November 1989, die Mauer fällt, und fünf junge Menschen rasen im klapprigen Audi nach Berlin, um Geschichte zu erleben. Lanfermanns posthum erscheinender Roman fängt das Lebensgefühl einer ganzen Generation ein – mit all der Euphorie, den Hoffnungen und ersten Rissen im Traum von der Einheit.
»Wahnsinn«, sagt ein Typ mit Walkman, während Dauerwellen, Jeansjacken, Babys, die über Zäune gereicht werden, über den Bildschirm flimmern. Es ist 1989, die Mauer fällt, und in Elizas Studentenwohnheim in der nordfriesischen Stadt ist heller Aufruhr. Es hupt, unten hält ein klappriger Audi. Jo, sein schweigsamer Freund Thies und Ava mit rotem Tuch in den kurzen blonden Haaren winken. "Ich komme!", ruft Eliza. "Wo geht's denn hin?", fragt einer und grinst schief. "Na, nach Berlin." Im Fieber der Zeit, wo Altes niedergerissen wird und etwas Neues anfängt, finden Eliza, Ava, Maria, Jo und Thies zusammen – zum ersten Mal fühlt sich Eliza als Teil von etwas. Doch so wie die Utopie der Einheit schnell die ersten Risse zeigt, rutscht Ava, das schillernde Zentrum ihrer Freundschaft, immer tiefer in eine Krise. Jo ist überfordert, Thies mit seiner heimlichen Liebe zu Eli beschäftigt und Eli selbst stellt zunehmend infrage, was als »normal« gilt.
Mit wachem Blick und warmem Humor erzählt Mechthild Lanfermann von einer Zeit, in der noch alles möglich schien, von einem soeben wiedervereinten Land, einer aufkeimenden Freundschaft und der Erkenntnis, wie das, was uns letztlich ausmacht, immer auch das Flüchtigste ist. Ein berührender Roman über Freundschaft, Verlust und den Glauben an Neuanfänge – und darüber, wie die 1990er Jahre eine Generation geprägt haben.
»Ein zutiefst warmer, witziger und kluger Roman über Freundschaft und über die Erkenntnis, wie flüchtig das ist, was uns letztlich ausmacht.« Gesa Ufer, Deutschlandfunk
»Wahnsinnszeit trifft einen unerwartet. Weil eine Freundschaft wie diese heartbreaking ist. Weil Mechthild Lanfermann mitreißend über eine Zeit schreibt, die die Weichen für unser Heute stellt.« Annegret Liepold
Mechthild Lanfermann wurde 1969 in Niedersachsen geboren. Sie studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik, Philosophie und Journalistik in Bochum, Köln, Paris, Salt Lake City und Hannover. Nach dem Studium arbeitete sie als Reporterin und Redakteurin beim WDR, bei Radio Bremen, beim RBB und bei Deutschlandradio Kultur. Als Dozentin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover lehrt sie seit kurzem Hörfunk. »Wer im Trüben fischt« ist ihr erster Roman.
Mechthild Lanfermann lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Berlin.
Es ist der November 1989 und auf einmal ist die Mauer offen. Die Bilder im Fernsehen sind beinahe nicht zu glauben. Die Studienfreunde Jo, Thies, Ava und Eliza wollen sich auf den Weg nach Berlin machen. In Jos altem Audi. Dass stellt sich zwar als schwieriger heraus als geahnt, aber sie haben eine coole Zeit. Eliza hat mit dem Studium gerade erst angefangen. Von Ava sind alle fasziniert und Thies ist so ein stiller Typ. Maria ist unsicher, ob sie sich den Erwartungen der Eltern fügen soll oder ob sie sich zu ihrer Freundin bekennt.
Während des Studiums begegnen sich häufig Menschen, die sich im Aufbruch befinden. Sie haben ähnliche Interessen und Einstellungen und so ein einschneidendes Ereignis wie die Maueröffnung schweißt zusätzlich zusammen. Bald jedoch merken die Freunde, dass Ava sich anders verhält als sonst. Ihre schillernde Persönlichkeit bekommt irgendwie etwas überdrehtes. Eliza, deren Vater englischer Soldat ist, hat schon deshalb eine besondere Kindheit erlebt. Für sie bedeutet das Studium und ihre neuen Freunde besonders viel. Auch nach der Grenzöffnung geht das Leben weiter. Das Unerwartete wird zum Normalen, die große Freude flaut ab. Und die Freunde merken, dass sich für ihr persönliches Leben erstmal nicht so viel tut.
Wenn man sich selbst an die Zeit erinnert, dann ist da sicher dieses ungläubige Staunen präsent. Schließlich hätte man nie damit gerechnet, dass sich diese Grenzen jemals öffnen würden. Es war ein Freudentaumel, in dem die Besuche hin und her gingen. Leider ist davon nicht viel übrig. Dennoch erinnert man sich an diese tolle Zeit des Aufbruchs, wo man dachte, die Welt wäre besser geworden. Dieses zu spüren, hat man vielleicht auch von diesem Roman erwünscht. Doch bleibt dieser dicht bei den handelnden Personen. Es geht um den Verlauf ihrer Studienzeit, ihre persönliche Entwicklung. Wie im richtigen Leben gibt es negative und positive Entwicklungen. Einfach das Erleben der frühen Neunziger. Aus dem Titel heraus hat man wohl etwas anders erwartet, eben eine Wahnsinnszeit und nicht eine Beschreibung vom normalen auf und ab. Das ist auf eine andere Art auch lesenswert.
Wahnsinnszeit ist ein raffiniert gemachter Roman der Schriftstellerin Mechthild Lanfermann. Er spielt in der Wendezeit und zeigt die Emotionen einiger Studenten aus dem Westen. Die Zeit war ja wirklich eine Wahnsinnszeit. Da änderte sich viel auch für unsere 5 Freunde. Der Roman liest sich wie ein Bericht von Eliza über ihre Freundin Ava. Ava ist psychisch krank, aber Eliza wollte sie immer wieder beschützen, was ihr fast schlecht ergeht. Der Roman ist einmalig gut und fesselnd. Ich kann ihn nur empfehlen.
Inhalt: Der Roman handelt von der Zeit nach dem Mauerfall und verfolgt Eliza, eine junge Studentin aus dem Westen, sowie ihre Freunde über mehrere Jahre hinweg auf den Auf und Abs ihres Lebens.
Meine Meinung: Der Roman fängt das Lebensgefühl zur Zeit der Wende mit viel Präzision und Fingerspitzengefühl ein - die Euphorie, die scheinbar schier endlosen Möglichkeiten, die Aufbruchsstimmung, aber auch die Unsicherheit und die Ungewissheit. Diese verschiedenen Emotionen spiegeln sich im Leben der jungen Erwachsenen, die ebenfalls an einem Scheidepunkt in ihrem Leben stehen und in ihr noch ungewisses Erwachsenenleben mit gefühlt endlosen Möglichkeiten starten und auf der Suche nach sich selbst sind. Der Autorin fängt diese Atmosphäre auf wundervolle Art und Weise und mit einem klugen Blick ein. Mein Interesse war von der ersten Seite an geweckt und ich habe mich schnell in die Geschichte eingefunden. Der Roman konnte mich auch durchweg in seinen Bann ziehen. Die Charaktere und ihre Beziehungen wirken sehr authentisch. Gerade auch die zwischenmenschlichen Nuancen sind sehr gut eingefangen. In den vielen, teils widersprüchlichen Gefühle, die man als junger Erwachsener erlebt, habe ich mich auch sehr gut wiedererkannt. Die Themen des Romans sind spannend und vielseitig - vor allem voran natürlich die Zeit der Wiedervereinigung, aber auch die Freundschaften, Beziehungen zu Eltern, das Gefühl, ein Außenseiter zu sein und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt - der Roman vereint auf nur wenigen Seiten unglaublich viel. Der Schreibstil hat mir ebenfalls sehr zugesagt. Die Autorin kann wirklich gut mit der Sprache umgehen- kein Wort wirkt zufällig. Gleichzeitig hat mich das Buch aber auch an der einen oder anderen Stelle zum Schmunzeln gebracht. Etwas gestört hat mich lediglich der Perspektivenwechsel zwischen der Ich-Perspektive und der dritten Person - für mich war das vor allem am Anfang verwirrend und hat keinen keinen wirklich Mehrwert. Auch hätte der Roman gerne noch ein paar Seiten länger sein dürfen. Ich hätte mich darüber gefreut, einige Themen noch intensiver anzuschneiden. Insgesamt hatte ich jedoch unglaublich viel Spaß beim Lesen und kann den Roman nur wärmstens weiterempfehlen!