Hier wird gefragt nach dem Verhältnis des einzelnen zum Allgemeinen: des Staatsbürgers zum Staat ebenso wie des Kochenden zu den Rezepten, aber auch des Schülers zum Lehrer, des Liebenden zum Geliebten, des Vaters zum Kind. In all diesen alltäglichen Beziehungen, die das Einsamste und Privateste zugleich umfassen, stecken Modelle für ein Verständnis jener Welt, in der wir auf mannigfache Art leben. Ihnen entgegen stehen erstarrte Bilder, Denkschemata und wiederkehrende Zeichen, den Menschen umstellende Formen, die unsere Lebens- und Erfahrungsmöglichkeiten einengen. Sosehr sie uns unfrei machen, so sehr gibt der Einblick in das Wesen ihrer Macht Gelegenheit, die beengende Identität wenigstens für den Augenblick der Erkenntnis abzustreifen. Mit seinen drei Gedichtbänden hat sich Alfred Kolleritsch als einer der bedeutendsten Lyriker der Gegenwartsliteratur etabliert. Darüber trat offensichtlich in den Hintergrund, daß Kolleritsch zugleich einer der originellsten und tiefsinnigsten Prosaschriftsteller ist. Eben darauf will der vorliegende Band nachdrücklich verweisen. In ihm ist gesammelt, was in den letzten zehn Jahren verstreut publiziert wurde, erweitert durch neue und bislang unveröffentlichte Texte.