung gibt, dass das Leben vielleicht doch nicht so aussichtslos ist, wie es gerade scheint und dass man mit Hilfe von Freunden alles schaffen kann.
Fazit: Der Titel lässt es nicht erahnen, doch Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe ist ein berührendes Buch, welches viel Stoff zum Nachdenken bietet. Die Entwicklung der Charaktere ist außerordentlich gut beschrieben und auch der Plot an sich hat mir sehr gut gefallen. Für mich ist dieses Buch sehr empfehlenswert und lässt sich Dank des herausragend guten Schreibstils der Autorin auch ziemlich flüssig und schnell weg lesen. Hätte es nicht so lange gedauert, bis ich richtig in der Geschichte drin war, gäbe es von mir die volle Punktzahl, aber so muss ich leider eine Blume abziehen.
Charlotte Kubitschek und Elise Buffke sind echte Streithähne, die sich verbal nichts schenken. Doch als "Fettarsch" Sattkowski, Vermieter der Kehrbachstraße 5, plötzlich auf der Matte steht und den Damen zu verstehen gibt, das sie besser ausziehen, da das Haus luxussaniert und verkauft werden soll, sind sie sich einig: Sie müssen zusammenarbeiten um den Plan des Vermieters zu vereiteln.
Je mehr Zeit die "fiese Elise" und "die freche Göre" miteinander beim Schmieden von "varrickten" Plänen verbringen, desto mehr wachsen sie zusammen. Sie entdecken nicht nur ihre gemeinsame Liebe zum Swing, sondern gewähren sich gegenseitig Einblicke in ihr tiefstes Inneres...
Meinung: Meiner Vorliebe für Geschichten hinter langen, skurrilen Buchtiteln und auffälligen Cover habe ich dieses Debüt von Anna Stein zu verdanken, denn schon beim ersten Entdecken in der Knaur-Verlagsvorschau und dem Lesen des Klappentextes war mir klar, das ich dieses Buch unbedingt lesen muss.
Einmal angefangen wollte ich dann auch tatsächlich nicht mehr aufhören, denn obwohl das Buch nur 272 Seiten hat, schafft Anna Stein hier ein überraschend komplexes und unterhaltsames Werk. Ihr Schreibstil ist leicht und angenehm, spannend und auch emotional. Sie rüttelt mit ihren Worten eine Vielzahl an Gefühlen in mir auf und ließ mich am Ende sogar das ein oder andere Tränchen verdrücken. Besonders gut gefallen hat mir Elises Berliner Schnauze, die auch ernste Dialoge immer wieder ein bisschen auflockerte.
Die Handlung ist ein buntes Potpourri verschiedener Themen. Zunächst geht es nur um den Erhalt des Wohnhauses, für den sich die letzten drei Bewohner Charlotte, Elise und Juri zusammentun müssen. Das ist gar nicht so einfach, wo sich die beiden Damen doch so gar nicht riechen können. Juri, Betreiber eines kleinen Ladens in der Kehrbachstraße 5, versucht zwischen den beiden zu vermitteln. Bei ihren allabendlichen Planungstreffen zur Verhinderung der Sanierung wachsen die drei immer mehr zusammen.
Elise öffnet sich irgendwann, erzählt von ihrer bewegten Jugend während des Krieges und gesteht, das sie sich schon seit vielen Jahren sehr einsam fühlt. Auch Charlotte fühlt sich irgendwie einsam, ihr Job an der Supermarktkasse, bei dem sie regelmäßig Männer für gewisse Stunden aufgabelt, kann nicht die Erfüllung sein und die Liebe macht ihr Angst. Zu viel Schmerz hat sie in ihrer Vergangenheit deshalb schon erdulden müssen, weshalb sie Gefühle erst gar nicht mehr zulassen möchte. Allerdings ändert sich das als Vermieter Sattkowski einen französischen Assistenten anschleppt. Zunächst trifft sich Charlotte nur mit Arthur um ihn über die Sanierungspläne auszuhorchen, doch irgendwann kommen doch Gefühle ins Spiel.
Ob es den drei "Neu-Freunden" gelingt Sattkowskis Pläne für die Kehrbachstraße zu vereiteln, ob aus Arthur und Charlotte was werden kann, was es mit Elises nächtlichen Streifzügen auf sich hat und was genau ein Überfall auf den Supermarkt mit der Geschichte zu tun hat ? Das lest ihr am besten selbst nach :)
Wie auch schon die Handlung, so sind auch die Charaktere sehr vielschichtig ausgearbeitet. So offenbart die "fiese Elise" zum Beispiel eine melancholische und zarte Seite. Ganz nach dem Motto "Harte Schale, weicher Kern" und hinter Charlottes zynischer, distanzierter Art verstecken sich Trauer und Verlustängste. Mit jeder Seite die man liest, wachsen die beiden Damen, sowie all die Nebencharaktere,mir als Leserin mehr ans Herz.
Das Ende ist weitestgehend rund, auch wenn ich mir hier definitiv noch einen Epilog gewünscht hätte.
Fazit: Mit "Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe" gelingt Anna Stein ein unterhaltsames und überraschend vielschichtiges, nachdenklich stimmendes Debüt, das von der ersten bis zur letzten Seite Freude macht.
Das Frl. Kubitschek hat der Liebe abgeschworen. Um zu beweisen, dass sie nur Lug und Trug ist, nutzt sie ihren Kassiererinnenscharfsinn und verführt mit viel List und Scharfsinn verheiratete Männer, die sie nach einer Nacht wieder fallen lässt. Ihre eigene Art ihre Vermutung, dass Liebe und Treue nur Humbug sind, zu bestätigen.
Elise Buffke ist 94 Jahre alt. Ihr Herz ist schon lange zu Eis gefroren. Seit sie ihre große Liebe verloren hat, ist sie lediglich zum schönen Giovanni, dem jungen Kellner ihrer Stammkneipe nett. Alle anderen bekommen nur ihre verbitterte Seite zu sehen. Ganz besonders Charlotte Kubitschek. Denn mit der kann sich die "fiese Elise" immer gute Wortgefechte liefern. Und sowieso ist das junge Ding ziemlich frech und ungezogen.
Als die beiden ungleichen Frauen Opfer der Geldgier ihres Vermieters werden, scheint die einzige Möglichkeit einer Mietkündigung zu entgehen darin zu bestehen, sich zusammenzuschließen und gemeinsam gegen den Vermieter anzukämpfen. "Einer für Alle und Alle für Einen" soll ihr Schlachtruf sein. Ob dieser umzusetzen ist, bleibt fraglich.
"Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe" ist eine humorvolle Geschichte, die mit zwei großartigen Protagonistinnen und einem rotzig, schnoddrigen Erzählton den Leser für sich gewinnen kann. Mir hat es ganz besonders Elise Buffke angetan. Sie ist nicht nur eine Frau mit einer Geschichte, die sehr anrührend ist, sondern vor allem ein Charakterweib. Sie sagt, was sie denkt und ist wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Ihre Sprüche sind nichts, was neu erfunden wurde, bringen mich aber trotzdem zum Lachen, weil sie einfach so herrlich zu ihr passen. Als Feindin würde ich sie keinesfalls haben wollen. Als Lesebegleitung ist sie eine Wucht!
Auf den ersten Blick scheinen die beiden Frauen sehr unterschiedlich. Im Herzen sind sie sich jedoch näher, als sie glauben. Diese Annäherung der beiden charakterlich sehr starken Frauen, hat mir große Freude bereitet und hat für mich das Thema Liebe eher in den Hintergrund gerückt, was ich keinesfalls als störend empfunden habe.
Ein Kritikpunkt ist, dass ich stellenweise das Gefühl hatte, als wäre die Geschichte eine gekürzte Lesung. Gedankengänge, die von der Autorin sicherlich gut durchdacht sind, auf dem Papier - aus welchen Gründen weiß ich nicht - aber eher beschnitten wirken.
Das Lesevergnügen wird dadurch nur geringfügig geschmälert, denn der Roman lebt von seinen wunderbaren, sehr charakterstarken weiblichen Hauptfiguren.