Michael Daxner, Jan Free, Thorsten Bonacker und Christoph Zürcher Durch das Ende der Blockkonfrontation hat die etwas diffuse internationale - meinschaft eine größere Handlungsfreiheit erhalten. Einerseits wenden die Akt- re der internationalen Politik häu ger militärische Gewalt an, um lokale Kon ikte zu entschärfen oder zu beenden. Andererseits endet heute der Handlungsauftrag der internationalen Gemeinschaft nicht mehr damit, dass in der Kon iktregion ein Waffenstillstand herbeigeführt und durchgesetzt wird. Vielmehr soll das E- mischen der internationalen Akteure die sozialen und politischen Strukturen am Ort des Einsatzes derart verändern, dass nicht erneut Gewalt ausbricht. Kurzum: Vor 1989 sollten Kon ikte solange eingefroren werden, bis sich die streitenden Parteien einigten, nach 1989 soll nicht nur der Kon ikt beendet, sondern auch gleich die Streitenden ausgetauscht werden. Statt um Peace-Keeping und Peace- Enforcement geht es heute um multidimensionales Peace-Building, um State- und Nation-Building: Neue Staaten mit neuen Formen der sozialen Organisation sollen an Stelle der alten treten, weil angenommen wird, dass diese alten Formen derart 1 mangelhaft waren, dass sie aus sich heraus Kon ikte und Leid hervorbringen. Dass diese neuen Ordnungsmuster zumindest dem Anspruch nach dem west- chen Vorbild folgen, entspricht den bisherigen Erfahrungen mit erzwungener oder freiwilliger Globalisierung (Meyer, 2005; s. auch Conrad Schetters Beitrag im vorliegenden Band) und sollte deswegen nicht überraschen. Ob diese neue Dimension der internationalen Einmischung legitim ist oder nicht, wollen wir in diesem Sammelband nicht diskutieren – dieser Frage haben sich bereits andere Autoren gewidmet (bspw.