Ein Wettkampf auf Leben und Tod. Ein gestohlenes Relikt. Und eine Kriegerin, deren Stolz gefährlicher ist als jede Klinge.
Isme Thail ist mehr als nur die Erbin einer der ältesten Urfamilien Rointards. Sie ist auch eine Bedrohung für die patriarchale Ordnung der Elfen. Als der König sie zu den Ishan schickt – einem Kriegerorden, aus dem nur die wenigsten lebend hervorgehen – ist es ein kaum verhülltes Todesurteil.
Gefangen zwischen Feinden, Intrigen und tödlichen Wettkämpfen, muss Isme nicht nur um ihr Überleben kämpfen, sondern auch um ihren Platz in einer Welt, die sie lieber tot sähe. Ihr einziger Verbündeter ist ausgerechnet Riku Thirladh – der Mann, der ihr einst die Unschuld nahm und danach so tat, als wäre nichts gewesen.
Doch während die Dunkelheit um sie herum dichter wird und ein Verrat die Grundfesten des Reiches erschüttert, wird Es steht nicht nur ihr Leben auf dem Spiel, sondern das Schicksal eines ganzen Königreichs.
***
Sobald ich die Stufen zum Trainingsplateau erklomm, zerfiel die Fassade. Meine Beine brannten, und ich hatte erst die Hälfte der verdammten Strecke geschafft. Ich schnappte nach Luft, der Schweiß rann mir von der Stirn. Als ich endlich die oberste Stufe erreichte, fiel ich auf die Knie.
»Erbärmlich.«
»Halt die Klappe.« Ich hob den Blick und sah Riku, der mit verschränkten Armen gegen die Holzeinfassung des Kampfringes lehnte.
»Halt die Klappe, Kommandant«, korrigierte er mich.
Nur mit Mühe schaffte ich es, mir eine bissige Bemerkung zu verkneifen. Ich war allerdings ohnehin viel zu sehr damit beschäftigt, meine zitternden Beine in den Griff zu kriegen.
»Vielleicht liegt es gar nicht an deiner Technik, dass du ständig verprügelt wirst, sondern an deiner körperlichen Verfassung.« Riku hielt mir seine Hand hin, die ich gekonnt ignorierte und mich stattdessen umständlich am Geländer hochzog.
»Vielleicht liegt es gar nicht an dir, dass du so ein hohler Rohling bist, sondern an deinem fehlenden Gehirn«, gab ich schnippisch zurück.
Rikus Augen funkelten belustigt. »Glaubst du, du bist dazu bereit, dieses Spiel mit mir zu spielen, Thail?«
Ich hob alle mentalen Schilde, die ich finden konnte. Er durfte nicht sehen, wie sehr mich seine Abweisung nach unserer ersten Nacht noch immer verletzte. Lieber ging ich zugrunde. »Ich bin für alles bereit.« Denn so handelte man nun einmal, wenn man nichts mehr zu verlieren hatte. »Fangen wir an, oder was? Mein rechter Haken verbessert sich nicht durch Rumstehen und Plaudern.«
»Dein rechter Haken ist nicht dein Problem. Der ist gut.« Entgegen meiner Erwartung stieg er nicht in den Ring, sondern ging in die kleine Scheune, in der alles Mögliche an Trainingsmaterial aufbewahrt wurde. Ich hörte ihn im Inneren herumhantieren, und dann kam er mit zwei Gewichten zurück, die mit Sicherheit so alt waren wie diese Burg. Das Metall war angelaufen und stellenweise verrostet.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich dachte, du zeigst mir, wie ich das Sparring mit diesen Kampfhengsten überlebe.«
Riku nickte bloß. »Genau das mache ich gerade.«
»Indem du mich zwingst, Gewichte zu pumpen?«
Er legte die beiden Hanteln vor mir auf den Boden. »Deine Technik ist überragend. Man sieht, dass du über achtzig Jahre Kampfübungen hinter dir hast. Ja, auch wenn dein Training zum Teil für Jahrzehnte unterbrochen war.« Sein Blick blieb an den Gewichten hängen.