In diesem Werk unternimmt Ursula Wolf eine meisterhafte Sezierung der aristotelischen Modalkategorien und rettet sie aus dem Staub bloßer Antiquität hinein in die harten Debatten der Gegenwart. Während Aristoteles die Möglichkeit noch als ein immanentes Streben der Dinge begreift – der Mantel, der das Potenzial zum Zerschnittenwerden bereits in seinen Fasern trägt –, konfrontiert Wolf diese Sichtweise mit unserem modernen, oft deterministisch grundierten Weltbild. Präzise arbeitet sie heraus, dass die Frage nach der Notwendigkeit weit mehr ist als logische Gymnastik: Sie bildet das Fundament unserer moralischen Identität. Denn ohne den Spielraum des Auch-anders-sein-Könnens schrumpft der Mensch zum bloßen Automaten. Sabine Hossenfelder würde hier wohl einwerfen, dass die Quantenphysik zwar den Zufall rehabilitiert hat, damit aber noch keine Freiheit gewonnen ist. Umso deutlicher zeigt Ursula Wolf, dass wir für eine tragfähige Ethik keine subatomaren Schwankungen benötigen, sondern eine Philosophie, die die Offenheit menschlicher Praxis ernst nimmt. Hegel schließlich würde am Stuttgarter Bahnsteig trocken bemerken, dass die Notwendigkeit ohnehin nur die Maske ist, die die Freiheit trägt, wenn sie sich im Spiegel der Geschichte betrachtet – eine Einsicht, die bei Wolf glücklicherweise ganz ohne dialektischen Nebel, dafür mit analytischer Brillanz zu lesen ist.