Clemens J. Setz könnte seine Einkaufszettel der letzten Jahre sammeln und drucken lassen, ich würde loslaufen und das Buch kaufen. Mit Sicherheit wären es nämlich die wundervollsten Einkaufszettel, die je in Supermärkte getragen worden sind.
In "Das Buch zum Film" hat der Autor persönliche, ausgewählte literarische Aufzeichnungen aus den Jahren 2000 bis 2010 zusammengetragen und veröffentlicht. Es handelt sich um Gedankenschnippsel, Tagebucheinträge (oder etwas ähnliches), Zitate von anderen Autoren, die Skizzierung einer Romanidee etc.
"Relativitätstäuschung: Nie ist es der Bahnsteig, der eigenmächtig wegfährt, sondern immer bloß wir, wir im Zug." S. 79
Kleine absurde Feststellungen wie diese, lösen maßloses Entzücken bei mir beim Lesen aus.
Clemens J. Setz gewährt uns Einblicke in seine damalige Gedankenwelt, in der die kleinen Wunder der Welt bestaunt werden, aber auch die inneren Konflikte und Unsicherheiten, die alle Freude an der eigenen Existenz verdrängen können.
Ich möchte dieses Buch (so wie alle seine Bücher) immer allen Menschen dieser Welt empfehlen, aber in Wahrheit empfehle ich vernünftigerweise eine Leseprobe zu lesen. Dabei lässt sich feststellen, ob die Weirdness von Clemens J. Setz (und mir) mit der eignen vergleichbar ist. In dem Fall wird das Buch das richtige sein.
Übrigens hätte ich gerne den fertigen Roman "Reise durch die Nacht". Wann dürfen wir damit rechnen Herr Setz?