„Lass uns noch mal hinfahren, ja? Wenn ich hier raus bin, nur du und ich.“ S.65
Ich bin gerade über ein echtes Juwel gestolpert: Und dann springen wir von Gianna Lange. Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und tief berührt. Es ist so eine Geschichte, die man anfängt und einfach nicht mehr weglegen kann, weil sie einen mit so viel Gefühl packt.
Wir begleiten Rosa, die nach dem Tod ihrer Mutter Elise in einer tiefen Trauer steckt. Um sich ihrer Vergangenheit und ihrer Mutter wieder näher zu fühlen, reist sie nach Mostar in Bosnien und Herzegowina, ein Ort, der eng mit den Erinnerungen an ihre Mutter verbunden ist. Diese Reise wird zu einer emotionalen Auseinandersetzung mit Verlust, aber auch mit der Suche nach der eigenen Identität und der Hoffnung auf einen Neuanfang. Es ist faszinierend, wie die Erinnerungen an frühere Reisen mit ihrer Mutter sich mit den Erlebnissen in der Gegenwart vermischen.
Gianna Lange hat eine unglaublich schöne und einfühlsame Sprache. Sie schafft es, ernste Themen wie Trauer und Identitätsverlust so emotional und gleichzeitig lebendig zu beschreiben, dass man mit Rosa fühlt, lacht und manchmal auch ein Tränchen verdrückt. Man spürt die melancholische Stimmung, aber auch immer wieder einen Funken Hoffnung und die Sehnsucht nach Heilung und Ankommen. Das Buch ist randvoll mit Emotionen, die einen wirklich bewegen.
„Ich dachte an Ekise und meinen Vater und ihre Geschichte, die so gut angefangen hatte. Doch ich wusste ja, dass das Glück nicht anhielt, also packte ich vorsichtshalber keine Gelegenheit beim Schopf und ignorierte die Hoffnung, dass das Leben beim Würfelspiel vielleicht auch mal mogelte.“ s.81
Was mir besonders gefallen hat, ist, wie die Autorin es schafft, trotz der komplexen Themen eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren. Man lernt nicht nur Rosa und ihre Geschichte kennen, sondern bekommt auch Lust, selbst die Koffer zu packen und die beschriebenen Orte zu entdecken, so eine unwahrscheinliche Reiselust entfacht dieses Buch nebenbei!
Für mich ist Und dann springen wir eine unerwartete kleine Perle, die berührt, zum Nachdenken anregt und einen mit einem Lächeln (und vielleicht ein paar Tränen) zurücklässt. Eine ganz große Empfehlung für alle, die gefühlvolle und atmosphärische Geschichten lieben!
„In Stein und Beton war der Krieg eingeschlagen und hatte dort die Zeit angehalten. Dazwischen, in Graffiti und Wäldern, die in Ruinen wuchsen, lief sie weiter.“ s.156