Nur Deutschland kann die Eurozone retten, weil nur über Lohnerhöhungen hier die Lücke in der Wettbewerbsfähigkeit geschlossen werden kann, ohne Europa noch tiefer in Depression und Deflation zu treiben. Begreift Deutschland nicht, dass es sich selbst ändern muss, ist das Schicksal des gemeinsamen Geldes besiegelt. Deutschland kommt seit einigen Jahren in Europa eine enorme Macht zu. Eine Macht, die vor allem durch Lohnsenkungen im eigenen Land erkauft wurde und die letztlich zu der großen Krise des Euro führte, die auch heute nicht überwunden ist. Sparpolitik und Lohnkürzungen, die den Schuldnerländern vom Gläubigerland Deutschland aufgezwungen wurde, haben in ganz Südeuropa und insbesondere in Griechenland eine große Rezession ausgelöst und die Idee eines gemeinsamen »europäischen Projekts« ausgelöscht. Angesichts des deutschen Widerstandes gegen jede Änderung des Kurses sowie der nationalistischen Gefahren, die diese Haltung in vielen europäischen Ländern provoziert, dürfen die Warnungen von Flassbeck und Lapavitsas nicht ignoriert werden.
Nur Deutschland kann den Euro retten - eine kleine Zeitreise ins Jahr 2015. Doch auch heute ist das Buch nicht weniger aktuell, wenn man die Hintergründe der Entscheidungen der Währungsunion verstehen will. Klar ist - einige wenige mächtige Staaten, allen voran Deutschland, nutzen ihre Position in der Wirtschaftspolitik zum massiven Nachteil vor allem südlicher Staaten aus. Geleitet von den Ansätzen schlechter Ökonomen scheint die Devise nicht humanitäre Hilfe und Fortschritt in allen Ländern, sondern kapitalistische Bereicherung zu sein. Und genau das erklärt, warum grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge bewusst ignoriert werden. 4,5*