Was, wenn dein Leben eine Leinwand wäre? Und die Schichten von Farbe Schmerz und Glück?
Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen liegt zusammengekauert in der Schublade einer Bauernkommode in einem verlassenen Forsthaus. Als sie sich endlich befreit, entdeckt sie dort eine alte, etwas unscheinbare Leinwand. Wilma, die Marlen geholfen hat sich rechtzeitig vor den russischen Soldaten zu verstecken, nimmt die junge Waise bei sich auf. Denn Wilma hat ein Geheimnis, das sie zu zerstören droht.
Auf zwei Zeitebenen wird die bewegende Geschichte zweier Frauen erzählt, deren Leben durch eine unscheinbar wirkende Leinwand für immer verbunden ist.
Berlin, 2023: Hannah Borowski ist 34 Jahre alt und alles wäre gut, wenn nicht ihre beste Freundin Rubi plötzlich ausziehen würde. Und wenn nicht plötzlich Hannahs Vater wieder aufgetaucht wäre. Und was wurde aus der wertvollen Leinwand, die einst Hannahs Großmutter gehörte und die sich wie ein roter Faden durch ihr bisheriges Leben zieht?
Emotional, warmherzig, tiefgrü Alena Schröder spürt in ihrem Roman der Frage nach, was wir unseren Eltern schulden und welches Erbe sie uns mitgeben.
»Es hat mich mit Macht hineingezogen in eine Mutter-Tochter-Frauen-und-Familien-Geschichte, aus der man nach 318 Seiten mit dem verträumten Gefühl wieder zu sich kommt, man habe eine Zeitreise gemacht.« Christine Westermann, Der Stern (über Alena Schröders SPIEGEL-Bestseller ›Bei euch ist es immer so unheimlich still‹)
Von Alena Schröder sind außerdem erschienen ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ ›Bei euch ist es immer so unheimlich still‹
Je länger ich die Lektüre dieses dritten Bandes resümiere, desto weniger kann mich dieser Roman überzeugen.....obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe, das Buch hervorragend zu finden...😟😉...!
Die Geschichte ist an sich tief angelegt und die Charaktere wie bei Autorin Schröder üblich durchaus vielfältig.....
Trotzdem konnte mich vor allem der stereotype, beliebige Schreibstil und das flache und viel zu schnell abgehandelte Ende so garnicht abholen....
Wirklich schade!
Für mich ein klarer Fall von: kann man lesen....muss man aber nicht...!
Wenn es nach mir gehen würde, könnte Alena Schröder noch 100 Bücher über Hannahs Familiengeschichte schreiben und ich würde jedes verschlingen.
Alena Schröder schreibt diese verwobene, vielschichtige Familiengeschichte so gefühlvoll und gleichzeitig ganz ruhig und schnörkellos wie es niemand anders könnte. Alle Charaktere wissen um ihre Stärken und ermächtigen sich ihrer Schwächen - ihnen dabei zusehen, macht den Charme ihrer Geschichten für mich wirklich aus. Ich fühle mich beim Lesen von Alena Schröders Texten stets wie eingemummelt in eine warme Decke, weil sie es ganz simpel und leicht schafft, diese Atmosphäre entstehen zu lassen. Nicht, dass die Hintergründe dieser Jahrhundertstory seicht wären, das sind sie keinesfalls, aber der Schreibstil bleibt in seiner Struktur leicht und bodenständig, gleichzeitig werden Gefühle so klar und pointiert dargestellt, es ist einfach eine ganz besondere Kunst!
Ich muss nur ehrlich sagen, dass es mich regelrecht aggressiv gemacht hat, zu lesen, was mit dem Ausgangsbild passiert ist. Also, ich verstehe, was für einen Zweck es für Marlen erfüllt, aber ich fühl diese Auflösung gar nicht 😄
Ich mochte die Vorgängerbände "Junge Frau, am Fenster stehen, Abendlicht, blaues Kleid", in dem die Geschichte von Evelyn Borowski erzählt wird, und den Nachfolger "Bei euch ist es immer so unheimlich still", in der wir Evelyns Tochter Silvia näher kennenlernen, sehr gerne.
Nun also Hannah, Evelyns Enkeltochter, die schon in den Vorgängerbänden erwähnt wurde.
Hannah ist 34 Jahre alt, allein auf der Welt, denn Mutter und Großmutter sind bereits verstorben. Nun zieht auch noch ihre Freundin Rubi aus der WG aus, die die beiden in Berlin in der ererbten Wohnung führten, stattdessen belegt der Neffe einer Kollegin von Hannah nicht nur Rubis Zimmer, sondern auch Wohnzimmer, Kühlschrank und Küchentisch. Als dann auch noch Hannahs Vater auftaucht, der sich jahrzehntelang nicht um Hannah gekümmert hat, ist das Gefühlschaos perfekt.
In einer zweiten Zeitebene erfahren wir, was mit dem Bild, dass im ersten Band der Reihe eine große Rolle gespielt hat, passiert ist und wir lernen die vierzehnjährige Marlen kennen. In den letzten Kriegstagen in Güstrow auf der Flucht, nachdem ihre Mutter und ihr Bruder in den Fluß gegangen sind, zeigt sich ihr Überlebenswille. Sie wird von der Malerin Wilma aufgenommen und lebt mit ihr und der Haushälterin Burgel zurückgezogen außerhalb der Stadt.
Mich hat die Geschichte sofort wieder in den Bann gezogen. Ich mag Alena Schröders Schreibstil und ihre Art, Lebensschicksale miteinander zu verweben. Sowohl die Gegenwart, in der Hannah, die eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben war, nun durch das Auftauchen ihres Vaters und einer neuen Familie durchgerüttelt wird, aber auch die Vergangenheit mit Marlen, die sich von ihrer Retterin Wilma lösen und selbst malen möchte und beinahe sogar in den Westen geflüchtet wäre, konnten mich fesseln.
Umrahmt von Prolog, in dem 1989 Evelyn als Ärztin in dem Durchgangslager Marienfelde arbeitet und Marlen kennenlernt, die den Weg in den Westen gefunden hat und dem Epilog, als Evelyn und Marlen erneut aufeinander treffen, war das für mich wieder ein runder Familienroman, die anschaulich die Lebensgeschichten der Frauen beschrieben werden.
Das Buch lässt sich wirklich gut weglesen, aber viel hängen bleiben wird davon nicht. Die beiden Zeitebenen, in denen der Roman spielt, haben quasi nichts miteinander zu tun. Der vermeintliche Zusammenhang, der am Ende aufgelöst wird, wirkt konstruiert und ist nicht der Rede wert. Genauso wie viele Charaktere in der Gegenwartsgeschichte, die teilweise vor Klischees strotzen und nur sehr oberflächlich gezeichnet werden. Auch der Plot wirkte auf mich unausgegoren, beliebig. Der Autorin ist es auch nicht gelungen, dass ich mit den beiden Hauptcharakteren Hannah und Marlen so richtig warm wurde und mitfühlen konnte. Es bleibt so vieles an der Oberfläche, wird zu schnell abgehandelt, wirkt einfach so runter erzählt. Auch sprachlich keine Wow-Passagen. Schade, weil ich die beiden Vorgänger Bücher wirklich gerne gelesen habe.
Hannah hat das Gefühl, dass ihr Leben stillsteht, während sich das aller anderen um sie herum weiterbewegt. Ihre beste Freundin Rubi ist schwanger, zieht aus und lässt Hannah zurück. Ihr Zimmer wird vom Neffen einer Kollegin von Hannah bezogen, der zwar die Leere in der Wohnung füllt, sonst Hannah hauptsächlich auf die Nerven geht. Auch im Onlinedating ist sie nicht erfolgreich.
Dann gibt es eine überraschende Wendung: ihr Vater meldet sich nach Jahren der Funkstelle wieder bei ihr und will den Kontakt wieder aufnehmen. Aber Hannah ist misstrauisch, denn ihre Mutter und auch die Großmutter haben immer gesagt, dass er nichts mit seiner Tochter zu tun haben wollte.
In einer früheren Zeitebene wird die Geschichte von Marlen erzählt, die von der Malerin Wilma vor russischen Soldaten in einer Schublade versteckt wurde und dort ein Gemälde gefunden hat, das ihr Leben für immer veränderte. Nach dem Krieg bleibt ihr Leben ähnlich stehen wie das von Hannah: während Wilma als Malerin immer Erfolge feiert, bleibt sie immer nur ihre Assistentin, ohne die Möglichkeit, ihr eigenes Leben zu leben.
Für mich hätte jede der beiden Frauen einen eigenen Roman verdient. Ihre Geschichten laufen parallel und haben nur wenig Berührungspunkte. Gleichzeitig haben sie ähnliche Träume und auch Zweifel, aber auch unterschiedliche Voraussetzungen, um sie zu verwirklichen.
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel, ist der dritte Roman, den ich von der Schriftstellerin Alena Schröder gelesen habe. Der Titel bezieht sich wohl auf das verschwundene Bild. Hannah, Silvia und Evelin spielen in allen drei Romanen mit. Die Autorin versteht es gut, die verschiedenen Emotionen und Ansichten der Personen zu schildern. Es gibt zwei Zeitebenen. In diesem Roman kommen neue Personen dazu, mit dene er auch 1945 in Güstrow beginnt. Die vierzehnjährig Marlen muss dich in einer Schublade vor den Russen verstecken. Da findet sie ein Portrait, das sie mitnimmt. Sie hatte in dem Forsthaus Wilma getroffen. Die nimmt sie mit zu sich nach Hause. Wilma ist Malerin und nimmt sich der Waise an. Die Autorin lässt Marlen und die Ärztin Evelin sich 1990 treffen. In der zweiten Ebene geht es 2023 in Berlin mit Hannah weiter. Die beiden Zeiten wechseln öfter. Das ist ganz gut. Der Schreibstil der Autorin ist gut lesbar und ich denke es gibt noch mindestens ein Buch, auf das ich dann warte.
In Alena Schröder‘s Bücher taucht man mit der ersten Seite ein und taucht erst wieder mit der letzten Seite auf.
Es geht um Hannah Borowski, 34 Jahre alt, im Jahr 2003 in Berlin. Eigentlich ist alles gut, bis ihre beste Freundin Rubi aus der gemeinsamen WG auszieht und auf einmal ihr Vater auftaucht, zu dem sie nie Kontakt hatte.
Und es geht um die Geschichte von Marlen Engels, die als Waisenkind, vor der Russen geflüchtet, 1945 von Wilma aufgenommen wird und in Güstrow ihre neue Heimat findet. Wilma ist eine erfolgreiche Malerin, durch die Marlen ihre eigene Liebe zur Malerei entdeckt.
Zwei Erzählstränge, zwei Familien- und zwei Frauengeschichten, verbunden durch die Geschichte von Hannah‘s Großmutter.
Ein ganz toller Roman, der Dritte aus der Reihe und definitiv ein Lese-Highlight in 2026!
Kongeniale, unterhaltsame und berührende Fortsetzung des Familienromans, der mit "Junge Frau am Fenster stehend..." seinen Anfang nahm, ohne aber die emotionale Wucht und Ernsthaftigkeit des Erstlingswerks zu erreichen. Aber das ist ein Klage auf hohem Niveau.
etwas enttäuscht, fand die beiden Vorgängertitel wesentlich besser. Die Story hat mich nicht so mitgenommen. Hätte auch ein Solo Buch und nicht das 3. Buch einer Reihe sein können. Trotzdem 3 Sterne da ich Alena so mag.
Das ist er, der Roman auf den ich mich 2026 am meisten gefreut habe! Seit ich “Junge Frau am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid” gelesen habe, bin ich ganz großer Alena Schröder Fan. Denn was Alena Schröder wirklich toll kann, sind Familiengeschichten auf mehreren Zeitebenen, die genau das richtige Level Tiefgang haben. Nicht oberflächlich, aber auch nicht anstrengend, genau so, dass man sie auf dem Sofa oder im Urlaub runter lesen kann und nicht mehr aus der Hand legen mag.
Jetzt also Band 3 der “Mütter-Töchter-Trilogie”, die man allerdings theoretisch auch alle einzeln lesen kann - die große emotionale Wirkung entfacht er aber, glaube ich, wenn man zumindest “Junge Frau…” zuvor gelesen hat.
Und ich glaube fast, das war sogar mein liebster Roman von ihr! Ich habe beide Perspektiven so gern gelesen: Marlen, Güstrow im Jahr 1945, die Malerei lernt und dabei - privat wie politisch - zwischen Pflichterfüllung und Selbstverwirklichung schwankt. Und Hannah, Berlin im Jahr 2023, die wir schon aus “Junge Frau” kennen und die hier nochmal erwachsener (und damit für mich nochmal runder) geworden ist), deren Vater bei ihr die Frage nach Familiengeheimnissen und dem Stellenwert von (Wahl-)Familie auslöst. Die Verbindung zwischen beiden ist relativ schnell klar - aber das tut der Spannung keinen Abbruch, denn ich habe trotzdem mit beiden mitgefiebert.
Darf zum Ende natürlich nichts sagen, um nichts zu spoilern, aber ich hatte beim Ende so einen Gesichtsausdruck: 🥹
Ganz große Empfehlung für alle drei Romane von Alena Schröder! ✨
Worum geht’s? Güstrow 1945: Marlen ist 14 Jahre, als die Russen den kleinen Ort einnehmen. Wilma rettet und adoptiert das Mädchen, das bald mehr als ihre rechte Hand wird. Berlin 2023: Hannahs beste Freundin Rubi zieht aus und hinterlässt eine spürbare Lücke. Und dann steht plötzlich Hannahs Vater vor ihr. Ein Mann, den sie nie kennengelernt hat. Die Frage, die bleibt: Geht es ihm wirklich um sie – oder nur um sich selbst?
Meine Meinung: Mit „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ kehren wir zurück zu dem Bild der Frau im blauen Kleid am Fenster. Auch diesmal nimmt uns Alena Schröder mit auf eine leise, eindringliche Reise durch das Leben von Frauen, Müttern und Töchtern. Die Erzählung springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den Jahren 1945 bis in die 1960er und dem heutigen Berlin. Der vertraute Schreibstil hat mich sofort wieder abgeholt – ruhig, klar, emotional, ohne je laut zu werden.
Besonders nah war mir Hannah, die wir in der Gegenwart begleiten. Sie ist eine Figur, die man sofort versteht. Ihre Unsicherheiten, ihre Wut, ihre Sehnsucht nach Klarheit. Ich hätte ihr problemlos noch viele weitere Seiten gewidmet, auch über das Ende hinaus. In der Vergangenheit begleiten wir Marlen und Wilma, später auch Burgel – eine eigenwillige, etwas seltsame Figur, die mir gerade deshalb im Gedächtnis geblieben ist.
Beide Zeitebenen haben für mich funktioniert. In der Gegenwart überzeugt vor allem die Begegnung mit dem unbekannten Vater. Die Gefühle, die Hannah dabei durchlebt, sind fein beobachtet und absolut glaubwürdig. Man spürt ihr inneres Chaos, ihre Hoffnung und ihr Misstrauen gleichzeitig. In der Vergangenheit hätte ich mir stellenweise noch mehr Tiefe für Marlen gewünscht. Ihr Leben, ihre Entscheidungen und ihre Bindungen – vor allem zu Wilma, Burgel und Theo – tragen viel Stoff in sich, der gerne noch etwas mehr Raum hätte bekommen dürfen.
Besonders stark fand ich die Einblicke ins ostdeutsche Nachkriegsleben. Dieser Blick auf die Jahre nach 1945 ist selten in Romanen und war für mich einer der spannendsten Aspekte des Buches. Etwas irritiert hat mich hingegen, dass sich Vergangenheit und Gegenwart kaum berühren. Abgesehen von der kurzen Begegnung zwischen Evelyn und Marlen bleiben die beiden Ebenen weitgehend nebeneinander stehen. Auch Hannahs Suche nach dem Bild in Güstrow war eher verwirrend, da es m.E. gar keine Verbindung zwischen ihr und dem Bild gibt, obwohl dieses Bild eigentlich die stärkste Brücke zu den vorherigen Bänden der Reihe darstellt.
Und trotzdem: Dieses Buch hat mich wieder vollkommen in seinen Bann gezogen. Die Art, wie Alena Schröder Beziehungen, innere Konflikte und die feinen Verbindungen zwischen Menschen beschreibt, ist schlicht beeindruckend. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und hätte mir am Ende nichts sehnlicher gewünscht, als noch ein paar Kapitel mehr – vor allem mit Hannah und Malik. Fazit: „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder erzählt erneut eindringlich von Frauen, Müttern und Töchtern und wechselt zwischen der ostdeutschen Nachkriegszeit und der Gegenwart. Besonders die Gegenwartsebene mit Hannah hat mich überzeugt – ihre Gefühle rund um den plötzlich auftauchenden Vater sind authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Auch die Vergangenheit mit Marlen, Wilma und Burgel ist atmosphärisch und spannend, hätte stellenweise aber noch mehr Tiefe vertragen dürfen. Die Verbindung zwischen den Zeitebenen bleibt eher lose, dennoch fesselt der Roman durch seine Figuren und den ruhigen, einnehmenden Schreibstil bis zur letzten Seite.
Es scheint offenbar im Trend zu liegen, eine gut erzählte Geschichte aus allen möglichen Perspektiven zu ergänzen. Und ich merke nach diesem Buch, dass ich kein Fan davon werde. Hannah Borowski kennt man als Leser schon aus Schröders Buch "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid". Jetzt meldet sich überraschend Hannahs Vaters Martin bei ihr. Dieser war all die Jahre abwesend in ihrem Leben. Verständlicherweise ist Hannah skeptisch gegenüber dieser Kontaktaufnahme und dem Eingliederungsversuch in Martins Familie. Parallel dazu wird die Geschichte von Marlen erzählt. Diese entkommt als junges Mädchen dem Demminer Massenselbstmord und findet im Haus von Wilma Engels eine neue Familie. Wilma ist Künstlerin, ihr Mann Jon Engels ein bekannter Maler in Güstrow, von dem es nach dem 2. Weltkrieg zunächst keine Information über seinen Verbleibt gibt. Zusammen mit Jons altem Kindermädchen Burgel meistern die drei Frauen nicht nur die Nachkriegsjahre, sondern richten sich in der aufstrebenden DDR ein Leben ein. Doch mit den Jahren wird das von Wilma auferlegte Leben für Marlen zu einengend, sie möchte ein eigenständigeres und selbstbestimmteres Leben führen. Aus Pflichtgefühl stellt sie aber ihre Wünsche und Sehnsüchte hinten an.
Die Geschichte hat den für Alena Schröder typischen, schönen Stil. Sehr klar erzählt, ohne überlangen Sätze, gefühlvoll erzählt. Die Gefühle ihrer Figuren beschreibt sie sehr nachvollziehbar, die positiven wie die negativen. Ich finde den historischen Part gelungener als den Gegenwartspart. Die Handlung dort ist in sich stimmiger, der Bezug zum Titel toll beschrieben. Die Gegenwart bleibt da für mich leider deutlich zurück. Da ist mir die Handlung zu dünn. Wo auch immer die Idee herkam, jetzt auch noch dem bisher anonymen Vater eine Geschichte zu widmen - in dieser Form wäre es aus meiner Sicht nicht notwendig gewesen. Zumal diese "neue" Familie nur so vor Klischees strotzt. Der erfolgreiche Martin mit der absoluten Vorzeigefamilie. Schon bei den ersten Sätzen der Familienbeschreibung musste ich mit den Augen rollen. Auch Hannahs WG-Mitbewohner Justus ist ein wandelndes Berlin Kreuzberg Klischee. Er sollte vermutlich als witziger Gegenpart konstruiert sein, bei mir kam der Humor leider nicht an, obwohl her absichtlich überzogen dargestellt wird. Die Berührungspunkte dieser beiden Handlungsstränge sind leider oblatendünn. An der Stelle war ich wirklich überrascht, denn ich konnte mir bis zum Schluss nicht recht vorstellen, wie beide miteinander zusammenhängen sollen. Die Auflösung bezieht sich dann wieder auf den Titel (den ich im Übrigen unheimlich schön finde!), hat mich aber auch etwas enttäuscht zurückgelassen.
Gelungen finde ich dagegen die Darstellung der recht orientierungslosen Hannah, die gar nicht so richtig weiß, was sie jetzt glauben, denken oder fühlen soll. Die mit der ganzen Situation überfordert ist. Die erst über Umwege zu einer persönlichen Erkenntnis, mit der sie eine für sich finale Entscheidung trifft, findet. Man wünscht ihr automatisch ganz viel inneren Frieden.
Man muss die anderen Bücher nicht gelesen haben, die Geschichte funktioniert grundsätzlich auch alleine. Was aus meiner Sicht auch eine Stärke der Autorin ist. Das Buch lässt sich angenehm lesen. Aber ich wünsche mir von der Autorin so langsam eine ganz neue Geschichte, die nichts mit den Borowskis und ihrer Familiengeschichte zu tun hat. Denn die ist aus meiner Sicht jetzt endgültig auserzählt.
Eine Familiengeschichte authentisch und tiefgründig erzählt
Klappentext: Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen liegt zusammengekauert in der Schublade einer Bauernkommode in einem verlassenen Forsthaus. Als sie sich endlich befreit, entdeckt sie dort eine alte, etwas unscheinbare Leinwand. Wilma, die Marlen geholfen hat sich rechtzeitig vor den russischen Soldaten zu verstecken, nimmt die junge Waise bei sich auf. Denn Wilma hat ein Geheimnis, das sie zu zerstören droht. Berlin, 2023: Hannah Borowski ist 34 Jahre alt und alles wäre gut, wenn nicht ihre beste Freundin Rubi plötzlich ausziehen würde. Und wenn nicht plötzlich Hannahs Vater wieder aufgetaucht wäre. Und was wurde aus der wertvollen Leinwand, die einst Hannahs Großmutter gehörte und die sich wie ein roter Faden durch ihr bisheriges Leben zieht?
„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ Alena Schröder, ist der 3. Roman, der sich mehr oder weniger mit der Familie Borowski beschäftigt. Im 1. Band „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ hat man Hannah und ihre Großmutter Evelyn kennengelernt. Hier bekommt Evelyn einen Brief aus Israel, in dem sie als Erbin eines im Krieg geraubten Gemäldes genannt wird. Hannah macht sich daran, Nachforschungen anzustellen. Im 2. Band „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ lernt man Silvia, die Tochter von Evelyn kennen, die im 1. Und 3. Band schon verstorben ist. Hier wird das Leben von Dr. Evelyn Borowski erzählt und von Silvia, die sich immer ungeliebt fühlte. Im 3. Band „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ ist nun auch Evelyn verstorben und Hannah bekommt plötzlich Besuch von ihrem Vater, den sie nicht kennt. Des Weiteren geht es zurück in die Vergangenheit und es wird die Geschichte von Marlene erzählt, die als 14-järiges Mädchen von einer Malerin adoptiert wird.
Auch dieses Buch hat wieder einen außergewöhnlichen Titel, ich musste das Buch einfach wieder in die Hand nehmen. Dazu kommt nach, dass mir die beiden anderen Bände von Alena Schröder sehr gut gefallen haben.
Es ist wieder eine Familiengeschichte, eigentlich sind es zwei Familiengeschichten, die in zwei Handlungssträngen erzählt werden. Ich weiß nicht welcher Handlungsstrang mir besser gefallen hat. In der Gegenwart habe ich mich gefreut mehr über Hannah zu erfahren und mitzuerleben, wie sie damit umgeht, plötzlich ihrem Vater gegenüberzustehen. In der Vergangenheit hat mich die Geschichte von Marlen gefesselt. Wie sie auf Wilma trifft die sie adoptiert hat und im Malen ausgebildet hat.
Alena Schröder hat mit dieser Geschichte eine sehr schöne Fortsetzung ihrer Romanreihe veröffentlicht. Eigentlich steht jeder Roman für sich und kann auch unabhängig gelesen werden. Ich habe es aber genossen, die drei Roman nacheinander zu lesen.
Die Protagonisten sind gut in Szene gesetzt, wirkten sehr lebendig und waren mir auch schnell sympathisch. Der Schreibstil von Alena Schröder ist unkompliziert und flüssig. Die Sprache ist vielschichtig, je nach Charakter, Situation und Zeit wandelt sie sich von flippig bis situiert. „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel““ ist wieder ein ganz besonderer Roman von Alena Schröder. Eine Familiengeschichte so authentisch, tiefgründig und unterhaltsam erzählt. On man in einem weiteren Roman noch einmal auf Hannah trifft? Ich lasse mich überraschen.
Eine würdige Fortsetzung, die Lust auf mehr macht.
1945-1961 Güstrow
Wir erleben die Flucht von Marlen, die sich aus einer Familientragödie retten konnte, und anschließend Zuflucht in einem verlassenen Forsthaus findet. Wilma versteckt das 14-jährige Mädchen in der Schublade einer Bauernkommode vor den Russen. Im Anschluss nimmt die hagere Frau Marlen zu sich nach Hause in ihr Waldhaus. Sie adoptiert das Mädchen und weist sie in die Kunst der Malerei ein. Marlen zeigt viel Talent und hat ein Geheimnis. Damals, in der Schublade im Forsthaus, hat sie versehentlich ein kleines Bild beschädigt, das sie wieder reparieren möchte. Eine junge Frau, am Fenster stehend ...
2023 Berlin
In der Gegenwart erlebt Hannah einen großen Abschiedsschmerz, da ihre beste Freundin Rubi aus der gemeinsamen Wohnung in Berlin auszieht. Rubi erwartet von ihrem Freund Max ein Kind.
Zu ihrer größten Verwunderung meldet sich ihr leiblicher Vater, nachdem er jahrelang den Kontakt zu ihr gemieden hatte.
Alena Schröder bringt die Gefühle der Figuren wunderbar zum Ausdruck; ohne große Gefühlsduselei. Der coole Humor täuscht nicht über die innere Zerrissenheit von Hannah hinweg. Sei es die Unsicherheit gegenüber ihrem Vater oder das Verlassenheitsgefühl, nachdem ihre Freundin ausgezogen war.
Besonders Marlen geht einem ziemlich nahe. Sie trifft im Laufe der Geschichte eine Entscheidung, für die ich ihr sehr großen Respekt zolle. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich gehandelt hätte. Das Leben im Waldhaus war nicht immer leicht für Marlen, da sie nie ein selbstbestimmtes Leben führen konnte. Die alte, schrullige Burgel führte den Haushalt, und Marlen erstellte, nach genauen Anweisungen von der erblindenden Wilma, Bilder. Im Großen und Ganzen verlief das Leben der drei Frauen harmonisch. Nachdem Wilmas Mann aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, hing der Haussegen schief.
Die Geschichte wirft viele Fragen auf, die nicht so einfach zu beantworten sind. Wie weit man sich der Familie verpflichtet fühlen muss oder ob man ein selbstbestimmtes Leben führen kann, ohne Rücksicht auf die Angehörigen. Selbst dann, wenn es sich um keine Blutsverwandten handelt.
Der Schreibstil enthält unverkennbar Frau Schröders Handschrift und hat mich wieder mal an die Seiten gefesselt. Alle Figuren sind gut gezeichnet und haben Erkennungswert. Hannahs Gedanken kommen sehr humorvoll und menschlich daher. Bei sämtlichen Situationen konnte ich sie sehr gut nachvollziehen und so manche Situationskomik hat mich zum lächeln gebracht.
Ich empfehle Euch das Buch, wenn ihr gerne Familiengeschichten lest, die wie mitten aus dem Leben gegriffen wirken. Nichts wird hier beschönigt – nichts unnötig dramatisiert. Diese Besprechung enthält nur einen kleinen Teil des Buches. Den Rest zu entdecken lohnt sich.
"Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid." "Bei euch ist es immer so unheimlich still." "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel."
Diese drei Buchtitel klingen wie eine kleine Kurzgeschichte. Eine klare Empfehlung für alle drei Titel.
Ein herzliches Dankeschön geht an Alena Schröder und den Dtv-Verlag. "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" war aber noch nicht das Ende, oder? Ich wüsste wirklich sehr gerne, wie es mit Hannah weitergeht.
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder erschien bei dtv. Das Hörbuch wurde von Julia Nachtmann für Hörbuch Hamburg eingelesen. Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen. Zum einen im Mai 1945 in Güstrow und zum anderen 2023 in Berlin. Während wir Marlen in Güstrow begleiten dürfen, lernen wir Hannah in der Gegenwart kennen.
Für mich ist es das zweite Buch von Alena Schröder, das ich einfach nur verschlungen habe. Daher kann ich dir auch „Bei euch ist es so unendlich still“ sehr ans Herz legen. „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht blaues Kleid“ liegt noch ungelesen auf meinem Nachttisch und wird vermutlich ebenfalls bald gelesen. Alle drei Bücher sind eigenständig und nicht wirklich als Reihe deklariert. Dennoch gibt es Verbindungen über die handelnden Personen. Im Prinzip geht es in jedem Buch auf die eine oder andere Weise um Hannah, ihre Mutter Silvia und deren Mutter Evelyn.
Im vorliegenden Band ist Hannah Borowski 34 Jahre alt. Ihre Familie hat sie inzwischen zu Grabe getragen. Nur ihr Erzeuger wandelt noch unter den Lebenden, zu dem sie bisher keinerlei Kontakt pflegte. Ob sie jetzt noch eine Beziehung zu ihm aufbauen kann ist fraglich.
Die Geschichte springt immer wieder zwischen Marlen und Hannah hin und her. Während ich bei Marlen die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs sprachlos verfolgen muss, darf ich bei Hannah die ganz alltäglichen Probleme erleben. Diese wirken im Vergleich zu Marlens Erfahrungen fast leicht.
Ich muss gestehen, dass ich mich besonders in Marlens und Wilmas Erzählungen verloren habe. Letztere ist quasi die Ziehmutter von Marlen. Hier darf ich einen Blick in Wilmas Atelier werfen und bekomme eine Idee davon, wie es zum Titel des ersten Buches von Alena Schröder kam. Solche Zusammenhänge mag ich total.
Gespannt habe ich verfolgt, wie Marlen sich weiterentwickelt und immer stärker wird. Die beiden Erzählstränge laufen dabei langsam aufeinander zu. Mit Hannah reise ich zwar nicht direkt in die Vergangenheit, komme Marlen aber dennoch immer näher. Was genau die beiden Frauen miteinander verbindet, verrate ich dir nicht. Ich möchte dir schließlich nicht zu viel vorwegnehmen. Wenn du jedoch die ersten beiden Bücher gelesen hast, wirst du vielleicht eine Idee entwickeln.
Magst du Geschichten, die in mehreren Zeitebenen spielen? Tauchst du gerne in Geschichten mit starken Frauen ein? Dann bist du hier genau richtig. „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder entführt dich in eine bewegende Geschichte. Freue dich auf Hannah und ihren Einsatz für die Menschenrechte. Sie ist von ihrer Arbeit vollkommen überzeugt. Im Gegensatz dazu erfährst du bei Marlen, wie ihr das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben fast genommen wurde. Begleite sie durch die letzten Tage des Krieges und erlebe mit, wie sie ihr Leben in der DDR gestaltet. Und schaue dabei ganz genau auf die Leinwand, um das Bild zu erkennen, an dem sie jahrelang arbeitet. Für mich war es eine Geschichte voller Höhen und Tiefen mit zwei starken Frauen, die auf ihre ganz eigene Art mit beiden Füßen im Leben stehen. Ich habe die Geschichte einfach nur verschlungen und empfehle sie sehr gerne weiter.
Zwei Frauen, zwei Zeitebenen und die Frage, ob wir unseren Eltern etwas schulden und wenn ja, wie wir uns daraus befreien können. Alina Schröder erzählt davon.
Von Marlen, die als 14jährige in einer Schublade kauert, die ihr als Versteck vor den Russen dient. Als sie endlich herauskriechen kann, bemerkt sie unter einer Lage alter Zeitungen ein kleines Bild, an dem sie in ihrem finsteren Unterschlupf mit einem Fingernagel die Farbschicht zerkratzt hatte. Von da an hütet sie dieses Porträt einer jungen Frau wie ihren Schatz.
Der 34jährigen Hannah begegnen wir 2023 in Berlin. Sie weiß von einem verschollenen Bild, das einst ihrer Großmutter Evelyn gehört hat. Die Spur führt nach Güstrow zu einem Haus, das es nicht mehr gibt. Momentan jedoch hat Hannah andere Sorgen. Ihr Vater, den sie nicht kennt, hat sich gemeldet. Warum so plötzlich? Nachdem ihre Mutter und auch ihre Großmutter tot sind?
Von 1945 bis 2023 spinnt Alena Schröder den Faden, der Prolog führt ins Jahr 1989 in das Notaufnahmelager Marienfelde in Westberlin. Davor (ab 1945) sind wir mit Marlen in Güstrow und danach, im Jahre 2023, mit Hannah in Berlin.
Beide Zeitebenen berichten von Verlust, vom Suchen nach der eigenen Identität, vom Abschied nehmen und von Neuem, das man nicht immer zulassen kann. Von Freundschaft und Zusammenhalt lese ich und auch von dem Gefühl, den anderen ohne Worte zu verstehen. Entscheidungen, die nicht nur das eigene Leben betreffen, hinterlassen oftmals ein schales Gefühl. Ein Gefühl, dem man sich nicht entziehen kann, auch wenn der Weg, für den man sich entscheidet, viel Schmerz beinhaltet.
Beide Erzählstränge sind sehr intensiv. Bei Marlen ist es Wilma, die ihr einst als 14jährige ein Zuhause gegeben hat. Sie leben im Osten, Güstrow liegt in der ehemaligen DDR. Marlen wollte Kunst studieren – warum es nicht dazu gekommen ist, wird erst spät sichtbar. Die alte Burgel lebt schon immer hier, sie hat Jon großgezogen, der im Krieg als verschollen gilt. Die drei Frauen müssen miteinander klarkommen, was nicht immer einfach ist und doch ist es die beste aller Möglichkeiten. Und Hannahs Sorgen haben viel mit „Martin Klammer auf Papa Klammer zu“ zu tun und einer Lüge, die sie irgendwann durchschaut.
Dieses Buch ist das dritte einer Reihe, die beiden Vorgängerbücher habe ich jedoch nicht gelesen, habe aber nicht das Gefühl, dass mir Relevantes fehlt. In beide Erzählebenen bin ich gut gestartet, sowohl die Hauptakteure als auch die Nebenfiguren sind gut skizziert, ich hatte für jeden einzelnen ein Bild vor Augen. Der heimliche Star, das kleine Bild in Öl gemalt, ist aber eher bei Marlen verortet, denn bei Hannah ist es die Geschichte um ihren seit jeher abwesenden Vater, der sich urplötzlich in ihr Leben drängt. Überhaupt haben beide Geschichten nur marginal miteinander zu tun und doch finde ich sie beide stimmig, was auch dem einnehmenden Erzählstil geschuldet ist.
„Mein ganzes Leben,Öl auf Leinwand ohne Titel“ ist der dritte Band einer Familiengeschichte, die Alena Schröder mit diesem Buch zum Abschluss bringt. Wie auch in den Vorgängerbänden schreibt die Autorin auf zwei Zeitsträngen, in der Vergangenheit und in der Gegenwart.
Kurz nach dem Krieg entkommt die 15 jährigeMarlen dem Todesstrudel von Demmin. In einem alten Forsthaus bei Güstrow lernt sie Wilma kennen, die sie rettet und unter ihre Fittiche nimmt, denn Marlen’s Mutter hat sich aus Angst vor den Russen das Leben genommen und ihren Bruder und auch Marlen mit in den Tod reißen wollen, Marlen konnte sich retten, ihr Bruder starb. Zusammen mit der Haushälterin Bergel leben die drei abgeschieden in einem Haus bei Güstrow. Wilmas Mann, ein bekannter Maler, ist verschollen, Wilma glaubt ihn tot, worüber sie nicht traurig ist, denn die Ehe war von Gewalt und Unterdrückung geprägt. Wilma ist selbst Malerin, hatte neben ihrem Mann nie eine Chance. Nun steigt sie zur bekannten Malerin des sozialistischen Realismus auf und Marlen wird ihre Assistentin, auf die sie im Laufe der Zeit immer mehr angewiesen ist, da sie nach und nach ihr Augenlicht verliert. Marlen malt die Bilder nach Wilmas Anleitung, doch auch Marlen ist künstlerisch ambitioniert, was sie aber verschweigt und im Geheimen auslebt an einem Gemälde, dass sie bei ihrer Flucht gefunden hat und auf das sie Schicht für Schicht ihr Leben und ihre Fantasie überträgt.
In der Gegenwart lernen wir Hanna kennen, die wir schon aus dem ersten Buch der Autorin kennen. Nach Jahrzehnten der Abwesenheit meldet sich Hannahs Vater bei ihr und Hannah fragt sich, was er von ihr will und warum er sich die ganze Zeit nicht um sie gekümmert hat.
Beide Geschichten habe ich gerne gelesen. Hannah, in der Gegenwart war mir sehr sympathisch und ich konnte ihre Gedanken, ihre Gefühle und ihr Handeln sehr gut nachvollziehen.
Sehr berührt hat mich aber auch die Vergangenheitsgeschichte, in der Marlens Leben beschrieben wird, was mich sehr angerührt hat. Ich konnte beide Frauen irgendwie verstehen, fand das Verhalten von Wilma aber schon übergriffig und grenzwertig, da sie das Leben von Marlen nachhaltig beeinflusst hat.
Die Autorin versteht es sehr gut ihre Figuren so zu gestalten, dass man als Leser einen emotionalen Bezug zu ihnen bekommt, was das Lesen für den Leser sehr intensiv und nachhaltig macht. Ihr Schreibstil ist eingängig, ruhig und doch sehr einprägsam.
Wie die einzelnen Geschichten der Bücher der Autorin, die man aber alle unabhängig voneinander lesen kann, zusammenhängen, erfährt man im Epilog dieses Buches. Ich fand es gekonnt.
MEIN GANZES LEBEN, ÖL AUF LEINWAND, OHNE TITEL Alena Schröder ET: 19.01.2026
Das neueste Buch von Alena Schröder spielt – wie gewohnt – auf zwei Zeitebenen. Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei Frauen.
Güstrow, 1945: Die 14-jährige Marlen versteckt sich vor den russischen Soldaten, die auf dem Vormarsch Richtung Deutschland sind und Zerstörung und Gewalt hinterlassen. Zuflucht findet sie in einem alten, verlassenen Forsthaus. Ihre Mutter und ihr jüngerer Bruder haben sich im Fluss bei Demmin ertränkt – nur Marlen konnte sich in letzter Sekunde aus dem festen Griff ihrer Mutter befreien.
In ihrem Versteck entdeckt sie nicht nur ein kleines, auf Leinwand gemaltes Bild, sondern begegnet auch Wilma, die Marlen mitnimmt und ihr zunächst für ein paar Tage Unterschlupf bietet. Doch aus Tagen werden Jahre. Wilma ist mit dem Maler Jon verheiratet, der nach dem Ende des Krieges nicht von der Ostfront zurückkehrt. Sie beginnt, seine Leinwände zu übernehmen und zu übermalen. Endlich kann sie ihre eigene Kunst ausleben, die ihr in der Ehe mit ihrem Mann verwehrt blieb. Wilma brennt für den Sozialismus und malt heroische Bilder. Auch Marlen lernt ihre Techniken, entwickelt jedoch bald eigene Vorstellungen, die nicht zu Wilmas Idealen passen.
Berlin, 2023: Die 34-jährige Hannah lebt allein in ihrer Wohnung in Berlin, als plötzlich ihr Vater auftaucht – ein Mann, den sie nie kennengelernt hat. Angeblich wollten ihre verstorbene Mutter und Großmutter nie, dass er Kontakt zu ihr aufnimmt. Doch Hannah will diese Erklärung nicht glauben. Sie ahnt, dass ihr Vater andere Gründe hat, sich ausgerechnet jetzt bei ihr zu melden.
Welches Geheimnis dahintersteckt und was all das mit der kleinen Leinwand zu tun hat, die einst Marlen fand, müsst ihr selbst herausfinden.
Der Schreibstil von Alena Schröder ist wie gewohnt leicht und von der ersten Seite an wunderbar zu lesen. Federleicht verwebt sie die Frauen in ihren jeweiligen Lebenszeiten und schafft damit ein bildliches, vielschichtiges Porträt. Die Seiten flogen nur so dahin, und ich fühlte mich den Protagonistinnen schnell verbunden.
Allerdings fehlte mir die Verbindung zwischen den beiden Frauen. Außerdem wird an einer Stelle erwähnt, dass Marlen schwanger ist, dieser Handlungsfaden wird jedoch nicht weitergeführt. Trotz dieser kleinen Kritikpunkte war das Buch für mich ein echter Lesegenuss, weshalb ich es euch insgesamt uneingeschränkt empfehlen kann. 4/5
Eher belanglos Es gibt Bücher, von denen ich wünschte, dass die Handlung noch weitergingen. Es gibt aber auch Bücher, bei denen ich froh bin, dass sie endlich ausgelesen sind. "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel, gehört leider zu der zweiten Kategorie. Ich habe die beiden Vorgängerbücher um die Geschichte von Evelyn und Hannah Borowski gerne gelesen und war deshalb umso mehr enttäuscht. Das, was die beiden Vorgängerbücher kennzeichnete, war die geschickte Verbindung von Familiengeschichte und Zeitgeschichte. Gerade dieser Aspekt spielt in dem neuen Buch von Alena Schröder kaum eine Rolle. Die Handlung spielt auf zwei zeitlichen Ebenen mit unterschiedlichen Figurenkreisen, die zunächst überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Doch auch die sehr lockere Verbindung, die in den letzten Kapiteln dem Leser entdeckt werden, vermag nicht zu überzeugen. Die erste Handlungsebene spielt zwischen den 40-60er Jahren in Güstrow und dreht sich in erster Linie um künstlerische Prozesse, genauer um die Differenz zwischen abstrakter Malerei und den Vorstellungen des sozialistischen Realismus. Die Differenz allerdings wird kaum thematisiert, ich glaube, der Begriff "sozialistischer Realismus" fällt nicht einmal. Zeitumstände wir der Nationalsozialismus und der Aufbau der DDR spielen kaum eine Rolle. In diesen Zusammenhang gehört auch der Titel des Romans. Das Bild, das gemeint ist, spielt im zweiten teil keine Rolle mehr. Erwähnt wird das Aufhängen der Skulptur "Der Schwebende" von Ernst Barlach im Güstrower Dom 1955. Die Auseinandersetzungen darum aber spielen wieder keine Rolle. Für mich sind das verpasste Chancen. Die zweite Handlungsebene spielt im Berlin der 2020er Jahre und thematisiert die Persönlichkeitskrise von Hannah Borowski, dein den LeserInnen bereits aus den vorangegangen Büchern bekannt ist. Zum einen geht es um die Enttäuschung über ihren leiblichen Vater. Diese Enttäuschung hat mich allerdings nur wenig berührt, weil der Vater von Anfang an negativ dargestellt wird, sodass statt "Das hätte ich nicht gedacht" nur ein "Das hat man sich ja von Anfang an denken können." Die zweite Auseinandersetzung findet mit Justus, dem unfreiwilligen Mitbewohner von Hannah statt. Justus wiederum ist so albern dargestellt, dass auch dieser Konflikt mich kaum beschäftigt hat. Auch in dem zweiten Teil spielt Zeitgeschichte kaum ein Rolle. Insgesamt ist der Roman enttäuschend, weil einfach überflüssig.
Was hat es mit einen alten Gemälde auf sich, dass seit Generationen in der Familie ist? Und welche Rolle spielt das DDR Regime in der Familie? Das alles ist Thema in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel.“
Marlen ist noch ein junges Mädchen, als sie sich 1945 in einer Schublade vor russischen Soldaten versteckt. Ihre Retterin Wilma nimmt sich ihrer an und es gelingt Marlen, ihre Fähigkeit zum malen und zeichnen zu entwickeln. Dabei entsteht ein besonderes Gemälde…
Hannah lebt 2023 in Berlin und fühlt sich mit Veränderungen konfrontiert. Ihre schwangere beste Freundin zieht aus, ihre Kollegin nutzt sie für ihre Bedürfnisse aus und ihr Vater, zu dem nie Kontakt bestand, tritt in ihr Leben. Und dann findet sie ein Gemälde im Nachlass ihrer Großmutter….
Ich habe bereits „Junge Frau am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ von der Autorin gelesen, wo ebenfalls ein Familiengeheimnis offengelegt wurde. Hier erkenne ich ein ähnliches Muster: Marlen und Wilma haben einiges an Familiengeschichte, die mit den Bild verknüpft ist. Es drückt Unterdrückung, Machtgefüge und Gefangen sein aus. Das alles passt zur Besatzung, mit der ich durch Marlens Erinnerung direkt konfrontiert werde, aber auch zu der Unterwürfigkeit der Frauen in einer von Männer dominierten Gesellschaft. Marlen zum Beispiel konnte kein selbstbestimmtes Leben führen und nutzt das Kunstwerk zur Kommunikation, was ich sehr spannend finde. Zu der Kommunikation durch das Gemälde passt Alena Schröders Schreibstil. Sie schreibt alltagsnah, zugleich bildhaft und beschreibend. Ich bekomme durch Sprache und Schreibstil einen sehr authentischen Eindruck der einzelnen Situationen und kann das Buch gut lesen.
Allerdings gibt es ein paar Faktoren, die das Lesevergnügen stören. So beschäftigt sich Hannah wenig mit dem Gemälde. Mir scheint, als würde es in der Gegenwart untergehen, was der Kraft des Bildes widerspricht. Generell scheint Hannah sich kommunikativ schwer zu tun. Sie sagt nicht nein zu den Bitten ihrer Kollegin und setzt ihren Vater erst sehr spät eine Grenze. Das ist sehr schade und passt nicht zu Marlens Kampf um etwas Selbstbestimmung. Insgesamt kann ich den Roman jeden empfehlen, der einen Familienroman mit leichten Schwächen sucht. Vier Sterne von mir.
Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut, da ich die beiden vorherigen Bücher der Autorin sehr geliebt habe, und auch dieses Buch hat mich vollkommen überzeugt. Wie schon zuvor erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen von Frauen, deren Leben von Umbrüchen, Verlusten und der Suche nach Zugehörigkeit geprägt sind. In der Nachkriegszeit begleitet man Marlen, die als junges Mädchen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs plötzlich auf sich allein gestellt ist. Sie findet Schutz bei einer Frau, zu der sich im Laufe der Jahre ein kompliziertes, enges und zunehmend belastendes Verhältnis entwickelt. Diese Geschichte ist still, eindringlich und von einer unterschwelligen Spannung getragen. Vieles wird nicht ausgesprochen, wirkt aber umso stärker nach. Marlens Weg ist geprägt von Anpassung, Durchhaltewillen und einer leisen Stärke, die mich sehr berührt hat. In der Gegenwart folgt man Hannah, Mitte dreißig, deren Leben nach außen eigentlich geordnet scheint. Doch als sich Freundschaften verändern, ihre beste Freundin einen ganz anderen Lebensentwurf wählt und familiäre Fragen plötzlich Raum einnehmen, gerät sie ins Wanken. Besonders eindrucksvoll fand ich, wie ehrlich dieses Gefühl beschrieben wird, stehen zu bleiben, während alle anderen scheinbar mühelos vorankommen. Hannahs Zweifel, ihre Unsicherheit und ihr Ringen um Selbstverständnis wirken sehr nah und authentisch. Beide Erzählstränge greifen ruhig ineinander und spiegeln sich thematisch, ohne sich aufzudrängen. Die Figuren, auch die Nebenfiguren, sind fein gezeichnet und entwickeln Tiefe. Der Schreibstil ist warm, bildhaft und sehr flüssig zu lesen. Schwere Themen werden behutsam erzählt und lassen Raum für eigene Gedanken.
Als ich das Buch beendet hatte, war ich traurig, mich von diesen Figuren verabschieden zu müssen. Für mich ist dieser Roman eine klare Fünf-Sterne-Lektüre und eine große Empfehlung, besonders für alle, die die vorherigen Bände bereits ins Herz geschlossen haben.
Kurzmeinung: Ein leise erzählter, emotionaler Roman über Herkunft, Verlust und das Ankommen bei sich selbst.
Als ich den Klappentext von „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ las, wusste ich sofort: Ich werde wieder tief in die Welt von Hannah und ihrer Familiengeschichte eintauchen. Nach „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ hat Alena Schröder erneut ein Buch geschrieben, das mich emotional abgeholt hat. Der neue Roman knüpft thematisch an die beiden Vorgänger an, lässt sich aber – was ich sehr schätze – auch als eigenständige Geschichte lesen. Was mich direkt beeindruckt hat, ist nicht nur die erzählerische Tiefe, sondern auch das Cover. Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht schlicht, doch die zarten und zugleich kräftigen Farben strahlen für mich etwas Positives und Lebendiges aus – fast so, als würde das Cover bereits andeuten, was einen im Inneren des Romans erwartet.
Zum Inhalt: In dieser Geschichte treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander. Zwei Zeitebenen, die kunstvoll miteinander verwoben sind und eine Geschichte über Herkunft, Verlust und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben erzählen. Im Jahr 2023, in Berlin, verfolgen wir Hannah und ihren Lebensweg. Beruflich hat sie ihren Platz gefunden und fühlt sich angekommen. Doch als ihre beste Freundin auszieht und ihr entfremdeter Vater – den sie nie wirklich kennengelernt hat – plötzlich versucht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen, gerät ihr Leben zunehmend aus dem Gleichgewicht. Die zweite Zeitebene führt uns ins Jahr 1945, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in die ostdeutsche Stadt Güstrow. Die junge Waise Marlen ist auf der Flucht vor Soldaten und muss sich verstecken. In ihrer Not begegnet sie der Künstlerin Wilma Engel, die sie bei sich aufnimmt und zu ihrem Mündel macht. Doch Wilma scheint mehr zu verbergen, als sie anfangs zeigt – und verfolgt offenbar ihre ganz eigenen Ziele.
Alena Schröder beweist erneut ihr feines Gespür für emotionale Tiefe und authentisches Erzählen. Mit einem zugänglichen, nie ins Kitschige abgleitenden Stil schafft sie ein Leseerlebnis, das ebenso berührt wie fesselt. Jede der beiden Zeitebenen funktioniert als eigenständige, spannende Geschichte – doch in ihrem Zusammenspiel entsteht ein berührendes Gesamtbild, das lange nachhallt. Ich mochte das eher ruhige Erzähltempo, es entschleunigt und passt zum Ton, ohne dass sich die Geschichte dabei dehnt.
Besonders haben mir außerdem die vielschichtigen weiblichen Protagonistinnen gefallen. Sie verleihen dem Roman eine besondere Stärke: sympathisch, eigensinnig und zugleich verletzlich Charaktere.
Das Lesen des Romans war für mich fast wie ein Heimkommen – voller vertrauter Charaktere, aber auch neuer Figuren, die der Geschichte frischen Wind und neue Perspektiven gegeben haben.
„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ ist für alle eine Leseempfehlung, die ruhige, fein erzählte Geschichten mit einem roten Faden und liebevoll beschriebenen Charakteren mögen. Ein Buch, das man mit einem guten Gefühl aus der Hand legt.
“Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel” von Alena Schröder spielt auf zwei Zeitebenen: In der ersten führt Hannah Borowski, die wir schon aus den beiden Vorgängerromanen kennen, 2023 in Berlin ein unaufgeregtes Leben. Als sich überraschend ihr Vater, zu dem sie nie Kontakt hatte, bei ihr meldet, wirbelt dieser so einige Gewissheiten durcheinander. Die zweite Zeitebenen beginnt 1945 in Güstrow, als sich die 14-jährige Marlen vor russischen Soldaten versteckt und dabei zufällig das Porträt einer jungen Frau entdeckt..
So ein schöner Roman! Und so ein gelungener Abschluss einer Reihe! Ich bin noch immer ganz begeistert. Müsste ich die drei Romane von Alena Schröder im direkten Vergleich bewerten, würde ich sagen, dass “Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid” immer noch mein Lieblingsbuch von ihr ist. Einfach, weil es mich seinerzeit ganz in seinen Bann gezogen hat und der erste Kontakt mit späteren Lieblingsautorinnen etwas ganz besonderes bleibt. Aber kurz dahinter kommt schon ihr neuestes Werk, das mit einem gewohnt langen Titel versehen wurde und die Geschichte um Hannah Borowski und dem Gemälde, das sich wie ein roter Faden durch die drei Bücher zieht, zu einem stimmigen Ende führt.
Eine große Stärke von Alena Schröder ist ihre klare Sprache und ihr auf die jeweilige Situation angepasster Erzählstil: Wird Hannahs Situation in der Gegenwart gefühlvoll, aber auch mit einem feinen Sinn für Humor beschrieben, werden die Geschehnisse um Marlen und Wilma nach Kriegsende und zu Beginn der DDR hingegen in einer ernsteren und beklemmenden Tonlage erzählt.
Auch die Figurenzeichnung empfand ich erneut als komplex, nachvollziehbar und lebensnah: Seien es im historischen Kontext die junge und unscheinbare Marlen, die zwischen Loyalität und eigener Selbstverwirklichung ringt und die ältere Wilma, die sich endlich von selbst erlittener Gewalt befreit hat, diese nun aber auf Marlen zu übertragen beginnt. Oder in der Gegenwart Hannah, deren Familiengeheimnisse ihr Leben stark geprägt haben und sich auch auf ihre Alltagsprobleme auswirken.
Das Erzähltempo empfand ich als sehr ausgewogen. Es ist langsam genug, dass die Figuren genug Raum erhalten, sich zu entfalten, baut aber aufgrund der Geheimnisse und Verwicklungen, die es aufzuklären gilt, einen kontinuierlichen Sog auf, der mich bis zum Ende an die Geschichte gefesselt hat.
Fazit: “Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel” ist eine ganz und gar gelungene Fortsetzung einer gleichermaßen fesselnden wie gefühlvollen Reihe um Familiengeheimnisse und verschollene Kunstwerke.
Mit dem Buch „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ endet im Jahr 2023 die Geschichte der Familie Borowski. Die 34-jährige Hannah Borowski lebt und arbeitet in Berlin, führt einigermaßen ruhiges Leben. Bis plötzlich ihr Vater, den sie bisher nicht gekannt hat, auftaucht und ihr Leben durcheinanderwirbelt. Nach dem verschollenen Bild sucht Hannah nicht mehr. Auch in dem Teil der Jahrhundertgeschichte gibt es einen zweiten Handlungsstrang, der mich diesmal direkt nach Güstrow im Mai 1945 führt. In dem verlassenen Forsthaus versteckt sich die 14-jährige Waise Marlen vor den russischen Soldaten und findet dort in einer alten Kommode eine Leinwand, die sie dann mitnimmt. Bei der Künstlerin Wilma Engels findet Marlen ihr neues Zuhause. Beide Geschichten sind sehr interessant. Beide erzählen über bewegende Frauenschicksale, beide vermitteln ein Teil der deutschen Geschichte. Die bildhaft dargestellten Ereignisse wirken authentisch, ließen mich in das Geschehen eintauchen. Besonders interessant fand ich die Erzählung über die Nachkriegszeit in Güstrow, über die Veränderungen, die diese Ära für die Bevölkerung mit sich brachte. Alle Protagonisten überzeugen mit ihrem Handeln, ihre Sorgen und Gedankengänge sind nachvollziehbar und glaubwürdig. Etwas enttäuscht hat mich die Geschichte des verschollenen Bildes, die im ersten Buch so viel Platz einnahm und hier nur am Rande behandelt wurde. Die Familiengeschichte Borowskis wurde in drei Büchern erzählt. Auch wenn jedes Buch in sich abgeschlossen ist und alle drei unabhängig von einander gelesen werden können, bin ich froh, zuerst das erste Buch gelesen zu haben. So wurden für mich die Ereignisse des gesamten Jahrhunderts klarer, die Charaktere vertrauter. Fazit: eine lesenswerte Geschichte.
"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder ist in der Hörbuchfassung von Julia Nachtmann gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen. Die Stimme der Sprecherin kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit war diese noch sehr angenehm zu hören, Betonungen kamen gut heraus und auch verschiedene Charaktere waren durch eine gute modulierte Stimmführung erkennbar. Vor allem der Einsatz von Dialekten wirkte authentisch und konnte die Charaktere dadurch noch einmal realer erscheinen lassen. Die Bücher von Autorin Alena Schröder lese ich immer gern. Dieses Buch reiht sich in die vorangegangenen Bücher ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ und ›Bei euch ist es immer so unheimlich still‹ ein, weswegen es für einen großen Zusammenhang sinnvoll ist diese Bücher auch gelesen zu haben. Inhaltlich ist jedes Buch in sich jedoch eine geschlossene Geschichte und kann alleinstehend gelesen werden. In diesem Buch werden zwei Geschichten in unterschiedlichen Zeitebenen parallel erzählt. Der Wechsel zwischen den Protagonistinnen hat mir gut gefallen und auch die Zusammenführung beider Handlungsstränge ist auf einer übergeordneten Ebene gut gelungen. Gefallen haben mir ebenso Sprache und Schreibstil. Die Darstellung zweier unterschiedlicher und doch Gemeinsamkeiten habender Charaktere ist hervorragend gelungen - ebenso die Entwicklung beider. Für mich waren beide Erzählstränge gleichermaßen fesselnd. Schröder schafft es in einer ruhigen Atmosphäre dicht und zu erzählen und Emotionen zart herauszuarbeiten. "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" kann ich, genauso wie die zwei zugehörigen Bücher, nur empfehlen!