Das krasse Cover hat mich einfach angemacht, da Stories mit Aliens für mich einen größeren Reiz haben. Es war ein Zufallskauf in einer Bahnhofsbuchhandlung. Weissblech-Comics sind mir bekannt, sie stehen hauptsächlich für Horror und auch etwas andere Superhelden. Hier wird auch Ironie und (schwarzer) Humor gepflegt. Ironie zeigt sich besonders in den Zwischentexten. Der Band ist eigentlich eine Zusammenstellung aus verschiedenen Geschichten, die bis auf eine schon in Heften erschienen sind. Erfreulicherweise bilden die Stories "Wenn Toltemeki träummt", "Tag X", "Sie kommen in Frieden", "Von Menschen und Göttern", "Widerstand ist zwecklos" und "Ungeziefer" eine längere Geschichte. In der ersten bruchlandet in Mesoamerika ein Außerirdischer namens Kukulkan und wird dort als Gott verehrt und zum Geburtshelfer der Zivilisation, bis er wieder wegfliegen kann. Seither hofft der Oberpriester Toltemeki auf seine Rückkehr. Dessen Grab wird in "Tag X" von Archäologen entdeckt, gerade als Außerirdische auf der Erde landen. Sie kaufen Land auf einer friesischen Insel, und errichten ein Gebäude, das so gar nicht den deutschen Bauvorschriften entspricht. Ein Beamter wird vorstellig und macht unangenehme Erfahrungen mit der Wächterkreatur ("Sie kommen in Frieden"). Hinter den Außerirdischen steht tatsächlich Kukulkan, der zurückgekehrt ist. Allerdings ist er gekommen um die Erde zu einem Stützpunkt seiner Spezies, den Hunabs zu machen. Denn die sind auf der Flucht vor den Faals, räuberischen Außerirdischen. Eines ihrer Raumschiffe ist in der Ostsee abgestürzt (das ist die bekannte, raumschiffähnliche Bodenanomalie!). Kukulkan erklärt dies dem Alien-Beauftragten der EU, während der Nato-Befehlshaber die Außerirdischen angreifen will. Man kann es sich denken, es kommt in "Von Menschen und Göttern" schlimmer als gedacht. In "Widerstand ist zwecklos" ist die Invasion der Faal in vollem Gange. Hunabs und irdische Verbündete sind auf verlorenen Posten, so dass eigentlich nur die Flucht einen Ausweg bietet. "Ungeziefer" spielt lange nach der letzten Geschichte. Auf eine vortechnologische Stufe zurückgefallene Menschen dringen auf der Suche nach Nahrung zu einer Maisanbaufeld vor. Das ist aber tödlich gesichert... Die Stories sind unterhaltsam und gut konstruiert. Levin Kurio ist sowohl der Texter als auch der Zeichner. Bis auf die erste, die hat Kolja Schäfer gezeichnet. Die zeichnerischer Gestaltung finde ich auch ansprechend. "Ich war Zeuge der Invasion der Superladies" ist eigentlich nur Trash, das geben auch die Macher zu, hat aber noch Unterhaltungswert. In "Die Chroniken von Sol" argern sich außerirdische darüber, dass sie die Erde von einer Zivilisation bevölkert vorfinden. Der Kapitän schickt den Chronisten mit einem Soldaten aus, um sich ein Bild zu machen. Auf der Erde morphen sie in die Gestalt eines Müllmannes und ein Mülltonne um Material zu sammeln. Darunter auch die Auslage eines Comic-Ladens. Sie werden jedoch entdeckt und müssen fliehen. Die Lektüre der Comics, die für wahr gehalten werden, lässt die Aliens Abstand davon nehmen, die Erde in Besitz zu nehmen. Kurzweilig. In "Wip-Wip und ich" erzählt eine junge Frau ihre Erlebnisse. Lurchartige Außerirdische haben die Erde in ein Paradies des Konsums verwandelt. Einer der Aliens ist ihr Freund Wip-Wip. Doch die Aliens sind nicht selbstlos, im Gegenteil. Interessant ist die naive Perspektive der Story. "Zoobesuch" ist für mich das Highlight des Bandes und wird in dem Band erstveröffentlicht. Eine außerirdische Zoologin besucht den Zoo eines Kollegen und Konkurrenten. Hinter ihrer fachlichen Neugier verbirgt sie ihren eigentlichen Grund. Als ihr die neueste Attraktion gezeigt wird, kommt ihr wahrer Grund zum Vorschein. Der jüngste Zuwachs des Zoos sind - man ahnt es - Menschen, aber das ist nicht die Pointe. Sehr vergnüglich und hintersinnig. Der Text stammt von Falko Kutz, Zeichnungen und Farben stammen von Damir Hamidovic und Florian Meusel. Hatte meinen Spaß an diesem Band!