Wusstest du, dass die Schweiz in einem Jahr (!) für Kühe fast so viel Geld ausgibt, wie in 20 Jahren für die Kinderbetreuung? Weisst du, wie viel Prozent Teilzeit du mindestens arbeiten solltest, um in der Altersvorsorge zu bleiben? Erkennst du, wenn deine Bank dir ein typisches "Frauen-Portfolio" vorlegt?
"Close the Gaps" ist meiner Meinung nach ein Buch, das jede Frau gelesen haben sollte – und jeder Mann ebenfalls. Es geht nicht um „ein bisschen Lohnunterschied“, sondern um strukturelle Ungleichheit, die leise beginnt und sich über ein ganzes Leben zieht. Was wie kleine Kompromisse aussieht – Teilzeit, Betreuung, Abgabe von finanziellen Entscheidungen, diplomatischer Verzicht usw. – kann später massive finanzielle Folgen haben. Und Unwissenheit ist dabei ein Kernproblem.
Ich habe beim Lesen oft an meine eigene Mutter gedacht. Gerade alte Rollenbilder und von der Gesellschaft unhinterfragte Systeme können Frauen tief ins materielle Fleisch schneiden (siehe: Altersarmut ist weiblich). Aber auch wenn heute viele Frauen gleich viel arbeiten und selbstständig verdienen, wie Männer, ist es wichtig, typisch geschlechterspezifische Stolperfallen und Chancen zu kennen und sich als Frau finanzielles Know-How anzueignen. Dieses Buch macht sichtbar, was sonst im Verborgenen bleibt – und schenkt uns Werkzeuge, um es besser zu machen.
Die Autorinnen sprechen auch globale Missstände an, fokussieren sich aber auf die Schweiz. Die Sprache ist leicht verständlich, die Gestaltung zugänglich. Beispiele, Checklisten und weiterführende Literatur machen den Inhalt sehr praxisbezogen und realitätsnah.
Ich persönlich hätte auf den "Rebellinnen"-Slogan im Titel verzichtet, weil er auf mich etwas zu reisserisch wirkt. Es geht hier nicht um Gender-Kampf, sondern um sachlich und glaubhaft fundierte Gleichstellung. Dieses Buch will wirklich Lücken schliessen - vor allem Wissenslücken. Und das gelingt meiner Meinung nach sehr gut.
Mein Tipp: Möglichst früh im Leben lesen und auch toll als Geschenk geeignet.