»Zum ersten Mal war ihr Problem nicht, dass sie zu wenig wusste. Das war in den einunddreißig Jahren davor der Fall gewesen. Sie war hier, weil sie zu viel wusste.«
Jule wurde mit dem Ruf geboren — der kosmischen Gabe, Materie mit dem Willen zu formen. Doch trotz ihrer langjährigen Ausbildung an der Zitadelle von Arges gelingt es ihr nicht, etwas aus ihrem Talent zu machen. Als Beschwörerin taugt Jule nicht viel, und so stellt sie sich auf eine schnöde Beamtenkarriere und gemütliche Pizzaabende ein. Ein Auftrag der Zitadelle bringt ihre Pläne allerdings Jule wird von intergalaktischen Rebellen entführt und landet mit einem schnippischen Monster im Kerker. Statt sie zu fressen, verbündet es sich mit Jule und macht ihr ein verlockendes Angebot. Bald schon ist Jule die argesische Geheimpolizei auf den Fersen, und die Götter selbst verwickeln sie in ein tödliches Spiel aus Intrigen, Lust und geheimnisvollen Mächten.
*************** Der Auftakt einer abenteuerlich-romantischen Reise, die Science-Fiction und Urban Fantasy verbindet.
»Arcane« trifft »Star Wars«.
Mit Illustrationen von Johanna Lehmert und Lunariztic.
Marie Meier hat meiner Meinung nach mit "Seelengrube" ein optisch wie inhaltlich ziemlich großartiges Romandebüt hingelegt, das ich am ehesten als Science Fantasy in Richtung "Ich bin Gideon" von Tamsyn Muir einordnen würde.
Zur Transparenz: Ich habe das Buch als Leseexemplar erhalten, mit Widmung und coolen Goodies.
Die Welt von "Seelengrube" ist einerseits definitiv futuristisch geprägt (interplanetare Reisen per Raumschiff, Hologrammtechnik, genetische Manipulationen, etc.), hat andererseits überraschend viel heutige Technik beibehalten. Ihre Gesellschaftsstruktur ist stark hierarchisch und kapitalistisch, so sehr, dass die Menschen in Arges, der "Stadt der Götter", je nach Stand in höheren oder tieferen vertikalen Stadtteilen leben. Sozialer und vertikaler Aufstieg ist das Ziel, aber in etwa so leicht möglich wie in der Realität - nur weniger verdeckt. Bei alledem überrascht es dann nicht weiter, dass von Arges aus andere Planeten durch staatlich-wirtschaftliche Mächte ausgebeutet werden. So weit, so Scifi - die Fantasy findet durch die religiösen Elemente und den Ruf Eingang in die Geschichte. Es gibt Gottheiten, die sehr greifbar und real auftreten und wiederum die Aspekte verkörpern, die elementare Bestandteile des Rufens - der "Magie" - sind. Nicht alle werden mit diesem Ruf geboren, doch wer es wird, kann an der "Zitadelle" lernen - und dadurch gesellschaftlich doch aufsteigen. Jule, die Hauptfigur, aus deren Sicht wir uns durch die Welt bewegen, wurde beispielsweise mit dem Ruf geboren, was sie zu etwas anderem als einem "Durchschnittsmenschen" macht, obwohl sie aus dem untersten Teil der Stadt stammt. Aber ein Systemsprenger ist sie dadurch nicht. Das ist sie eher durch etwas anderes.
Denn ein interessantes Detail ist, dass die Menschheit sich normalerweise nicht mehr durch Geschlechtsverkehr vermehrt - Jule ist aber auf "altmodische" Weise entstanden. Generell ist "Körperlichkeit" mit eigenwilligen Grenzen, die mir noch nicht durchgehend klar sind, etwas, das gesellschaftlich stark tabuisiert scheint. Gleichzeitig wird die höchste Kaste nach ihrem "Stadtteil", dem Lüster, als "Lüsterne" bezeichnet - was dann durch eine Szene im letzten Drittel des Buchs plötzlich doch doppelt Sinn ergibt. Das bedeutet natürlich nicht, dass romantische Gefühle genauso verrufen sind - und auch vorkommen. Als jemand, der nicht sonderlich viel Wert auf Romantik oder Erotik in Romanen legt, fand ich das ganze in diesem Fall ziemlich angenehm gelöst. Das "Liebesgeflüster" nimmt nicht zu viel Raum ein - und hat außerdem tatsächlich Relevanz für den Plot! Das macht für mich auch schon viel aus. Und was sich dadurch (und durch die andere mögliche Besonderheit an Jule, über die ich jetzt nichts verraten werde und mehr Erklärungen in Band 2 erhoffe) an Erotik ergibt, wird nicht bis zur letzten Schweißperle auserzählt, sondern durch die Umwelt gebremst oder ab einem gewissen Punkt der Fantasie der Lesenden überlassen. Insofern sie diese dafür anschalten möchten.
Ich würde jetzt gern noch lang und breit vom tollen Artwork im und am Buch erzählen, aber das hier ist sowieso schon so lang geworden. Abschließend möchte ich sagen: Ich hätte gern bitte jetzt, behelfsweise so schnell wie möglich, Teil 2. Mit einem Appendix, in dem ich jede winzigste Winzigkeit über den Ruf und die Aspekte nachlesen kann - bitte, bitte?
"Seelengrube", das Roman-Debüt von Marie Meier, ist ein für mich rundum gelungener Soft-Sci-Fi-Fantasy-Auftakt. Ich sage sowohl Sci-Fi als auch Fantasy, weil das Setting mit interplanetaren Reisen und Raumschiffen eindeutig Sci-Fi ist, es mit der Gabe des Rufs jedoch ein ziemlich starkes Magie-Pendant im Roman gibt, das auch eine gewichtigere Rolle einnimmt als die Sci-Fi-Elemente. Auch sonst wirkt das Setting sehr irdisch/geerdet. Die Technik ist zumeist vertraut, Speisen und Bräuche sowieso. Man kommt also gut in die Geschichte, was durch den cleveren Einstieg im Gefängnis noch erleichtert wird. Erst nach der Befreiung von Protagonistin öffnet sich die Welt von "Seelengrube" mit ihren Regeln für uns als Lesende. Jule ist derweil nicht perfekt, sondern leidet unter Prüfungsangst, kommt eher aus der Unterschicht und hat gelinde gesagt ein Alkoholproblem. All das macht sie nahbar und gibt ihr den Raum, sich zu entfalten und zu wachsen und aufzusteigen in der Hierarchie (und das tut sie), was wiederum eine spannende und neue Ausgangslage für den zweiten Teil der Reihe schafft.
Restlos überzeugen kann übrigens auch der trockene Humor, sowohl in den Dialogen als auch in den Beschreibungen. "Seelengrube" ist wirklich sehr unterhaltsam.
Zu erwähnen ist ansonsten nur noch, dass "Seelengrube" spürbar der erste Teil einer Reihe/Trilogie ist. Ist die Handlung abgeschlossen? Jain. Sie erreicht einen befriedigenden Zwischenpunkt, und man klappt als lesende Person das Buch glücklich zu, doch das Ziel von Protagonistin Jule ist noch lange nicht erreicht. So fühlt sich auch der Roman mehr wie eine Etappe eines großen Ganzen an als wie ein in sich geschlossener Einzelband. Also mehr "The Witcher" als "Percy Jackson", wenn das Sinn macht. Das ist kein Problem, man sollte es einfach nur bedenken.
Klappentext gelesen und gedacht: 𝗡𝗲𝗲, 𝗱𝗮𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁𝘀 𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗺𝗶𝗰𝗵: 𝗦𝗰𝗶𝗲𝗻𝗰𝗲-𝗙𝗶𝗰𝘁𝗶𝗼𝗻 𝗺𝗶𝘁 𝗠𝗮𝗴𝗶𝗲?!? Aber meine Freundin sagt: Probier es aus. Es ist super! Also habe ich es gekauft – und was soll ich sagen: 𝗘𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗯𝗲𝘀𝘀𝗲𝗿 𝗮𝗹𝘀 𝘀𝘂𝗽𝗲𝗿. 🌌
Es ist ein bisschen, als würde man Star Wars in viel schöner, mit einer wahnsinnig spannenden Magie verbinden. Und was ich wirklich liebe: Dieses Worldbuilding (grandios) erschlägt einen nicht. Man wird nicht reingeworfen und muss schwimmen, sondern die Welt entfaltet sich Stück für Stück, organisch, logisch, mit einem Magiesystem, das echte Regeln hat und nicht nur hübsch glitzert. ✨
Marie Meier schreibt 𝘀𝗽𝗮𝗻𝗻𝗲𝗻𝗱, 𝗶𝗻𝘁𝗲𝗹𝗹𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁, 𝘄𝗼𝗿𝘁𝗴𝗲𝘄𝗮𝗻𝗱𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝘀𝗼 𝘃𝗶𝘀𝘂𝗲𝗹𝗹, dass man die Szenen fast wie einen Film sieht. Gleichzeitig ist der Schreibstil emotional nah, ohne kitschig zu werden, und das Tempo sitzt einfach.
Und Leute… sie ist völlig anders. Sie hat ein 𝗴𝗮𝗻𝘇𝗲𝘀 𝗨𝗻𝗶𝘃𝗲𝗿𝘀𝘂𝗺 𝗲𝗿𝗳𝘂𝗻𝗱𝗲𝗻 – mit eigenen Wesen, Sprachen, Kulturen – und einer feinen, zarten, fast empfindlichen Art von Liebe, die so wundervoll ist. 💗
Außerdem hat sie mit Jule einen Charakter geschaffen, in dem wir uns alle wiederfinden. Sie ist festgefahren in ihrem Leben, nicht so richtig motiviert, unsicher, glaubt nicht an sich selbst… und manchmal braucht es den Anstoß eines „Monsters“, um über sich hinauszuwachsen und Dinge zu schaffen, die man nie für möglich gehalten hätte. Und dieses „Monster“ ist nicht einfach ein Monster – es ist eine Figur mit Tiefe, Geschichte, Emotionen und einer Dynamik zu Jule, die einen komplett packt. 🖤🐉
Was ich auch nicht erwartet habe: Der Humor. Diese leicht trockene, manchmal unbeholfene Art, die Jule hat, macht sie so unfassbar menschlich und warm.
Ein bisschen froh bin ich, dass ich das Buch erst jetzt entdeckt habe – denn es ist eine Reihe, und ich will wissen, wie es weitergeht. Und das tut es wahrscheinlich schon im April. 📅🔥
📌 𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁 Ein unheimlich gut geschriebenes Buch, das mich in seinen Bann gezogen hat und absolut lesenswert ist. ✨ Ein Genre-Mix, der eigentlich nicht funktionieren dürfte – aber es tut. Und wie.
Unterhaltsames Buch. Kein Knaller, aber nett und gut lesbar.
Was mich ein wenig gestört hat, ist wie sie klar in einem Unrechtsstaat leben, mit einer Stadt, die klar in wohlhabende und arme Bereiche getrennt ist, arme nicht mal in die Nähe der Reichen kommen, während die Machthabenden alles tun können was sie wollen, also auch einfach mal so Menschen ermorden und gleichzeitig die Hauptfigur 90% ihrer Zeit darauf verwendet in diesem System über Magieprüfungen aufzusteigen und im Ansehen der Machthabenden zu steigen, während gleichzeitig alle attraktiven Leute natürlich nur aus der höheren Schicht kommen oder die seltenen Fälle sind, die es geschafft haben sich hochzuarbeiten. Widerstand dagegen gibt es, aber er passiert am Rande, mehr als bedrohung für die HP als als wünschenswert. Irgendwie hat man zum Schluss doch das Gefühl, ist ja eigentlich ok so, man kann sich ja damit arrangieren
Seelengrube ist ein einladender und gelungener Start für die Sci-Fi Fantasy Reihe. Das Buch liest sich flüssig und macht Lust auf die Folgebänder. Der Inhalt ist präzise wie die Autorin ihr Werk beschreibt. Gutes Lesefutter für Monsterlovers, Rätsel- und Pizzaliebende.