Piesnitz in Sachsen, ein Ort, in dem man auffällt, wenn man anders ist. Dilly und Heer, beide 17, beide Kinder indischer Einwandererfamilien, beide Sikhs. Ihre Eltern betreiben die einzigen indischen Takeaways und leben direkt gegenüber voneinander in Wittstock-Ost, einem Teil von Piesnitz, einer Stadt mitten in Sachsen. Und doch haben sie noch nie ein Wort miteinander gesprochen.
Nach dem Tod ihres Vaters, verliert Heer den Halt – bis sie plötzlich Dilly auf einer Party begegnet. Sie kommen sich näher und treten gemeinsam einer Jugendgruppe bei, die sich engagiert, das Viertel näher zusammenzubringen, die Community zu stärken und sich gegen den rechten Hass ihrer Stadt aufzulehnen.
Zwischen rechter Gewalt, Alltagsrassismus und familiären Konflikten erfahren sie erstmals, was Zusammenhalt und standhaftes Bleiben bedeutet – und dass Heimat mehr ist, als ein Ort, den andere für einen definieren.
Ich habe das Buch gerade beendet und bin ehrlich gesagt echt extrem bewegt. Amani hat hier ein Werk geschaffen, das mich von der ersten Seite an so gepackt hat, dass ich förmlich durch die Seiten geflogen bin (ich meine es Ernst, ich konnte es nicht aus der Hand legen). Was mich besonders beeindruckt hat, ist die sprachliche Wucht. Amani schreibt unglaublich stark und authentisch. Sie schafft es, die harte Realität in Deutschland, vor allem den Alltagsrassismus und den Rechtsruck in ländlichen Regionen (wie hier im fiktiven Piesnitz) ungeschönt, aber gleichzeitig literarisch präzise abzubilden. Es ist erschreckend, wie nah das Buch an der gelebten Realität vieler Menschen in Deutschland ist.
Besonders stark fand ich die Entscheidung, Mehrsprachigkeit und verschiedene Dialekte einfach stehen zu lassen, ohne sie zu erklären. Das macht den Text so ehrlich und lebendig, ach was soll ich sagen: ich bin so so positiv überrascht ey!
Ein emotionales Highlight waren für mich auch die E-Mails von Dilly an Heer. Sie haben mich mitgenommen. Die Charaktere sind keine idealisierten Figuren, sondern wirken durch ihre Verletzlichkeit und Wut absolut glaubwürdig. Freundschaft wird hier nicht als nettes Extra, sondern als politischer Akt und Überlebensstrategie erzählt.
Es macht mich echt sprachlos, dass Jugendromane oft immer noch belächelt werden. „Bevor der Himmel reißt“ beweist das Gegenteil: Es steckt voller ästhetischer und politischer Kraft. Meiner Meinung nach gehört dieses Buch verpflichtend in jede Schulklasse und in jede Bibliothek. Es ist ein wichtiges Stück Literatur, das mich sicher noch sehr lange begleiten wird.
Danke an den Arctis Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das ist ein Buch, das mir sicher lange in Erinnerung bleibt und nachhallt. Es geht um eine fiktive Kleinstadt in Deutschland, und klar ist es auf die erste Sicht ein anderes Leben und Land als hier in der Schweiz. Was auf den ersten Blick wie eine sanfte, kulturelle Lebensgeschichte erscheint, wird bald zu einer groben, harten Realität. In sehr klaren Worten wird unmissverständlich klar gemacht, was Rassismus bedeutet, wie es sich anfühlt und was es heisst ein "guter" Ausländer zu sein. Denn was passiert, wen man sich nicht leise und vorzüglich benimmt?
Die indische Kultur ist mir wirklich fern und es wäre viel zu sagen, ich kann es mir vorstellen. Denn ich kann es nicht. Was mir die Geschichte aber aufgezeigt hat, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Einiges habe ich gelernt, einige neue Ansätze kennen gelernt. Es hat mich tief bewegt diese fiktive/realistische Geschichte zu lesen. Es gibt auch Ausblicke auf 6 Jahre später, und hier muss ich leider sagen, ich habs nicht verstanden.. oder finde es schade, dass ich nicht genau weiss, was jetzt ist. Das Ende war mir zu abrupt, ich hätte gerne noch weitergelesen.