Angste vor sozialem Abstieg pragen das Lebensgefuhl der Mittelschicht. Je grosser die Verunsicherung, desto mehr wird die "Mitte" als Hort von Sicherheit und Normalitat herbeigesehnt. Anpassung mutiert dabei zur zentralen Strategie im Wettbewerb um Lebenschancen. Zugleich polarisiert sich die Mittelschicht immer mehr. Am unteren Ende kampfen prekar Beschaftigte gegen den sozialen Abstieg, oben gelingt es dem bildungsorientierten Burgertum, durch Abgrenzung Besitzstande zu verteidigen. Und dazwischen erhebt das moderne Kleinburgertum die Selbstoptimierung zur Lebensaufgabe. Die neue Mitte, so das Fazit, ist von Leistungsdruck und Uberforderung ebenso gepragt wie von der Ruckkehr zu konservativen Werten - was sich nicht zuletzt in der Renaissance alter Rollenmuster in Ehe und Familie spiegelt. Dies hat Folgen fur alle, denn der Mittelstand hat als stilbildendes Grossmilieu Vorbildfunktion. Cornelia Koppetsch schildert in einer Reihe von Stimmungsbildern, wie sich in dieser Lage Lebensformen und Mentalitaten in unserer Gesellschaft verandern."