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Wie schwer wiegt ein Schatten

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Tel Aviv 2008. Nach dem Tod ihrer Großmutter steht die junge Radiojournalistin Mia vor einem Wendepunkt. Von ihrem Sender wird sie nach Tel Aviv geschickt. Hier lernt sie den Kameramann David kennen, Sohn polnisch-bulgarischer Juden. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch David ist verheiratet und er hat eine Tochter, die er kurz zuvor adoptiert hat. Mit David stellt sich Mia langsam ihrer eigenen Familiengeschichte, vor allem dem Verlust ihrer Mutter, der ihr als Siebenjährige widerfuhr. Fernab der Heimat sucht Mia Antworten auf Fragen, die sie seit ihrer Kindheit begleiten, hofft auf eine Versöhnung mit der Vergangenheit. In dem stets bedrohten Land Israel und in der Liebe zu einem Mann sucht sie nach ihrem Platz, um die Leerstelle, die die Mutter hinterlassen hatte, zu schließen. Mit ›Wie schwer wiegt ein Schatten‹ stand Christiane Wirtz in der Endrunde für den Mara-Cassens-Preis 2025.

293 pages, Kindle Edition

Published March 11, 2025

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Lilie125.
54 reviews1 follower
May 10, 2025
Inhalt:
Der Roman handelt von Mia, einer jungen Radiojournalistin, die 2008 von ihrem Sender nach Tel Aviv geschickt wird. Dort lernt sie David kennen, der Sohn polnisch-bulgarischer Juden ist und in den sie sich sofort Hals über Kopf verliebt. Doch David hat eine Tochter und Frau. Gleichzeitig muss sich Mia auch ihrer Vergangenheit und ihrer Familiengeschichte stellen.

Meine Meinung:
Der Roman wagt die schwierige Balance zwischen einer komplizierten Liebesgeschichte und der Erzählung einer ebenso komplizierten Familiengeschichte.
Der Schreibstil des Romans konnte mich von der ersten Seite an abholen. Die Autorin fängt das Setting in Tel Aviv unglaublich gut ein - die Geräusche, Gerüche, die Menschen, die Emotionen - alles ist so unglaublich eindrücklich beschrieben, dass es sich so anfühlt, als sei ich selbst schon einmal dort gewesen. Das war für mich auch das wirklich Besondere an dem Buch. Ich liebe es, wenn Bücher dem Leser eine Reise an einen anderen Ort ermöglichen und diesem gelingt just das.
Ebenfalls gut gefallen haben mir die Einblicke in die Arbeit unserer Protagonistin als Journalistin und ihr Leben in einer Redaktion im Ausland. In Anbetracht des Hintergrunds der Autorin handelt es sich dabei wohl auch um sehr authentische Schilderungen.
Auch die Familiengeschichte fand ich sehr interessant. Mias Mutter hat sich das Leben genommen, als diese noch sehr klein war. Dieser Verlust prägt und beschäftigt Mia noch immer. Es handelt sich dabei um ein wirklich schweres Thema, das die Autorin jedoch großartig behandelt. Gerade die verschiedenen, teils auch widersprüchlichen Emotionen sind toll und nuanciert eingefangen. Dieser Teil der Geschichte konnte mich auch richtig packen.
Leider gilt dasselbe nicht für die Liebesgeschichte, die in dem Roman sehr dominant ist. Mias Interesse für David und warum sie sich in ihn verliebt, konnte ich leider überhaupt nicht nachvollziehen. Das ist grundsätzlich auch keine Voraussetzung für eine gelungene Erzählung, aber ihre Chemie und Anziehung wurde für mich leider nie greifbar. In dem Roman spricht Mia häufig davon, wie besonders und allumfassend die Liebe der beiden sei, aber ich konnte es einfach nicht spüren.
Hinzu kommt der schwierige Aspekt, dass David verheiratet ist und mit seiner Frau eine Tochter hat. Das wirft durchaus moralisch kompliziert Fragen auf, denen sich der Roman aber, obwohl die Autorin sicher die Fähigkeit dazu gehabt hätte, nie stellt. David wird durchgehend als quasi perfekt dargestellt, obwohl er seine Frau ziemlich schwer und gezielt immer wieder hintergeht. Auch Mia scheint keinerlei Verantwortung dafür zu empfinden. Das fand ich wirklich schade. Literatur darf komplizierte Beziehungen schildern und schwierige Themen ansprechen, aber diese müssen dann auch in ihrer notwendigen Vielschichtigkeit dargestellt werden. Hier hat es sich eher so angefühlt, als solle das Betrügen nur zeigen, wie unglaublich groß die Liebe der beiden füreinander ist - es wird gewissermaßen romantisiert.
Deshalb lässt mich das Buch auch sehr zwiegespalten zurück - ich mochte einige Aspekte an dem Buch richtig gerne, aber mit der Liebesgeschichte konnte ich leider überhaupt nichts anfangen. Wer darüber jedoch hinwegsehen kann, dem kann ich das Buch wirklich empfehlen! Ich werde künftigen Büchern der Autorin auf jeden Fall noch mal eine Chance geben - alles in allem war es ein vielversprechendes Debüt.
696 reviews11 followers
March 25, 2025
Deutsch-israelische Liebesgeschichte

In "Wie schwer wiegt ein Schatten" erzählt Christiane Wirtz eine deutsch-israelische Liebesgeschichte, zugleich aber auch das Trauma, das psychische Erkrankungen und Suizid in einer Familie hinterlassen. Mia, eine junge deutsche Journalistin, macht eine Elternzeitvertretung im Studio Tel Aviv. In einem Café lernt sie David kennen - es ist Liebe auf den ersten Blick, die Art von Gefühl, an das Mia für sich eigentlich gar nicht geglaubt hat. Allerdings auch problembelastet: Denn David ist verheiratet und Vater einer kleinen Tochter.

Während sich die Beziehung zu David intensiviert und in eine ungewisse Zukunft entwickelt, setzt sich Mia zugleich mit ihrer Vergangenheit auseinander: Ihre Großmutter, die sie nach dem Tod ihrer Mutter aufgezogen hat, ist vor kurzem gestorben. Der Vater hat schon längst in England eine neue Familie gegründet. Eine Jugendfreundin der Mutter hat einen Israeli geheiratet, lebt in einem Kibbutz. Das Paar wird zu Mias israelischer Ersatzfamilie und öffnet ihr einen neuen Zugang zur Mutter: Einerseits durch Ruts Jugenderinnerungen, andererseits durch die Briefe von Mias Mutter.

Das familiäre Trauma zeigt sich auch in diesen Briefen, die Mia einen Blick in die seelische Verfassung ihrer Mutter erlauben. Wenige Tage nach Mias Geburt hat sich ihr Onkel Konrad umgebracht. Er litt wohl jahrelang unter Depressionen. Das Thema wurde in der Familie totgeschwiegen. Doch auch Mias Mutter war depressiv, beging Suizid, als Mia sieben Jahre alt war. Ist die Traurigkeit, die Mia immer wieder spürt, familiäres Erbe, oder Reaktion auf den frühen Verlust der Mutter? Und wird die Liebe ihr heraushelfen? Hat diese Liebe überhaupt eine Zukunft?

Der Romantitel wirkt passend, denn Mia muss sich von den Schatten befreien, die über ihrem Leben liegen, muss sie überhaupt erst einmal bewusst machen. Das Buch hat ein paar Schwächen - die Dialoge sind so druckreif, dass sie oft nicht lebensnah wirken. Die Beschreibungen der Straßen und Cafés von Tel Aviv, von Strandspaziergängen und Negev-Wüste, den Klängen und Gerüchen Jaffas und dem Leben im Kibbutz, das sich immer mehr verändert hat bringen dagegen den Alltag in Israel nahe, zwischen der Allgegenwart möglicher Anschläge - der Roman spielt im Jahr 2008 - und gleichzeitiger Leichtigkeit und Lebensfreude. Da Tel Aviv zu meinen Lieblingsstädten gehört, habe ich Mia gerne auf ihren Spaziergängen zwischen Allenby und Rothschild Boulevard, Carmel-Markt und Uhrturm von Jaffa begleitet.
Profile Image for hand.verlesen.
234 reviews41 followers
April 29, 2025
Die Radiojournalistin Mia geht für einige Monate beruflich nach Tel Aviv. Dort verliebt sie sich Hals über Kopf in den Kameramann David – doch dieser ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Ein zweiter Handlungsstrang dreht sich um Mias früh verstorbene Mutter Charlotte. In Israel verbringt Mia viel Zeit mit Charlottes alter Freundin Ruth und begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit.
Gleich vorweg: Dieses Buch und ich waren leider kein gutes Match. Die Geschichte plätscherte für meinen Geschmack zu sehr dahin. „No plot, just vibes“ mag ich manchmal gern, hier funktionierte es für mich aber nicht. Ich habe mich oft danach gesehnt, dass mehr Spannung entsteht, doch erst gegen Ende nimmt die Handlung etwas Fahrt auf. Auch die Liebesgeschichte konnte mich nicht berühren. David blieb mir zu fremd, der Funke sprang nicht über.
Was mir trotzdem gefallen hat: Die Sprache ist durchgehend angenehm und die Atmosphäre Tel Avivs wird gut eingefangen. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, mit Mia durch die Straßen der Stadt zu gehen. Mias Trauer um ihre Mutter, ihre Erinnerungen und ihre Suche nach Antworten haben mich berührt.
Besonders hervorzuheben sind für mich die leisen Fragen, die das Buch aufwirft: Wie prägt und verändert ein Wohnort einen Menschen? Wie wäre das Leben verlaufen, hätte man eine andere Abzweigung genommen? Und woran erkennt man nach einer schweren Lebensphase, dass es einem wieder besser geht?
Fazit: Ein Buch, das mich persönlich nicht erreichen konnte – zu langsam erzählt, zu wenig packend. Trotzdem bietet es eine gelungene Atmosphäre, nachdenklich stimmende Gedankengänge und eine sensible Auseinandersetzung mit Trauer, Erinnerung und Identität. Für Leser*innen, die sich auf eine ruhige, nachdenkliche, literarische Reise nach Tel Aviv einlassen möchten, eventuell eine Entdeckung wert.
Profile Image for Ancla Müller.
897 reviews5 followers
November 8, 2025
Mir fehlte der Zugang

**** Mein Eindruck ****

Ich habe mich sehr auf diese Geschichte gefreut, weil ich mehr über Israel und seine Kultur lernen wollte. Einige Einblicke bekam ich zwar, doch letztlich liegt der Fokus der Geschichte stark auf den Figuren. Nach dem Klappentext war das zu erwarten – und das wäre völlig in Ordnung gewesen, hätte ich die Affäre zwischen ihnen nachvollziehen können. Leider konnte ich die Emotionen kaum spüren, und vor allem Davids Handeln blieb mir ein Rätsel. Die erste Szene war wirklich stark, doch danach suchte ich vergeblich nach diesem emotionalen Zugang. Inhaltlich hat die Geschichte durchaus Interessantes zu bieten, und die Atmosphäre besitzt etwas Eigenes. Der Schreibstil ist gelungen, die Sätze fließen gut und regen zum Mitdenken an. Gleichzeitig ist er aber sehr nüchtern, sodass weder Gefühle noch die Tragik mancher Momente wirklich transportiert werden. Die Geschichte bewegt in der Tiefe kaum – entweder war sie emotional zu schwach oder inhaltlich zu wenig, um mich komplett mitzuziehen. Themen wie Identität, Herkunft und Liebe werden zwar gut eingebettet, doch ohne spürbare Emotionen.

**** Empfehlung ****

Ein nettes Leseerlebnis für alle, die etwas über den journalistischen Beruf und Israel erfahren möchten. Die Idee ist gut umgesetzt, und ich denke, das Buch wird seine Leser*innen finden.
Profile Image for ms_svensson.
46 reviews8 followers
July 28, 2025
Mia flieht nach einer persönlichen Krise nach Tel Aviv, auf der Suche nach einem Neuanfang und begegnet dort David. Zwischen den beiden entwickelt sich eine intensive Beziehung, die von Anfang an unter einem moralisch schwierigen Vorzeichen steht: David ist verheiratet und Vater einer kleinen Tochter.

Der Roman verwebt eine Liebesgeschichte mit einer Familiengeschichte, und das gelingt mal mehr, mal weniger. Besonders gut fand ich die Schilderungen des Lebens in Tel Aviv: Die Atmosphäre, das Stadtbild, das journalistische Arbeiten – all das wird greifbar und eindrucksvoll erzählt. Auch die Darstellung von Mias familiärem Trauma, insbesondere dem Tod ihrer Mutter, war einfühlsam und nuanciert. Hier zeigt sich die emotionale Tiefe, die ich mir für andere Teile der Geschichte ebenfalls gewünscht hätte.

Denn die Liebesgeschichte zu David blieb für mich oberflächlich. Warum Mia sich in ihn verliebt, wurde mir nie ganz klar, und ihre Beziehung wirkte oft nicht echt. Schwerer wog für mich allerdings die moralische Grauzone, in der die Beziehung spielt. Dass David seine Frau mehrfach gezielt hintergeht und das im Roman nahezu unkritisch bleibt, hat mich gestört. Statt diese Dynamik zu reflektieren, wirkt es, als solle der Betrug nur die „Größe“ der Liebe betonen. Das fühlt sich falsch an, gerade weil der Roman ansonsten durchaus kluge Beobachtungen liefert.

Unterm Strich: Ein atmosphärisch dichtes Debüt mit starkem Setting und wichtigen Themen, aber einer zentralen Beziehung, die weder überzeugt noch hinterfragt wird.

Lesenswert für alle, die gern über komplexe Beziehungsdynamiken und familiäre Prägungen lesen, aber mit einem kritischen Blick auf die Darstellung von Moral und Verantwortung.
Profile Image for Michelle.
228 reviews1 follower
October 23, 2025
Sehr schön geschrieben - man kann sich die verschiedenen Orte in Israel sehr gut vorstellen und alles, was die Protaqanistin Mia durchmacht. Es war auch sehr rührend, wie sie sich endlich von den Schatten ihrer Kindheit befreit hat. War aber zeitweise m.E. zu langatmig.
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