Endlich ist es vorbei
Die entscheidende Schlacht um die Traum- und die Albtraumlande steht bevor und der angehende König aller Albträume hat endlich die Frau, die er liebt, wiedergefunden. Doch sie ist in die Minen der dunklen Essenz gestürzt und irgendetwas hat sie verändert…
„Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ fasst mein Leseerlebnis der Dreamcatcher-Reihe recht gut zusammen. Während die Autorin ein paar gute Ideen hatte, von Albträumen mit Persönlichkeit, Ländern, in denen die Träume selbst wohnen und nicht zuletzt auch drachenreitenden Traumfängern, ist die Umsetzung meilenweit von einer guten Geschichte entfernt. Erst brauchte die Handlung mehrere Bände, um überhaupt in Gang zu kommen, nur damit sie dem Leser dann über eine lange lange Zeit mit einer extrem naiven, unentschlossenen und manchmal regelrecht dämlichen Protagonistin auf den Keks gehen kann.
Tatsächlich würde ich sogar soweit gehen und sagen: Der nervige Albraum, der im ersten Band Besitz von der lieben Alexis ergriffen hat, ist mittlerweile mein Lieblingscharakter der ganzen Geschichte. Und sein Ende der Geschichte war mindestens unverdient und sehr schnell abgehandelt. Im Gegensatz zur tatsächlichen Handlung. Während es eigentlich um die Rettung der Traumlande gehen sollte, verfolgt der Leser Buch für Buch das Beziehungsdrama von Alexis und Prinz Nate und später dann Prinz Cael. Bis sie aus ihren rosaroten Tagträumen aufwacht und die Welt so wahrnimmt, wie sie ist, vergeht schon eine Weile und bis die schicksalhaften Geliebten dann endlich mal zueinanderfinden, braucht es doch tatsächlich bis zum letzten Buch.
Ständig hat die Autorin das Drama zwischen den beiden in die Länge gezogen, mit immer lächerlicher werdenden Begründungen und Alexis zunehmender Beschränktheit. Das führte dazu, dass die übergeordnete Handlung der Reihe sich höchstens im Schneckentempo entwickelt und dem Leser jedes Quäntchen Geduld abfordert. Es gab zwar ein paar bessere Wendungen im letzten Teil, doch Alexis und Wraiths Zirkus hinterlässt bei mir mehr denn je nur Fragezeichen.
Dazu kommt dann der wirklich schreckliche Schreibstil der Autorin, die meint, es wäre relevant, ihre Protagonistin alle paar Sätze das offensichtliche feststellen zu lassen, Geschehnisse nur umschreibt, statt sie einfach passieren zu lassen, Perspektiven mitten im Satz ohne Ankündigung wechselt und jeden dritten Satz mit „Es war…“ beginnt. Da drängt sich doch die Frage auf, wie dieses Buch (und die Vorgänger) es durch das Lektorat geschafft haben. Aber Tipp-, Rechtschreib- und Grammatikfehler tauchen auf diesen Seiten genauso häufig auf wie immer gleiche Wiederholungen immer gleicher Phrasen und Formulierungen.
Die letzten einhundertfünfzig Seiten steuern wir dann ziellos auf ein übertrieben aufgebauschtes, dramatisches Finale hin, einem Showdown, der zwar bestimmt Eindruck hinterlässt, aber keinen guten. Immerhin sterben alle, die man irgendwie mögen konnte, besonders die, die immer auf dem Cover zu sehen sind, aber in der Geschichte fast nie auftauchen.
Mit anderen Worten: Endlich ist es vorbei. Auch wenn der Klappentext des ersten Teils interessant und vielversprechend klingt, lasst die Finger von dieser Reihe. Selbst ein Leser, der gern mal ein bisschen Kitsch liest, wird hier nur die Augen verdrehen und sich fragen, wo die vergeudete Lebenszeit hin ist. Es gibt bessere Bücher da draußen, in denen vielleicht auch Drachen drin sind und nicht nur draußen drauf.