Eigentlich glaubt der bislang erfolglose Immobilienmakler Walter Eigen, nun endlich ins große Geschäft einsteigen zu können. Doch dann entdeckt er in einer schicken Villa im noblen Münchner Vorort Grafham den toten Großgrundbesitzer Heinrich Schedl – kopfüber vom Deckenbalken hängend. Eigen weiß, er sollte die Polizei rufen. Eigentlich. Tut er aber nicht. Denn so ist das meist bei ihm: Eigentlich würde er ja gerne etwas ganz anderes machen, ganz anders sein. Die Entdeckung der Leiche macht auch Eigen selbst zum Verdächtigen. Daher beschließt er, den Fall aufzuklären. Unterstützt wird er dabei von seiner Mutter, die allerdings schnell ihre ganz eigenen Theorien entwickelt und Verdächtige ausmacht. Fragt sich nur, ob sie die ganze Wahrheit kennt. Vielleicht war es ja eigentlich ganz anders …
Walter ist Immobilienmakler, allerdings ist er nicht wirklich erfolgreich. Er vermakelt hauptsächlich Mietwohnungen; die teuren Münchner Villen verkaufen seine Kollegen. Doch eines Tages soll sich das ändern; Walter bietet sich eine einmalige Chance auf ein lukratives Geschäft. Doch als er mit dem potenziellen Verkäufer sprechen will, findet er diesen erhängt in dessen Haus. Die Leiche hängt kopfüber vom Deckenbalken, und alles sieht nach Mord aus. Walter macht sich klammheimlich davon, doch natürlich kann er sich nicht ganz aus den Ermittlungen heraushalten. Und auch Walters Mutter mischt sich ein. 🌸🌸🌸 Mein Leseeindruck: Dieses Buch hat mich überrascht, denn ich habe einen "herkömmlichen" Regionalkrimi mit ein wenig Humor und Lokalkolorit erwartet. Das Ungewöhnliche an diesem Buch war für mich der Schreibstil. Ich hatte zuvor noch nichts von Claas Triebel gelesen. Er hat einen - für mich - sehr außergewöhnlichen Erzählstil. Die Geschichte von Walter und seiner Mutter wird abwechselnd erzählt aus seiner und aus ihrer Sicht. Ich muss sagen, dass ich die Passagen, die die Geschichte aus Sicht von Walters Mutter erzählen, stellenweise als etwas langatmig empfunden habe. Es ist wie ein Bericht oder eine Nacherzählung ohne wörtliche Rede, und die Dialoge haben mir hier manchmal etwas gefehlt. Da haben mir dann die Abschnitte, die von Walter erzählen, besser gefallen, weil sie etwas "lebendiger" waren. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Wer diesen ganz besonderen Wortwitz mag, den Claas Triebel ohne Zweifel hat, wird sicher viel Vergnügen mit diesem Buch haben. Mir hat es auch durchaus gut gefallen, wenn mir auch für einen Kriminalroman etwas die Spannung gefehlt hat.
Einmal im Monat hat Walter Eigen seine Söhne übers Wochenende bei sich. Und eigentlich will er dann immer eine schöne Zeit mit ihnen verbringen, so tun als wäre alles noch wie früher. Doch als Immobilienmakler muss Eigen auch am Wochenende arbeiten. Weshalb seine Mutter kurzerhand die Buben zu sich nimmt. Auf dem jährlichen Münchner-Stadtteil-Fest (Würmtal) wird Eigen von der Freundin eines Bekannten angesprochen, ob er nicht die Villa des Onkels ihres Freundes verkaufen könnte. So geht Eigen, der ja eigentlich nur ein gemütliches Wochenende mit den Kindern verbringen will, am nächsten Tag zu Heinrich Schedl, dem Onkel seines Kumpels Benny. Doch Schedl hängt verkehrt herum vom Deckenbalken, tot. Eigen steht nun vor einem Problem, was macht er? Um dieses Problem zu lösen geht er erst mal zu seiner Mama, spricht mit ihr. Geht darauf hin wieder zurück in die Villa vom alten Schedl und ruft dann anonym die Polizei an. Darauf hin läuft das Wochenende eigentlich, ganz normal, er geht mit seinen Buben zum Bolzen, schaut sich das Spiel im örtlichen Vereinsheim an, Grillt mit den Jungs, sitzt gemütlich mit ihnen im Biergarten. Also eigentlich alles ganz normal, wenn da nicht die Leiche wäre. Und wenn er nicht von er Polizei verhört worden wäre.
Schreibstil und Charaktere:
Claas Triebel schaffte es bei mir nur bedingt mit seiner Schreibweise mich bei der Stange zu halten. Einerseits war es einfach nur flach, andererseits möchte man aber doch wissen wie es weiter geht. Un dann immer dieses doppelte Erzählen. Einerseits bekommt man die Geschichte aus Sicht der Mama erzählt. In einer Form wie es die alten Münchner Tratschtanten einfach gern machen "Hast du das vom X gehört?" Und dann immer mit dieser Information, dass der Eigen seiner Mama ja gar nicht alles erzählt hat. Also gibt es den selben Abschnitt noch mal etwas umgestellt und mit 2 Sätzen mehr aus Erzählersicht. Die Mutter stell ich mir wirklich so vor, wie damals die alte bei der Lindenstraße, die immer nur ausm Fenster schaut und dann ihr durch Neugierde erlangtes Wissen an andere weiter trägt. Eigen, der seinem Namen in der Weise alle Ehre trägt, dass er immer alles eigentlich machen will wird zwar gut beschrieben, aber in ihn hineinversetzten, eine konktrete Vorstellung konnte ich mich/mir hier nicht.Auch die anderen beiteiligten Charaktere erreichten mich nicht so wie sie es sollten. Vielleicht hätte man dieses Wochenende um die Hälfte der Seitenanzahl kürzen können, wenn man sich für eine Sichtweise entschieden hätte
Fazit und Empfehlungen:
Ein Kriminalroman, der meiner Meinung nach den Namen nicht verdient. Vielleicht bin ich aber auch als Agatha Christie Anhängerin etwas verwöhnt was Krimis betrifft. Hier liegt das Augenmerk eher darauf, was der Eigen so alles erlebt und was er eigentlich machen will und der Tote Schedl wird nur am Rande irgendwie erwähnt. Für mich viel zu sehr am Rande, oder wie es beim Fußball heißen würde im Abseits? Wer also eine Alltagsgeschichte aus dem Speckmantel Münchens lesen will und weniger auf Spannung und kriminalistisches Handeln wert legt, könnte hier auf seine Kosten kommen, wer eher auf einen Krimi aus ist sollte dieses Buch lieber liegen lassen.