Die wahre Geschichte eines Pflegekindes auf einem Bergbauernhof
Mitfühlend und Mut machend erzählt Spiegel-Bestseller-Autorin Hera Lind in ihrem Tatsachenroman »Im Namen der Barmherzigkeit« das Schicksal von Steffi, die Furchtbares durchgemacht hat. Aber zum Schweigen hat sie sich nicht bringen lassen.
Im Namen der Barmherzigkeit nimmt die steirische Bauernfamilie Kellerknecht jedes Jahr ein Pflegekind auf. So kommt die knapp dreijährige Steffi in den Siebzigerjahren auf den abgelegenen Bauernhof. Zwischen den anderen Pflegekindern lernt sie schnell, dass sie für ihre kargen Mahlzeiten und das Etagenbett in der Dachkammer hart schuften muss, und zwar barfuß. Ab ihrem neunten Lebensjahr wird Steffi vom Bauern regelmäßig missbraucht. Mit fünfzehn ist sie schwanger und wird in ein Kloster abgeschoben, wo sich barmherzige Nonnen um ledige junge Mütter kümmern. Steffi will ihrem Kind eine bessere Kindheit bieten und macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter…
Ein berührendes Schicksal über ein verdrängtes Kapitel unserer Geschichte
Was Steffi zugestoßen ist, war auch kein Bis in die 80er-Jahre hinein wurden Heimkinder systematisch bei verarmten Bauern untergebracht – nicht nur in Österreich. Bestseller-Autorin Hera Lind gibt in ihrem Tatsachenroman mit Steffi stellvertretend Tausenden Kindern eine Stimme.
Im Namen der Barmherzigkeit nimmt die steirische Bauernfamilie Kellerknecht jedes Jahr ein Pflegekind auf. So kommt die knapp dreijährige Steffi in den Siebzigerjahren auf den abgelegenen Bauernhof. Zwischen den anderen Pflegekindern lernt sie schnell, dass sie für ihre kargen Mahlzeiten und das Etagenbett in der Dachkammer hart schuften muss, und zwar barfuß. Ab ihrem neunten Lebensjahr wird Steffi vom Bauern regelmäßig missbraucht. Mit fünfzehn ist sie schwanger und wird in ein Kloster abgeschoben, wo sich barmherzige Nonnen um ledige junge Mütter kümmern. Steffi will ihrem Kind eine bessere Kindheit bieten und macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.
Hera Lind hat sich mit „Im Namen der Barmherzigkeit“ an eine unglaublich bewegende und leider wahre Geschichte gewagt. Im Nachwort schreibt sie selbst, dass sie sich lange nicht an dieses Thema herangetraut hat und doch Steffis Geschichte erzählen wollte. Ich bin ein großer Fan von wahren Begebenheiten, aber dies ist eins der Bücher, bei denen ich mir wünschte, es wäre Fiktion. Zunächst zum Buch an sich. Hera Lind hat mich auch dieses Mal direkt mitgenommen. Sie bleibt ihrem Schreibstil treu und beschreibt Orte, Personen und Geschehnisse nicht nur interessant und spannend, sondern zeitlich passend und vor allem real, so dass eben kein Gefühl von Fiktion entsteht. Grade bei diesem Buch war das zeitweise fast unerträglich. Hera Lind erzählt die Geschichte von Steffi. Einem Mädchen, welches nur Minuten nach der Geburt von ihrer Mutter abgelehnt wird und im Kinderheim aufwächst. Sie kommt auf einen Bauernhof zu einer „guten katholischen“ Familie, die zu jedem ihrer eigenen Kinder ein Pflegekind aufnimmt, um Gott zu dienen. Doch leider trügt der Schein und die Pflegekinder werden wie Sklaven für die Hofarbeit herangezogen. Sie bekommen nur das Nötigste, während die eigenen Kinder verwöhnt werden. Sie dürfen nicht einmal Schuhe tragen oder Spielzeuge besitzen, denn diese sind nur für die „echten“ Kinder. Leider bleibt es nicht nur bei der harten, unmenschlichen Arbeit. Kaum ist Steffi in der Pubertät, wird die täglich aufs schlimmste missbraucht. Auch, als sie dem endlich entkommen kann, wird ihr Leben nicht einfacher. Sie wird schwanger und kommt in einem Kloster unter. Doch kaum hat sie entbunden, wartet ihre leibliche Mutter auf sie und auch diese meint es nicht gut mit ihr. Aber Steffi ist stark und kämpft und sie hat nun eine starke Frau an ihrer Seite. Die Ärztin Karin Winkler bleibt ihre Unterstützung und wird später zu einer guten Freundin. Steffi hat so unsagbares durchgemacht, dass dieses Buch mich bis in meine Träume begleitet hat. Ihre Geschichte muss erzählt werden und zum Glück gelingt es Hera Lind, dass dieses Buch nicht einfach ein schrecklicher Bericht ist, sondern ein Schicksalsroman der besonderen Art.
Keine leichte Kost, aber absolut lesenswert! Es handelt sich um eine wahre Geschichte, weshalb einem manche Szenen noch tiefer unter die Haut gehen. Trotz schwerer Thematik konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.
Kein Roman für schwache Nerven: Es werden die schwärzesten Seiten der Menschheit gezeigt mit all seiner Bosheit und Grausamkeit. Das Buch hat wohl auch meinen Blick auf Vorurteile und schnelle Urteile verändert. Und am Ende zeigt sich: Gewalt und Grausamkeit führt nur zu mehr Leid, wie in einem Kreislauf. Ein extrem wichtiger Roman zur Aufarbeitung zum Umgang mit Vergewaltigungsopfern.
Hera Linds Roman „Im Namen der Barmherzigkeit“ basiert auf der wahren Geschichte der jungen Steffi, die in den Siebzigerjahren als Pflegekind zu einer Bauernfamilie in der Steiermark geschickt wird. Wie der Klappentext es zusammenfasst: „Mitfühlend und Mut machend erzählt Spiegel-Bestseller-Autorin Hera Lind in ihrem Tatsachenroman Im Namen der Barmherzigkeit das Schicksal von Steffi, die Furchtbares durchgemacht hat.“
Steffi lernt früh, dass ihre Unterbringung nicht aus Nächstenliebe geschieht. Die Kellerknechts nutzen sie als billige Arbeitskraft auf ihrem Hof aus, wo sie barfuß im Maisfeld schuften muss, so dass ihr die Füße bluten; morgens vierzig Kühe melkt und abends nur eine kalte Dusche im Keller bekommt. Die anderen Pflegekinder teilen dieses Leid. Steffi trifft es schrecklich und herzzerreißend, als sie mit neun Jahren von ihrem Pflegevater regelmäßig missbraucht wird und mit fünfzehn schwanger ins Kloster abgeschoben wir
Rezension
Hera Lind erzählt diese Geschichte in klarer, ungeschönter Sprache, die dennoch sehr einfühlsam bleibt. Die Stärke der Erzählweise liegt darin, dass sie die Perspektive der jungen Steffi glaubwürdig und lebendig einfängt. Man spürt die Kälte der Schlafkammer, die Erschöpfung nach einem langen Arbeitstag und die bittere Ungerechtigkeit, die diesem Kind angetan wird.
Die besonders belastenden Szenen habe ich beim Lesen teilweise nur überflogen, um mich zu schützen. Die Beschreibungen der sexualisierten Gewalt, der täglichen Demütigung und der rohen Gewalt am Körper eines kleinen Mädchens gehen unter die Haut. An diesen Stellen habe ich bewusst Pausen gemacht oder die Seiten überblättert, um nicht daran zu zerbrechen. Wie Lind im Nachwort betont, war der erste Manuskriptentwurf sogar noch drastischer; sie habe manche Details derart gemildert, dass die Geschichte überhaupt zu ertragen ist. Diese Anmerkung hallte in der Nachverarbeitung enorm nach und verdeutlicht nur noch mehr die Grausamkeit, die Kindern wie Steffi tatsächlich widerfahren ist.
Es war schwer zu ertragen, was ich las, und ich habe beim Lesen so oft gegen die Tränen geschluckt. Die Bilder der kleinen Steffi auf dem Hof, die schmerzhaften Erinnerungen und die Gefühlskälte der Pflegeeltern lassen einen nicht los. Diese Geschichte hat mich sehr berührt und erschüttert.
Berührend fand ich die ruhigen Momente, wenn Steffi an ihre eigene innere Stärke erinnert wird und an ihre Hoffnung, dass es ein besseres Leben geben muss. Die Verbindung zu der gutmütigen Klosterschwester Reinhilde und die Begegnungen mit der Therapeutin Karin Winkler zeigen, dass es auch Helfer:innen gibt, die hinschauen und zuhören. Gleichzeitig entblößt der Roman die kaltherzige Realität der Pflege- und Jugendfürsorge jener Zeit, die wegschaut, verdrängt und Kinder wie Steffi systematisch im Stich gelassen hat und vielleicht noch lässt.
Lind gelingt es, Steffis Geschichte stellvertretend für viele andere zu erzählen. Die Rahmenhandlung veranschaulicht, dass diese Schicksale keine traurigen Ausnahmefälle waren. Die Geschichte der Pflegekinder, die bis in die 1980er-Jahre hinein zu verarmten Bauern geschickt und wie Arbeitskräfte ausgebeutet wurden, muss endlich gehört werden.
Fazit
„Im Namen der Barmherzigkeit“ ist kein Buch, das man leicht zur Seite legen kann. Die erschütternden Details und der Eindruck, dass der Roman auf wahren Begebenheiten basiert, machen ihn zu einer emotional belastenden, aber auch sehr wichtigen Lektüre.
Die Stärke dieses Buches liegt darin, dass es die Vergangenheit nicht beschönigt. Hera Lind lässt die junge Steffi als Zeitzeugin zu Wort kommen und verleiht ihr und all den anderen Kindern, die dasselbe durchlitten haben, endlich eine Stimme. Auch wenn ich beim Lesen manchmal an meine Grenzen gestoßen bin, habe ich es nicht bereut, diese Geschichte gelesen zu haben.
Es ist ein Buch, das wehtut und genau das muss es auch. Nur wenn die Öffentlichkeit von diesen grausamen Zuständen erfährt, lässt sich verhindern, dass sich solche Schicksale wiederholen. Die Kooperation der Autorin mit der Therapeutin Karin Winkler und der Mut der wahren Steffi, ihre Geschichte zu erzählen, machen „Im Namen der Barmherzigkeit“ zu einem wichtigen Zeitdokument.
Am Ende habe ich das Buch tief bewegt zur Seite gelegt, mit der festen Überzeugung, dass dieses Schicksal nicht vergessen werden darf. Dieses Buch ist ein eindringlicher Aufruf zu mehr Schutz und Aufmerksamkeit für die Schwächsten unserer Gesellschaft und eine eindrucksvolle Würdigung derer, die ihre Stimme dennoch gefunden haben.
Klappentext: Im Namen der Barmherzigkeit nimmt die steirische Bauernfamilie Kellerknecht jedes Jahr ein Pflegekind auf. So kommt die knapp dreijährige Steffi in den Siebzigerjahren auf den abgelegenen Bauernhof. Zwischen den anderen Pflegekindern lernt sie schnell, dass sie für ihre kargen Mahlzeiten und das Etagenbett in der Dachkammer hart schuften muss, und zwar barfuß. Ab ihrem neunten Lebensjahr wird Steffi vom Bauern regelmäßig missbraucht. Mit fünfzehn ist sie schwanger und wird in ein Kloster abgeschoben, wo sich barmherzige Nonnen um ledige junge Mütter kümmern. Steffi will ihrem Kind eine bessere Kindheit bieten und macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.
„Im Namen der Barmherzigkeit“ ist ein sehr berührender Schicksalsroman Hera Lind.
Im Mittelpunkt steht Steffi. Die Mutter hat sie bei der Geburt direkt abgelehnt. Das Kind ist bei einem Fehltritt mit einem türkischen Mann gezeugt worden. So landet Steffi im Heim. Mit kaum 3 Jahren kommt sie zu als Pflegekind zu der Familie Kellerknecht auf den Bauernhof. Die Familie hat schon einige Pflegekinder und nimmt immer wieder welche dazu. Vom Pfarrer wird die Familie in der Kirche wegen ihrer Barmherzigkeit gelobt. Doch für Pflegekinder bekommt man vom Jugendamt Geld. Geld mit dem die Familie gut leben konnte. Es wurde zwischen echten (also leiblichen) Kindern und Pflegekinder unterschieden. Die echten Kinder hatten jeder ein eigenes Zimmer im 1. Stock, da gab es auch ein Badezimmer. Die Pflegekinder mussten sich kleine Kammern im Dachgeschoss teilen und eine Dusche im Keller, die nur kaltes Wasser hatte benutzen. Sie durften keine Schuhe tragen und von morgens bis abends auf dem Hof, Feld oder im Haus arbeiten. Die Kinder waren oft so müde, dass sie in der Schule einschliefen. Wenn das Jugendamt zur Kontrolle kam, dann wurden sie mit einem Präsentkorb geblendet. Und zu guter Letzt wurde, Steffi auch noch jahrelang von ihrem Pflegevater missbraucht.
Hera Lind vermittelt das Leben der Kinder auf dem Kellerknechthof schonungslos. Die Geschichte ist nicht immer leicht zu lesen. Ich hatte oft einen Kloß im Hals. Die Pflegekinder wurden alle klein gehalten. Ihnen wurde vorgeworfen aus asozialen Verhältnissen zukommen und die Barmherzigkeit der Kellerknecht gar nicht verdient zu haben. Auch als Steffi auf ihre leibliche Mutter trifft, wird sie von der nur schamlos ausgenutzt. Dabei möchte Steffi doch nur einmal liebgehabt werden. Wie gerne hätte ich Steffi manchmal in den Arm genommen.
Steffi durchlebt in der Geschichte einen großen Leidensweg. Trotz vieler Rückschläge und der Tablettenabhängigkeit, in die sie gerät, habe ich Steffi für ihre Kraft bewundert.
Hera Lind erzählt die Geschichte sehr emotional. Ich war beim Lesen oft den Tränen nahe. Ich denke, der Autorin ging es beim Schreiben und vor allem bei den Gesprächen mit Steffi nicht anders. Trotzdem hat die Geschichte manchmal eine Leichtigkeit die den Leser*innen über den oft schwer verdaulichen Stoff hinweg hilft. Der Schreibstil von Hera Lind ist flüssig und gut verständlich. Die Charaktere werden gut beschrieben und sind bei weitem nicht alle sympathisch. Die Psychologin Frau Dr. Karin Winkler möchte ich hervorheben, sie war Steffi die größte Stütze.
„Im Namen der Barmherzigkeit“ ist ein Buch nach einem wahren Schicksal, dass mich sehr bewegt hat.
Steffi wird als siebtes Kind einer Frau geboren, die es ablehnt und sofort in Pflege gibt, jedoch keine Adoptionspapiere unterschreibt. So wächst sie im Heim auf und kommt im Alter von drei Jahren auf einen Bauernhof. Die Familie Kellermann gilt als wohltätig, weil sie zu ihren eigenen Kindern eine Menge Pflegekinder aufnimmt, missbraucht sie aber als billige Arbeitskräfte und behandelt sie mehr als schlecht. Sie werden geschlagen, müssen barfuß arbeiten und schlafen auf dem Heuboden. Blaue Flecken und Wunden sind an der Tagesordnung. Sowohl Fürsorge als auch sämtliche Dorfbewohner schauen weg. Als Steffi älter wird, vergreift sich der Bauer an ihr und sie schweigt aus Angst. Sie verweigert das Essen, wird magersüchtig und kommt mit fünfzehn ins Krankenhaus. Erst auf der Psychiatrie erkennt eine Ärztin, was mit ihr los ist, doch bei der Gerichtsverhandlung traut sie sich nicht gegen den Pflegevater auszusagen, aus Angst vor Repressalien. Obwohl sie nicht mehr in die Familie zurückmuss, wird ihr Leben keineswegs schöner, denn ihre leibliche Mutter taucht plötzlich auf ...
Ein fesselndes Buch, das berührt und aufwühlt. Die Autorin wählt am Anfang die dritte Person, als Steffi größer wird, erzählt sie in der Ich-Form. Ein trauriges Schicksal, das niemanden kalt lässt und vor allem auch deshalb grausam zu lesen ist, weil die Vorkommnisse gar nicht lange her sind, nämlich die 1980er und 90er Jahre. Kaum zu glauben, wie Behörden und Jugendamt wegsehen und nicht bemerken können, was sich auf dem Bauernhof wirklich abspielt. Selbst Nachbarn und Pfarrer sind der Ansicht, dass Pflegekinder froh sein müssen, wenn sie aufgenommen werden. Sogar in der Schule werden sie als »Kinder zweiter Klasse« (wie es Steffi nennt) behandelt. Ein mitreißender Roman, der durch den virtuos klaren bildhaften Schreibstil der Autorin zum Genuss wird. Leider muss ich sagen, dass der Klappentext nicht stimmt und ein wenig in die Irre führt – ich will hier jedoch nicht spoilern. Die Geschichte nimmt zwar einen anderen Verlauf, ist aber nichtsdestotrotz spannend und herzbewegend erschütternd. Daher gebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
wieviel kann man ertragen ? Das Buch „Im Namen der Barmherzigkeit“ ist ein Buch das mich sehr gefordert hat und dass ich immer wieder weglegen musste, um es ertragen zu können. Trotzdem entwickelt es eine Sogwirkung, weil man dem Leben von Steffi folgen möchte.
Steffi ist das siebte Kind ihrer Mutter und aus einem Seitensprung entstanden. Ihre Mutter, die in prekären sozialen Verhältnissen lebt, will sie noch nicht mal nach der Geburt sehen und gibt sie gleich zur Pflege frei. Nach drei Jahren Waisenhaus kommt Steffi zu einer Familien in der Steiermark, die einen Bauernhof betreibt. Sie ist eines von mehreren Pflegekindern, die Familie hat aber auch leibliche Kinder. Zwischen ihnen wird ein großer Unterschied gemacht. Während die leiblichen Kinder jegliche Annehmlichkeiten genießen, werden die Pflegekinder als „Arbeitssklaven „missbraucht, was aber nicht der einzige Missbraucht ist. Steffi erfährt psychische, körperliche und sexuelle Gewalt, die sie bis zu ihrem 15 Lebensjahr stoisch erträgt, immer mit der Drohung im Ohr, dass sie sterben würde, wenn sie darüber redet. Als sich starke körperliche Probleme herausstellen, kommt sie in die Psychatrie, später in ein Jugendhaus. Der Leser verfolgt ihr weiteres Leben das geprägt ist von Rückschlägen, Abhängigkeiten und wiederholten Fehlentscheidungen des Jugendamtes, die einen maßgeblichen Einfluss auf ihr weiteres Leben haben.
Wie schon zu Anfang erwähnt, fiel es mir schwer dieses Buch zu ertragen. Die Autorin schreibt am Schluss, dass sie nicht alle Schicksalsschläge aufgeführt hat und ich dachte, was konnte denn da noch mehr kommen. Ich habe es als Aneinanderreihung von Katastrophen empfunden, die für mehr als 5 Menschenleben gereicht hätten.Steffi ist mir schnell ans Herz gewachsen und ich hätte sie am liebsten ständig in den Arm genommen und sie getröstet. Wieder wird einem bewusst, wie wichtig Liebe, Anerkennung und ein stabiles familiäres Umfeld einen Lebensweg prägen können, um so erstaunlicher, wieviel Kraft Steffi entwickeln konnte, um diesem Teufelskreis zu entkommen. Es war schön zu lesen, dass sie zum Schluss doch ihr Glück gefunden hat, was ich ihr von Herzen gönne.
„Im Namen der Barmherzigkeit“ ist ein historischer Tatsachenroman der in Salzburg lebenden Autorin Hera Lind.
Die Handlung beginnt im Jahr 1972 mit der Geburt von Steffi. Sie ist das siebte Kind einer Frau, die kein Interesse an ihren Kindern hat. Mit knapp drei Jahren kommt sie zu der Bauernfamilie Kellerknecht, die schon eine ganze Reihe von Pflegekindern aufgenommen hat, um diese für sich schuften zu lassen. Allein das ist schon unglaublich und schockierend, wenn man bedenkt, dass dies in den 1970er Jahren stattfand. Aber das Leid wird für Steffi noch größer. Sie wird missbraucht und schwanger.
Obwohl der Schreibstil von Hera Lind sehr gut zu lesen ist, liest sich dieses Buch alles andere als leicht. Steffis Schicksal ist erschütternd. Aber sie ist nicht verbittert, sondern möchte ihrem Kind eine bessere Kindheit bieten, als die, die sie hatte.
Ich lese die Tatsachenromane von Hera Lind immer sehr gerne, da sie darin tragische Schicksale aufgreift, die ansonsten in Vergessenheit geraten wären und die gehört werden sollten. Es haben bereits zu viele Menschen weggesehen und es ist unfassbar wie viele nichts mitbekommen haben wollen, so dass die Täter niemals zur Rechenschaft gezogen wurden.
Mich hat dieser Roman erschüttert und wütend gemacht. Ich finde es wichtig, den Betroffenen eine Stimme zu geben, damit sich solche Schicksale nicht wiederholen und die Öffentlichkeit aufmerksamer wird.
Abschließend gibt es ein Nachwort der Autorin, von Steffi und von ihrer Ärztin. Diese runden den Roman gelungen ab.
Hera Lind hat hier bedrückend und fesselnd Wahrheit und Fiktion miteinander verwoben. Mich hat dieser Roman mit dem Schicksal der kleinen Steffi emotional sehr berührt. Es ist ein Stück Zeitgeschichte, das noch gar nicht so lange zurückliegt, aber gerne verdrängt wird und unsichtbar bleibt. Gerade deswegen finde ich es sehr wichtig, dass Hera Lind diesen Kindern – hier stellvertretend durch Steffi – eine Stimme gibt.
Mit knapp drei Jahren kommt Steffi in den 1970er Jahren als Pflegekind auf einen abgelegenen Bauernhof. Dort muss sie sich ihr hartes Schicksal mit den anderen Pflegekindern teilen, denn für ihr Essen und ihren Schlafplatz muss sie hart schuften. Sie wird grausam und unwürdig behandelt und später sogar regelmäßig von ihrem Pflegevater missbraucht. Als sie mit fünfzehn schwanger wird, kommt sie in ein Kloster, wo sich die Nonnen um junge Mütter kümmern. Dann macht Steffi sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.
Bereits die Beschreibung dieses Tatsachenromans hat mich berührt, so dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Zudem kannte ich bereits einige Tatsachenromane von Hera Lind, die mich allesamt tief bewegt haben. Der sehr gute Schreibstil ermöglichte mir ein schnelles Eintauchen in die Geschichte. Die Beschreibungen der Szenen und Erlebnissen waren real und nicht beschönigt. Das schätze ich sehr, denn Wahrheiten sollten offen und direkt ausgesprochen werden. Ich war oftmals einfach nur fassungslos und traurig, was Steffi - und auch allen anderen Kindern, die ein solches Schicksal erleiden mussten - angetan wurde. Und das alles unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit. Die Pflegekinder wurden von den Pflegeeltern anders behandelt als die leiblichen Kinder. Sie wurden schlecht behandelt und ausgenutzt. Ohne Schuhe mussten sie den ganzen Tag auf dem Hof und den Feldern arbeiten. Den Pflegeeltern ging es in Wahrheit ausschließlich um das Pflegegeld und billige Arbeitskräfte. Die zuständigen Behörden haben davor bewusst die Augen verschlossen oder auch nichts davon mitbekommen. Der lange Leidensweg und die bitteren Folgen für Steffi sind hart. Doch für ihre Kraft, trotz allem durchzuhalten und für sich zu kämpfen, habe ich sie ehrlich bewundert.
Diese Geschichte hat mich äußerst berührt und hängt mir auch noch sehr nach. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.
Puh. Wie viel ist ein Mensch im Stande zu ertragen? Bei diesem Buch wusste ich gar nicht so recht, was mich erwartet, auch wenn der Klappentext die Story eigentlich genug anteasert. Da ich aber gerne auch mal Romane lese, die auf wahren Begebenheiten beruhen, war ich hier sehr gespannt. Schon der Einstieg lässt erahnen, welche Abgründe sich hier auftun könnten, aber in keinster Weise war ich darauf vorbereitet, durch welche Hölle Steffi in ihrem Leben gehen wird. Man hat oft das Gefühl, man liest in einer Zeit von vor hundert Jahren, dabei ist das alles noch gar nicht so lange her.
Man kann hier eigentlich gar nicht so viel schreiben, ohne etwas vorwegzunehmen. Hera Lind hat es geschafft, Steffis Leben so authentisch wie möglich darzustellen, die Nachworte von Steffi, Fr. Dr. Winkler und Hera Lind selbst (das fand ich ganz toll, hier am Ende noch die persönlichen Sichtweisen der beteiligten Personen zu lesen) zeigen auf, dass hier offenbar eher noch Abstriche bei den Grausamkeiten gemacht wurden, dennoch ist das Buch stellenweise nur schwer auszuhalten. Als ob es nicht reicht, was Steffi in ihrem Leben generell widerfährt, lassen sie in all der Zeit auch noch so viele Personen im Stich, die eigentlich in der Pflicht gewesen wären, sie aus ihrer Hölle zu befreien.
Das Buch lässt mich schwer erschüttert zurück und macht mir wieder deutlich, wie viel Schicksale uns so oft im Leben verborgen bleiben und in welch privilegierter Umwelt ich groß werden durfte.
Es ist eine Geschichte, die der Welt erzählt werden muss und ein Meisterwerk, diese Geschichte in diesen Roman zu formen, der schlussendlich daraus geworden ist. Danke für dieses durch und durch bewegende und ergreifende Buch.
In "Im Namen der Barmherzigkeit" von Hera Lind wächst das Pflegekind Steffi auf einem Bauernhof auf. "Im Namen der Barmherzigkeit" nehmen die Pflegeeltern zu jedem eigenen Kind ein Pflegekind auf. Während die eigenen Kinder eine schöne Kindheit erleben dürfen, müssen die Pflegekinder wie Sklaven schuften und erleben viel Gewalt. Die Mädchen erfahren darüber hinaus besondere Grausamkeit.
Während des Lesens wurde mir immer wieder bewusst, dass es sich bei dieser Geschichte um eine wahre Begebenheit handelt. Es war manchmal wirklich schwierig, weiterzulesen; einige Szenen musste ich teilweise überfliegen, wenn relativ detailliert beschrieben wurde, was Steffi angetan wurde.
Hera Linds Schreibstil ist etwas ganz besonderes. Man wird so in den Bann des Buches gezogen, dass man gar nicht aufhören kann, zu lesen. Das Besondere hier ist, dass die ersten Kapitel in der dritten Person geschrieben sind. Doch sobald Steffi eigene Erinnerungen hat, wird in die Ich-Perspektive gewechselt, was die Handlung noch nahbarer und emotionaler macht.
Die Kapitel sind in Meilensteine von Steffis Leben unterteilt und immer mit Jahreszahlen hinterlegt, sodass man nachvollziehen kann, wie alt sie zu diesen Zeitpunkten war und wie diese ihr Leben beeinflusst haben.
Positiv aufgefallen sind mir auch die Nachworte von Hera Lind, Steffi und Karin Winkler, in denen sie darstellen, wie das Buch entstanden ist und persönliche Worte an den Leser richten.
Ich habe schon mehrere Bücher von Hera Lind gelesen und kann dieses, fast noch mehr als die anderen, nur weiterempfehlen. Was diesen Pflegekindern geschehen ist, darf sich nicht wiederholen und Aufklärung muss geleistet werden. Ganz klare Leseempfehlung mit 5/5 ♥️!
Die verlorene Kindheit In ihrem neuen Buch erzählt die Autorin die Geschichte der kleinen Steffi, die vom Jugendamt einem Bergbauernhof zugewiesen wird. Regelmässig nimmt das Ehepaar Kellerknecht ein Pflegekind auf, dass, im Gegensatz zu den leiblichen Kindern der Familie, versklavt, erniedrigt und bis aufs Blut ausgebeutet wird. So auch die kleine Steffi. Ab einem Alter von 12 Jahren vergeht sich der Bauer immer wieder auf brutalste Weise an ihr. Im Alter von 15 Jahren wird das Mädchen schwanger und kommt zu Nonnen, die sich um sie kümmern. Steffi freut sich auf ihr Kind und beschließt alles dafür zu tun, um ihm eine glücklichere Kindheit zu bieten. Doch immr wieder werden ihr Steine in den Weg gelegt. Fassungslos habe ich dieses Buch gelesen und Steffis Lebensweg verfolgt. Es ist unvorstellbar, was sich noch in den 1970er Jahren vor den wissenden Augen des Jugendamtes zutragen konnte. Der Fokus dieser düsteren Handlung liegt bei der kleinen Steffi, beschreibt ihre unerträglich gausame Kindheit und begleitet sie detailliert bis zu ihrer Schwangerschaft. Die anschließenden Leiden der jungen Frau, die auf dem Erlebten basieren, werden zum Teil nur angedeutet. Nachworte von Hera Lind, Steffi und ihrer Psychologin Dr. Karin Winkler runden diesen Roman ab. Diese Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, ist voller Dramatik, aufwühlend, reich an Wendungen und doch an keiner Stelle kitschig oder unglaubwürdig. Der audrucksvolle und bildgewaltige Schreibstil führte dazu, dass mir beim Lesen die Haare zu Berge standen. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Keine leichte Kost Das Cover zeigt ein Mädchen im ländlichen Ambiente auf einem unbefestigten Feldweg in kühlerer Jahreszeit – passend zum Thema. Die Hauptfigur Steffi Dreier, 1972 in Wien unehelich geboren, lebt als Pflegekind zunächst im Kinderheim, ab 1975 bei der kinderreichen Bauernfamilie Kellerknecht mit weiteren Pflegekindern als Arbeitskraft unter unmenschlichen Bedingungen. Ab zwölf Jahren vergewaltigt sie der Bauer brutal bei jeder möglichen Gelegenheit, bis sie 1986 in einer psychiatrischen Klinik in Graz behandelt wird unter der Aufsicht von Frau Dr. Winkler, die Steffis weiteren Lebenslauf teils begleitet und weiter verfolgt. Vor Gericht sagt Steffi, verfolgt von Panikattacken, Ohnmacht und Angstzuständen nicht gegen den Pflegevater aus. Die Schilderung dieser Kindheit mit so viel Demütigung, Prügelei, Lügerei bis zu sexuellem Missbrauch durch die Pflegeeltern zu lesen, ist schwer zu ertragen, sicher auch nicht leicht in passende Worte zu fassen als Autor:in. Der weitere stressige Lebensweg mit Re-Traumatisierung, mit Flashbacks gipfelt mit fünfzehn Jahren in einer Schwangerschaft. Die Sorge um ihre Tochter Sarah begleitet den Leser bis zu deren 18. Lebensjahr. Die Folgen durch Verletzung der Aufsichtspflicht von Jugendämtern und fehlender notwendiger Hilfestellungen für pubertierende Pflegekinder werden ebenso thematisiert wie das schändliche, unmenschliche Ausnutzen kindlicher Arbeitskraft und grober sexueller Missbrauch. Ein trauriges Buch zum Nachdenken.
Zum Inhalt: Das Buch erzählt die Geschichte von Steffi, die von ihrer leiblichen Mutter nicht gewollt war und weg gegeben wurde und schließlich bei einer Pflegefamilie landete, wo sie wie ein Kind zweiter Klasse und später auch noch missbraucht wurde. Irgendwann ist Steffi selbst schwanger und tut alles, um dem eigenen Kind ihr eigenes Schicksal zu ersparen, aber das wird ein harter Weg. Meine Meinung: Auch wenn man weiß, dass Hera Lind Geschichten erzählt, die an wahre Ereignisse angelehnt sind, ist man dann dennoch mehr als geschockt, wie hart manche Menschen es im Leben haben. Es tat weh, Steffis Geschichte zu lesen und man kann sich vorstellen, dass das ganze Grauen nicht mal im Ansatz im Buch geschildert wurde, denn selbst das was geschildert wurde, war schon so schlimm, dass es selbst beim Lesen kaum zu ertragen war. Ich war oft beim Lesen den Tränen nahe und fassungslos, was Steffi ertragen musste. Das sie das alles überlebt hat und dazu beigetragen hat, diese Geschichte zu erzählen, ist wirklich unfassbar. Ich hoffe sehr, dass sie ihre Traumata und Sucht überwunden hat. Fazit: Erschütternd
Die kleine Steffi wird direkt nach ihrer Geburt von ihrer Mutter abgegeben und kommt in ein Kinderheim. Im Alter von drei Jahren wird sie von einer Familie als Pflegekind aufgenommen, die zu jedem eigenen Kind ein Pflegekind auf ihrem Bauernhof aufnimmt.
Erzählt wird von Hera Lind Steffis wahre Geschichte und das ist keine schöne. Steffi und ihre Pflegegeschwister werden ausgebeutet, sie müssen die ganze Arbeit tun, müssen auf dem Feld, im Stall und im Haushalt helfen, müssen in einer Kammer schlafen, bekommen wenig zu essen und Kleidung nur die gebrauchte, abgenutzte der eigenen Kinder. Während die Kinder der Familie nicht helfen müssen, dürfen die Pflegekinder gerade mal so zur Schule und werden ausgenutzt. Steffi hat noch ein ganz schreckliches Schicksal, sie wird vom Bauer mehrfach missbraucht. Die Autrin erzählt die Geschichte eines so großen Missbrauch, gegen den niemand etwas unternommen hat. Es ist unglaublich, es macht einen traurig und wütend. Ich hatte mehr als einmal Tränen in den Augen, und schreckliches Mitgefühl mit den Kindern. Ein bewegendes Buch, welches noch lange nachhallen wird.
Das Buch behandelt die Zeit, in der Heimkinder systematisch bei mittellosen Bauern untergebracht wurden, ohne dass es ausreichende Kontrollen gab. Die Leidensgeschichte der Protagonistin wird dabei so eindringlich und realitätsnah erzählt, dass sie tief berührt und lange nachwirkt. In den 1970er-Jahren kommt die dreijährige Steffi zu einer Bauernfamilie, wo sie schon bald harte Arbeit leisten muss und ab ihrem neunten Lebensjahr Missbrauch erfährt. Mit 15 wird sie schwanger und in ein Kloster für ledige Mütter gebracht. Dort entschließt sie sich, ihrem Kind ein besseres Leben zu bieten und begibt sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Ich konnte das Buch nicht direkt vor dem Schlafengehen lesen, da die Beschreibungen sehr lebhaft waren und nahegingen. Die Autorin schafft es, eine Geschichte zu erzählen, die unter die Haut geht und lange im Gedächtnis bleibt. 5 Sterne.
Hera Lind bringt die Lebensgeschichte einer Frau auf Papier, die in ihren jungen Jahren fürchterlichen Umständen ausgesetzt war. Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung prägen Steffis Leben. Sie wächst in den 1970er Jahren im ländlichen Raum bei einer Pflegefamilie auf und wird dort primär als landwirtschaftliche Arbeitskraft gesehen. Später wird sie von ihrem Pflegevater vergewaltigt und trägt dadurch zahlreiche physische und psychische Verletzungen davon. Auch nach der Flucht aus der Pflegefamilie wird das Leben der inzwischen jugendlichen Steffi durch weitere Tiefschläge geprägt. Eine sehr beeindruckende Geschichte, die ein wichtiges Thema thematisiert.
This entire review has been hidden because of spoilers.
"Kinder erleben nichts so scharf und bitter wie Ungerechtigkeit." (Charles Dickens) Die 3-jährige Steffi wird in den 70er-Jahren zu der steirischen Bauernfamilie Kellerknecht vermittelt. Doch statt Liebe und Familie erleben die Pflegekinder dort nur geringe Liebe, spärliches Essen und harte Arbeit. Während ihre leiblichen Kinder verwöhnt sind, müssen die Pflegekinder die schwere Arbeit auf dem Bauernhof verrichten und dies sogar barfuß. Selbst die Fürsorge, die regelmäßig vorbeischaut, wird angelogen und bestochen. Sie verschließen sogar regelrecht Augen vor der Ungerechtigkeit, dessen die Kinder ausgeliefert sind. Steffi wird älter und damit interessant für den Bauern. Ein Mann, der seine Pflegekinder regelmäßig misshandelt und die Mädchen sogar missbraucht. Als die 15-jährige Steffi schwanger wird, kommt sie zu Nonnen, wo sie von Schwester Reinhildis innig umsorgt wird. Steffi möchte für ihr eigenes Kind eine liebevolle Mutter sein und kämpft für sie. Doch das Trauma der Vergangenheit holt sie immer wieder ein und versucht sie zu brechen.
Meine Meinung: Das Cover und der Klappentext haben mich so berührt, dass ich unbedingt mehr erfahren will. Vor allem, weil Steffis Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Mich schockiert zudem, dass alles ja noch gar nicht so lange her ist. Die kleine Steffi erblickt im Juli 1972 das Licht der Welt. Ihre herzlose, kalte Mutter hat regelmäßig Affären mit anderen Männern. Da Steffi von einem Türken ist, stößt sie das Kind erst recht von sich. So kommt das kleine Mädchen erst in ein Heim und anschließend zur Pflegefamilie Kellerknecht. Keiner konnte ja ahnen, dass die Kinder dort ungerecht behandelt werden. Schließlich sind die Bauersleute gottesfürchtige Christen und selbst Eltern. Doch während ihre eigenen Kinder verwöhnt sind, müssen die Pflegekinder oft bis tief in die Nacht schuften. Dabei haben sie nur den kargen Dachboden zum Schlafen und eine Dusche mit kaltem Wasser im Keller. Die Kellerknechts nehmen nicht einmal Rücksicht, als man bei Steffi Asthma feststellt. Sie gerät sogar ein paar Mal fast in Lebensgefahr. Welche Macht der grobe und brutale Bauer allerdings wirklich hat, bekommt Steffi erst so richtig zu spüren, als sie älter ist. Gewalt, Missbrauch und Angst traumatisieren für immer ihr Leben. Immer wieder findet sie jemanden, bei dem sie ein wenig Liebe verspürt, wird dann allerdings enttäuscht. Es scheint sogar so, als ob es niemanden auf der Welt gibt, der sie wirklich liebt. Erst als die kleine Sarah nach der Entbindung in ihr Leben tritt, kämpft sie wie eine Löwin, damit sie ihr Kind behalten darf. Doch es ist ein Leben mit Rückschlägen und Ängsten, gezeichnet von viel zu wenig Liebe. Mich schockiert, weil Steffis Schicksal ja noch gar nicht so lange her ist. Dass eine Behörde wie die österreichische Fürsorge einfach die Augen verschließt, macht mich fassungslos. Warum wollten sie nicht sehen, wie Kinder verwahrlosen, abmagern und lieblos behandelt werden? Stattdessen machen sie später einer jungen Frau das Leben schwer. Obwohl die ihrem Kind all die Liebe schenkt, die sie selbst nie erhalten hat. Die Autorin nimmt uns mit in eine Kindheit, die man kaum ertragen kann. Dabei verschweigt sie sogar noch viele schlimme Ereignisse, um es den Lesern nicht zu schwer zu machen. Das Ende wird sogar beschönigt, wie ich im Nachwort erfahre. Fraglos ist diese Frau zu einer wahren Kämpferin herangewachsen, obwohl das Leben Steffi so zugesetzt hat. Eine Kämpferin, die nicht aufgibt. Trotz immer wiederkehrender Rückschläge nimmt sie ihr Leben an und findet sogar die Liebe. Steffis Schicksal steht für all die Kinder, die mit Lieblosigkeit, Gewalt und Missbrauch aufwachsen. Sehr detailliert beschreibt Hera Lind Steffis Kindheit, sodass ich mehr als einmal zum Taschentuch greife. Trotzdem haben wir lange nicht alles erfahren, wie ich im Nachwort lese. Ich kann es nur empfehlen und gebe 5 Sterne, aber man braucht starke Nerven dafür.
Ein erschütterndes, zugleich tief bewegendes Buch, das weit über das bloße Erzählen einer Lebensgeschichte hinausgeht. Hera Lind gelingt es, das Schicksal von Steffi mit einer sprachlichen Klarheit und erzählerischen Kraft zu schildern, die unter die Haut geht.
Was zunächst wie ein tragisches Einzelschicksal wirkt, entfaltet sich zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Themen wie Missbrauch, Ungerechtigkeit, Ohnmacht – und dennoch auch mit Hoffnung, innerer Stärke und der unerschütterlichen Kraft der Barmherzigkeit. Die Geschichte zeigt eindringlich, was ein Mensch ertragen kann, ohne daran zu zerbrechen, und wie entscheidend Mitgefühl und Menschlichkeit sein können – gerade dort, wo man sie am wenigsten erwartet.
Besonders beeindruckt hat mich die Authentizität der Erzählung: keine Effekthascherei, sondern ein würdevoller, respektvoller Umgang mit einer wahren Geschichte. Hera Lind gibt Steffi eine Stimme, die lange ungehört blieb – und verleiht ihr auf diese Weise eine stille Form von Gerechtigkeit.
Ein Buch, das nachhallt – und das ich jeder Person ans Herz lege, die sich für echte Lebensgeschichten, gesellschaftliche Verantwortung und menschliche Tiefe interessiert.