Als Lemmy Kilmister am 28. Dezember 2015 starb und sein Teamkollege Mikkey Dee einen Tag später das Ende der Band erklärte, brach für die Fans eine Welt zusammen. Vierzig Jahre sorgte Lemmy, der berühmteste und wichtigste Repräsentant des Heavy Metal, dessen Karriere damit begann, dass er bei Jimi Hendrix die Marshalls aus dem Transporter schleppte, mit seinem martialischen Rock ’n’ Roll in der Musikszene für taube Ohren. Noch posthum nimmt sein Ruhm immer weiter zu. Nun werden die Archive geplündert, und jedes Konzert wird für die unersättlichen Motörhead-Addicts auf Vinyl gepresst, auch bei feministischen Musikerinnen hat er eine beachtliche Reputation erlangt. Frank Schäfer, Motörhead-Fan der ersten Stunde erzählt die Geschichte.
Vorab: Es ist mein erstes Buch über Motörhead/Lemmy Kilmister und ich habe geringe Vorkenntnisse über Band und Gründer, zudem kannte ich nur eine handvoll Songs, bin aber dem Musikgenre Metal zugeneigt (auch wenn Lemmy sagen würde, Motörhead seien RnR).
Was das Buch geleistet hat: Mir einen Überblick über die Bandgeschichte gegeben und Alben und Songs hervorgehoben, bei denen sich das Reinhören lohnt - natürlich zu 90% Motörhead, aber auch ein paar andere Bands und Songs, die im Kontext erwähnt werden. Soweit, so schön.
Was ich kritisiere, daher auch nur 3/5 Sternen: Mich langweilten beim Lesen die dutzendfachen Ausführungen, wann wo wie getourt wurde, ob jetzt vor Weihnachten noch mal in Deutschland oder nicht, wann es 4 Konzerte in Japan gab, dass es mal wieder auf die Insel ging etc. Das ist für Hardcore-Fans vielleicht interessant und ja, manchmal im Kontext wichtig, aber m.E. nicht in diesem Detail. Ich sehe da keinen Mehrwert. Eigentlich wird von Bandgründung bis Bandende jedes Jahr durchgegangen und eben in jedem Jahr erzählt, wo getourt wurde, welche Platten auf den Markt kamen und aus diesen dann div. Songs besprochen und teils Lyrics ausschnittsweise abgedruckt und eingeordnet/interpretiert. Auch das ist auf Dauer leicht ermüdend, zumal der Stil, in dem diese Platten besprochen werden, mir zu sehr "gewollt" und gestelzt wirkt. Viel interessanter wären noch mehr Details zu den beteiligten Bandmitgliedern gewesen. Dinge wie Lemmys "1000 Frauen", mit denen er was gehabt habe, werden beiläufig erwähnt, während er als "eigentlich ja Feminist" dargestellt wird, weil er Frauen im Rockbusiness immer gleichberechtigt wahrgenommen hat. Da lohnt doch ein tieferer Blick ob des potenziell größeren Widerspruchs, der sich hier auftut? Auch die Zusammenarbeit der Bandmitglieder, über den Globus verteilt lebend, wäre interessant; oder was das ständige Touren mit dem Familiengefüge gemacht hat. Alkohol- und Drogenmissbrauch wird auch nur angeschnitten.
Mir ist das alles zu viel "Albenbesprechung" und "Tourerzählung" und zu wenig Deep Dive in die Band. Albenrezensionen und Touren kann ich auch so nachlesen, dafür benötige ich kein Buch. Schade.
Ein kurzweiliger Abriss über den Werdegang Lemmys und seiner Band. Als eingefleischter Fan habe ich das Buch an einem Tag verschlungen. Frank Schäfer war mir bereits ein Begriff, und ich habe schon mehrere seiner Bücher angefangen – allerdings nie zu Ende gebracht. Das lag nicht an ihm; das werde ich bald nachholen. Wie dem auch sei: Dieses Buch lege ich jedem Motörhead-Fan ans Herz. Schäfer schafft es, dass man tatsächlich meint, selbst Teil dieser Achterbahnfahrt zu sein. Es geht auf und ab, nimmt irgendwann richtig Fahrt auf und lässt einen kaum noch los. Natürlich kann das nicht ewig so weitergehen. Gegen Ende wird man müde, möchte aber – ganz wie Lemmy selbst – trotzdem nicht loslassen. Trotz aller Müdigkeit und Schwermut. Und dann? Dann endet es einfach. Einfach so. ___________________________________ 5 Sterne sind mehr als gerechtfertigt.