Jump to ratings and reviews
Rate this book

Für euch würde ich kämpfen: Mein Bruch mit dem Pazifismus

Rate this book
Artur Weigandt war überzeugter Pazifist, für den Gewalt ein Zeichen von Schwäche war. Doch als Bomben fielen, hörte und spürte er die Verzweiflung der Überlebenden. Aus dem Idealisten wurde ein Wer überfallen wird, muss sich wehren – notfalls mit der Waffe in der Hand. Auch er selbst wäre dazu bereit. Als Dolmetscher für ukrainische Soldaten auf einem deutschen Truppenübungsplatz erlebte Weigandt, was es heißt, inmitten von Leopard-Panzern, militärischer Routine und persönlichen Schicksalen nicht nur zu übersetzen, sondern Haltung zu zeigen. Dieses Buch erzählt von Panzerausbildung und Propaganda, von Müdigkeit und Mut – und von der Frage, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Artur Weigandt schreibt dieses Buch für jene, die Krieg nur aus Nachrichten kennen, in Wohlstand verharren, nie die Erschütterung einer Explosion spürten, aber in sozialen Medien die Einstellung von Waffenlieferungen fordern – angeblich aus Menschlichkeit. Er schreibt für Soldaten, Veteranen und alle, die seit dem 24. Februar 2022 den wahren Preis der Freiheit kennen. Ein radikales Buch über die Zumutungen der Gegenwart, über Verrat, Solidarität – und darüber, warum Wehrhaftigkeit mehr ist als ein militärischer Begriff.

196 pages, Kindle Edition

Published October 15, 2025

4 people are currently reading
72 people want to read

About the author

Artur Weigandt

4 books1 follower

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
14 (45%)
4 stars
12 (38%)
3 stars
4 (12%)
2 stars
0 (0%)
1 star
1 (3%)
Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for Simon David Dressler.
77 reviews443 followers
March 17, 2026
Dieses Buch will offensichtlich der Gegenentwurf zu Oles Buch sein, aber versagt einfach auf ganzer Linie: Ich hätte ja gar nichts dagegen, ein gut herausgearbeitetes Plädoyer für Nationalismus zu lesen, I mean man sollte sich auch mit dem politischen Gegner befassen, aber hier findet halt einfach so gut wie keine ernstznehmende politische Analyse statt. Weigand berichtet einfach von seinen Reisen in die Ukraine und wie tapfer da alle sind (alle?), und auf gefühlt jeder Seite kommt so ein „X ist nicht nur das, sondern auch das“, keine Sache ist einfach irgendwas, sondern es ist immer auch irgendetwas NICHT. Ich würde ja auf KI tippen, aber die hätte vermutlich ein besseres Buch geschrieben.
Profile Image for Nicola.
387 reviews22 followers
November 3, 2025
"Freiheit ist kein Geschenk, sie wird erkämpft. Ich hatte das verdrängt, weil ich es mir leisten konnte, in Sicherheit zu leben."

Anfang des Jahres 2014 überfiel Russland die ukrainische Krim und annektierte diese. Im Februar 2022 startete Russland den Angriffskrieg auf den Rest der Ukraine. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Die Ukrainer*innen wehren sich standhaft. Derweil reden wir in Deutschland.

Wenn ich mich zwischen Krieg oder Frieden entscheiden müsste, würde ich mir natürlich Frieden wünschen. Die Idee des Pazifismus ist selbstverständlich wunderbar und ich kann verstehen, dass man sich selbst als Pazifist sieht. Jedoch - und das arbeitet Artur Weigandt in "Für euch würde ich kämpfen" auf sehr persönliche und gut nachvollziehbare Weise heraus - sind Frieden und Freiheit Privilegien und keine Selbstverständlichkeiten. Das bekommen in Europa gerade vor allem die Ukrainer*innen zu spüren: Natürlich wollen sie auch in Frieden leben. Sie haben keinen Krieg begonnen. Sie wurden allerdings von Russland angegriffen und schon war es das mit dem Frieden und der Freiheit.

"Pazifismus bedeutete nicht nur, gegen Krieg und Gewalt zu sein - sondern auf der Seite zu stehen. Auf der Seite der Guten, der Verletzlichen."

Artur Weigandt erzählt aus seiner Sicht und sehr persönlich. Da gibt es nichts Abstraktes, sondern viel Handfestes - was die Erfahrungen, die Weigandt beschreibt, für uns Leser*innen sehr viel nachvollziehbarer macht. Er erzählt von seinem pazifistischen (jüngeren) Ich und ich würde wetten, dass sich viele Menschen, vor allem solche, die sich eher links positionieren, gerade diese Passagen sehr gut nachvollziehen können. Zumindest mir ging es so. Aber dann der Cut durch den russischen Angriff auf die Ukraine und damit einhergehend die Fragen: "Was würde ich tun? Würde ich kämpfen?"

Weigandt entschied sich, als Dolmetscher zu arbeiten, als Ukrainer in Deutschland an Panzern geschult wurden. Was er dort erlebt hat, hat offensichtlich Spuren hinterlassen. Er hat Bekanntschaften mit den Soldaten geschlossen, hat erlebt, wie sie mit der Bedrohung - keine abstrakte, sondern eine ganz konkrete - umgehen. Es sind diese Passagen - die Passagen, in denen die betroffenen Menschen dank Weigandt ein Gesicht bekommen -, die mir besonders nah gegangen sind. Denn es sind ganz normale, die einfach nur in Frieden leben woll(t)en, die durch Russlands Angriff aus ihrem "normalen" Leben gerissen wurden, die nicht mehr in Frieden leben können, sondern stattdessen in einem Krieg, den sie sich weder gewünscht noch begonnen haben. Menschen wie du und ich.

"Die Ukraine zeigt uns, was passiert, wenn ein Land keine Wahl hat. Sie kämpft, weil Kapitulation Auslöschung bedeutet."

Wie zynisch ist es, wenn selbsternannte Pazifist*innen oder Politiker*innen von der Ukraine fordern, doch bitte endlich aufzugeben, damit wieder Frieden einkehren kann? Ist das noch Pazifismus oder ist es nicht eher Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit unter dem Deckmantel des Pazifismus? Und was ist ein Frieden wert, der faktisch eine Kapitulation vor den Russen darstellt? Wollen wir wirklich, dass die Ukrainer*innen einmal mehr der potenziell tödlichen Willkür russischer Besatzer ausgesetzt sind? Und selbst wenn man zynisch genug ist, dies zu bejahen, glaubt wirklich irgendjemand, dass Russland dann zufrieden wäre? Nach allem, was Putin und Konsorten geäußert haben, wird Russland NICHT aufhören, wenn es sich die Ukraine einverleibt hat.

Mir hat sehr gut gefallen, dass Artur Weigandt eben NICHT blinde Kriegstreiberei, sondern einen "wehrhaften Pazifismus" fordert. Soll heißen: Nein, wir wollen keine Kriege beginnen. Wir wollen Kriege verhindern. Aber wenn es darauf ankommt, verteidigen wir unsere Freiheit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln: mit Worten, mit Taten und - wenn es nicht anders geht - auch mit Waffen. Mehrfach weist Weigandt in seinem Buch darauf hin, dass Pazifismus vom lateinischen Pax (Frieden) und facere (machen) kommt, dass man also Frieden macht. Insofern ergibt die Idee des wehrhaften Pazifismus auch Sinn.

"Ich frage mich, ob er nicht recht hat - und ob das, was wir so oft als Friedensliebe bezeichnen, in Wahrheit oft nichts anderes ist als fehlende Verantwortung."

Am Ende geht es auch um Wertschätzung. Wie wichtig ist mir Freiheit? Wie wichtig ist mir Frieden? Ehrlich gesagt: Mir sind Freiheit und Frieden wichtig. Sie sind für mich nicht nur Worte, sondern sie sind für mich essentiell. Ich gönne jedem Menschen Frieden und Freiheit und ginge es nach mir, gäbe es keine Kriege (mehr). Nur manchmal ist es so, dass Worte mit Leben gefüllt werden müssen. Genau da setzt "Für euch würde ich kämpfen" an. Weigandt lässt uns teilhaben an seiner Suche nach Antworten, er erweckt die Menschen, denen er begegnet, zum Leben, macht sie und ihre Schicksale für uns nah- und erlebbar.

Wer nach der Lektüre dieses Buches immer noch meint, Pazifismus schließe (militärische) Unterstützung für die Ukraine aus, der hat meiner Meinung nach kein Herz, kein Mitgefühl und hat das Wesen des Pazifismus und der Freiheit nicht verstanden. Wer dem sich wehrenden Angegriffenen Kriegstreiberei vorwirft, weil dieser partout nicht aufgeben will, dem geht es nicht um die Sache (Frieden und Freiheit), sondern darum, die Augen zu verschließen, um weiter in seiner selbstherrlichen Blase schwimmen zu können.

Wir leben in schwierigen Zeiten. "Für euch würde ich kämpfen" ist ein wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt. Das Leben ist eine Reise. Manchmal muss man Überzeugungen (und ihre Motive) zumindest hinterfragen, gegebenenfalls anpassen oder sogar über Bord werfen. "Für euch würde ich kämpfen" ist eine Einladung, die Realität anzuerkennen. Man muss nicht zu den gleichen Schlüssen gelangen wie Artur Weigandt, aber zumindest mal nachzudenken, ob das, was in dem Buch geschrieben steht, nicht seine Berechtigung hat, ist meiner Meinung schon viel wert.

"Solange du noch entscheiden kannst, ob du kämpfst oder fliehst - bist du frei. Aber wenn du es nicht mehr kannst, wenn der Krieg dich einholt, egal wo du bist - dann bleibt dir nur noch eins: Dann kämpfst du für deine Freiheit."

CN: Tod, Vergewaltigung, Verstümmelung
Profile Image for Rosamund.
390 reviews20 followers
January 22, 2026
Was ist eine moralische Debatte wert, wenn sie keine Haut kostet? Wenn sie geführt wird mit sauberem Hemd, hinter Fenstern, durch die kein Sirenenton dringt?

Achtung, es wird lang.

Ich habe Weigandts Debüt verschlungen und war auch gespannt, sein Neues zu lesen. Denn eines war ich mir sicher: Verdammt viel Leidenschaft und Erkenntnisse aus gelebter Erfahrung würden darin fließen, sowie Verständnis fürs Thema, das über bloßen Trotz hinausgeht und sich auf etwas Greifbareres als Theorie beruht.

Dennoch ist es mir schwer gefallen, dieses Buch zu lesen, obwohl es eigentlich ziemlich dünn ist. Ich musste es oft weglegen, weil sich die Thematik allgegenwärtig anfühlt. Nicht nur wegen der allgemeinen Weltlage sowie der aktuellen Wehrpflicht- und Aufrüstungsdebatten in den beiden Ländern die ich Zuhause nenne, sondern auch weil ich in den letzten Jahren aufgrund persönlicher Nähe eigentlich nie wirklich Gedanken vom russischen Angriffskrieg in der Ukraine wegdrücken durfte. Deshalb habe ich auch nicht selten darüber nachgedacht, wie ich selber in einer solchen Situation reagieren würde. Und mich außerdem oft darüber gewundert habe, dass einige hierzulande meinen, diesen Krieg, der als der Größte in Europa seit 1945 gilt, immer noch abstrahieren und wegphilosophieren zu können, oder sogar komplett kleinreden oder leugnen. Vor allem, wo sich diplomatische Verhandlungen leider immer wieder als nutzlos zeigen. (Ich frag mich immer wieder, wer ernsthaft glaubt, über die magische Wortkombination zu verfügen, die diesen Diktator endlich überzeugt, nach 4 Jahren sein völkermörderisches Vorhaben nunmehr einzustellen. Vielleicht muss man das ihm nur nachts per WhatsApp schicken?)

Schon im Vorwort macht Weigandt den entscheidenden Punkt: Der Krieg findet nicht nur im Schützengraben statt, sondern im Alltag. Es ist ziemlich egal, ob man "kämpfen würde" oder nicht, weil der Krieg ziviles Leben so oder so beeinträchtigen wird. "Was passiert dann?" ist die Frage, der gerade gerne ausgewichen wird und die in diesem Buch versucht wird zu beantworten. Er zeigt, dass die Aussage "ich will nicht für diesen Staat kämpfen, weil er für mich nicht kämpft" einen massiven Denkfehler enthält. Es ist eine vollkommen verständliche Aussage, die jedoch leider nur aus einer gewissen Ignoranz entstehen kann. Im Ernstfall wird nämlich von dem Staat und seinen Schwachstellen gar nicht die Rede sein, sondern einfach von allem, was dir lieb und teuer ist.

Niemand wird hier "feige" genannt wegen mangelnder Unwilligkeit zu kämpfen — das wägt Weigandt ja selber sehr reflektiert ab — sondern es wird schlicht daran gemahnt, dass schreckliche Sachen wie Krieg auf eben diese Entscheidungsfreiheit scheißen, wenn es darauf ankommt. Was mir jedoch etwas gefehlt hat, obwohl das Buch vor allem eine persönliche Abrechnung ist, war klare Referenzen zu anderen Quellen, anstatt teilweise die öffentliche Meinung zu pauschalisieren.

Das Buch bietet die wichtige Perspektive eines Deutschen mit osteuropäischen Wurzeln und familiärer Deportationshistorie, der also nicht die typische "mein Uropa war Nazi und deshalb darf Deutschland nie wieder wehrhaftig werden"-Brille trägt. Vielleicht sind Menschen, deren Geschichte genau diese Gegensätzlichkeit der Sowjetunion trägt (hatte zwar eine entscheidende Rolle im Sieg über die deutsche Regime, gleichzeitig hat sie selber ihre eigenen, vor allem nichtrussischen Völker weiterhin bitter unterdrückt, ermordet, in den Gulag gesteckt, bis heute werden vor allem im Kontext des 2. WK deren Identitäten ausradiert und als "russisch" verallgemeinert) genau das, was in diesen Diskussionen fehlt. Die aber irgendwann aufhören, Diskussionen zu sein und einfach zu realen Handlungsfragen werden.
Profile Image for Rebecca Ewert.
48 reviews1 follower
January 19, 2026
Das Buch gibt einen eindrücklichen Einblick in das, was Krieg in Europa bzw. Im eigenen Land psychisch und emotional mit direkt Beteiligten, aber auch mit zuvor Unbeteiligten bewirkt. Besonders vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage regt das Buch dazu an, sich selbst ehrlich die Frage zu stellen, wie groß die eigene Bereitschaft wäre, Deutschland oder Europa militärisch zu verteidigen.

Gleichzeitig fällt der Schreibstil stellenweise negativ auf. Die Sprache ist oft sehr hochgestochen und mit komplexen Definitionen überladen, was den Eindruck erweckt, dass Komplexität um ihrer selbst Willen erzeugt wird. Zudem sehr viele für mich unpassende, herablassende Formulierungen gegenüber Unbeteiligten – auch wenn die dahinterstehenden Emotionen nachvollziehbar sind.

Kritisch zu sehen sind außerdem Thesen, die ohne ausreichende Belege aufgestellt und teilweise einfach in den Raum gestellt werden, bspw. zu den Angriffsplänen Russlands. Diese Aussagen sollte man hinterfragen.

Insgesamt ein wichtiges, emotionales Buch mit hoher gesellschaftlicher Relevanz, das jedoch kritisch, nicht unreflektiert gelesen werden sollte.
Profile Image for Julius Siebert.
38 reviews1 follower
November 18, 2025
Artur Weigand beantwortet für sich selbst die Frage wann er bereit ist zu kämpfen; und für was.

Den Gedankenprozess von Weigand kann man tagebuchartig mitverfolgen, die Veränderungen seiner Haltungen mit jeder Erfahrung die er in 3 Jahren als Pazifist, Übersetzer für die Bundeswehr und später als Kriegsreporter in der Ukraine macht.

Eine Empfehlung für alle die sich die sich die alles bestimmenden Fragen stellen:

Ist es wert zu kämpfen und wenn ja für was?
Ist es wert zu töten und zu sterben?
Und wie sehen das die Menschen an der Front die Tag täglich nicht nur über diese Fragen nachdenken, sondern diese Realität leben?
Profile Image for Alice.
234 reviews33 followers
March 13, 2026
Ein Lebenslesehighlight 🤩

Artur und ich teilen uns ein paar Dinge: wir kommen beide aus der linken Ecke, waren ruzzland gegenüber unkritisch und pazifistisch.
Er hat nach 2014 noch Anti-NATO Plakate gemalt und auf Demos Parolen gerufen.

Er hat ein sehr eindrückliches und aufschlussreiches Buch über seine persönlichen Erfahrungen geschrieben. Von seiner Herkunft, Jugend, seiner Zeit bei der Bundeswehr als Dolmetscher für ruzzisch. Seine Erlebnisse in der Ukraine - im Hinterland und nahe der Front. Mit Deutschen und Ukrainern.
Er stellt die Frage und nimmt auseinander, was Mut ist, Wehrhaftigkeit, Pazifismus, wehrhafter Pazifismus. Hält viele innere Monologe über die wichtigen Themen unserer Gesellschaft. Man begleitet ihn auf seiner langen, ausführlichen und immer spannenden und erkenntnisreichen Reise von erleuchteten Besser-Mensch zum Buchtitel. Er spricht mit ukrainischen Soldaten, die vorher nie kämpfen wollten, denen ruzzen aber keine andere Wahl ließen. Von ihren grauenvollen Erfahrungen unter ruzzischer Okkupation - 2014 - 2016 in Luhansk, als 18 jähriger monatelang in ruzzischer Folterhaft, 2022 in Cherson für fast 8 Monate.
Er bespricht Themen wie "Gebietsabtretungen", "Kapitulation" und "Waffen niederlegen". Wem wir uns gegenüber sehen.
Sein eindrücklich Traum, in dem Berlin so sein wird wie Mariupol jetzt (was die ruzzische Propaganda ja leidenschaftlich fordert), erinnert mich an den vibe vom Lied "Die perfekte Diktatur" von Farin Urlaub.
Am Ende gibt es noch einen kurzen Ausflug nach Georgien und zu kleinen Kindern, die bereits von ruzzischer Ideologie verseucht wurden, und nachspielen, als ruzzen die Krim zu befreien.
P.S.: Viel Liebe für Werner 🥰

Sein Buch sollte neben Erich Maria Remarque im Regal stehen und Schullektüre sein. Er nimmt einen ausführlich mit auf seinem Weg, für jeden gut verständlich und zum diskutieren geeignet.
Nach dem Buch von Ole gibt Artur mir wieder ein Stückchen Hoffnung, was die Männer in unserer Gesellschaft betrifft.


"Ein wehrhafter Pazifismus erkennt an, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist, sondern verteidigt werden muss - manchmal mit Worten, manchmal mit Taten, manchmal, wenn keine andere Wahl bleibt, mit Waffen."
"[...] das Frieden nicht entsteht, indem man wegschaut, sondern indem man handelt."
4 reviews
January 22, 2026
Für Euch Würde Ich Kämpfen ist ein Buch, das nachdenklich macht. Wer sich von dem etwas martialischen Titel und Buchcover nicht abschrecken lässt, den erwartet eine überlegte Betrachtung von Fragen, die sich viele heutzutage immer öfter stellen dürften: Was bedeutet es, wenn man, wie die Ukraine keinen Krieg führt, sondern ihn erleidet? Würde ich fliehen? Würde ich kämpfen? Und wenn ja, für was? Und wenn ich nicht kämpfe, wer dann? Man kann sehen, wie Weigandt mit diesen Fragen und ihren Konsequenzen ringt und schließlich für sich selbst zu einer klaren Haltung kommt. Dennoch drückt er einem seine Position nicht als die einzig moralisch wahrhaftige Option auf. Man ist kein Feigling, wenn man die Waffe nicht in die Hand nimmt. Schließlich sind wir alle nur Menschen. Weigandt verurteilt diese Position nicht. Es gibt immer auch andere Möglichkeiten. Wichtig ist für ihn nur zu handeln, zu kämpfen, ob mit friedlichen Mitteln oder nicht.

Und darin liegt auch der Kern seines Buches, in dem er, anders als der Untertitel vermuten lässt, den Pazifismus nicht aufgibt, sondern diesen unter Rückbesinnung auf dessen Ursprungsdefinition, wieder aufleben lässt. Pax – der Friede. Facere – machen. Pazifismus darf kein Rückzug in Passivität und Bequemlichkeit sein. Er darf nicht nur Frieden fordern, hoffen, postulieren, sondern er muss bedeuten, zu tun, zu handeln, wehrhaft zu sein, um schlimmeres zu verhindern. Tut er das nicht, sondern fungiert als moralischer Rückzug, als Verweigerung von Gewalt, als Vertrauen auf Worte allein, dann ist er nur ein Privileg, das funktioniert, solange andere die Konsequenzen tragen. Aber was ist, wenn niemand mehr da ist, um für uns zu bluten? Teile der alten Friedensbewegung stehen längst nicht mehr für Frieden, sondern sind zum Erfüllungsgehilfen russischer Großmachtsfantasien verkommen. Dabei haben sie sich auch der Parole „Nie wieder“ angenommen. Doch „Nie wieder“ hieß nie, nie wieder kämpfen. Es bedeutet, dass nie wieder ein Angreifer durchkommen darf. Wer nicht bereit ist, Freiheit zu verteidigen, verteidigt auch die Erinnerung nicht. Denn Erinnerung ohne Konsequenz ist ein sentimentales Selbstgespräch.

Das Buch behandelt daneben weitere Themenfelder von Besatzungserfahrung bis hin zur Zwangsrekrutierung. Weigandt scheut auch vor diesen Themen nicht zurück. Er glorifiziert nicht. Er verharmlost nicht. Insgesamt hat das Buch definitiv mit mir resoniert. Mit vielen der Fragen, Problematiken und Diskursen habe auch ich schon gerungen. Egal welche antworten man für sich selbst findet, es lohnt sich, einen Blick in dieses Werk zu werfen.

„Ich habe gesehen, was passiert, wenn man Gewalt aus Prinzip ablehnt – und anderen überlässt, die Welt zu formen. Was ist Pazifismus wert, wenn andere für ihn sterben?“
Displaying 1 - 7 of 7 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.